Super League

Eiskalt bestraft: Der FC Basel verliert gegen YB auf eine bittere Art und Weise

Obwohl der FCB schon die dritte Saisonniederlage in der Liga einfährt, hört man nach dem Abpfiff angriffige Töne. Ciriaco Sforza und Co sind überzeugt, mit einer Siegesserie irgendwann ins Titelrennen einzusteigen. Doch allzu lange sollten sie damit nicht mehr warten. YB ist bereits acht Punkte weg.

Jakob Weber
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Heinz Lindner liegt geschlagen am Boden.
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Mit 17 Jahren feierte Chiappetta heute sein Debüt.
Chiappetta in Aktion.
Lindner dirigiert seine Vorderleute.
Cabral und Sforza wirken nicht zufrieden.
Kasami gegen Ngamaleu.
Julian von Moos läuft hinterher.
Ein Abschluss von Fabian Frei.
Van Wolfswinkel ist erst in der Nachspielzeit ins Spiel gekommen.
Cömert am Boden.
YB-Verteidiger Garcia mit einem Abschluss.
Cabral hat Hefti vor sich.
Der Debütant Klose im Duell mit Elia.
Nsame erzielt den Ausgleich.
Zhegrova ignoriert jubelnde Berner.
Cabral bejubelt seinen Treffer.
Cabral versenkt seinen Elfmeter.
Afimico Pululu verfolgt Fassnacht.
Kasami mit Einsatz im Mittelfeld.
Heinz Lindner ersetzt den Coronapositiven Nikolic.

Heinz Lindner liegt geschlagen am Boden.

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Minusgrade im Wankdorf. Die Spieler atmen beim Einlaufen sichtbare Wolken aus, bald dampfen sie auch am ganzen Körper. Denn auf dem Platz geht es im Spiel der beiden selbsternannten Meisterkandidaten heiss zu und her. Edon Zhegrova landet in der Startphase schmerzhaft in der TV-Barrieren am Spielfeldrand. Auch Valentin Stocker und Timm Klose beissen auf die Zähne, als sie lädiert aus einem Zweikampf heraus kommen.

Abtasten gibt es nicht. Beide Teams spielen von Anfang an offensiv aufs gegnerische Tor. Nach zehn Minuten stehen bereits sechs gute Torabschlüsse auf dem Chancenblatt. Der FCB kommt über Prellbock Arthur Cabral und die beiden schnellen Flügelstürmer Zhegrova und Afimico Pululu immer wieder gefährlich hinter die YB-Viererkette. So auch in der 22. Minute. Pululu dringt an Silvan Hefti vorbei in den Strafraum ein und wird vom YB-Rechtsverteidiger zu Fall gebracht. Elfmeter. Cabral, der schon in der Europa-League-Quali gegen Sofia vom Punkt getroffen hatte, verlädt YB-Goalie von Ballmoos. 1:0 für Basel. Wie schon im Cupfinal Ende August führen die Gäste im Wankdorf, doch ebenso wie im Cupfinal kommt YB zurück. «Wir haben stark angefangen, aber auch stark nachgelassen», erklärt FCB-Captain Valentin Stocker.

Abstimmungsprobleme führen zu zwei Geschenken

Diesmal liegt es auch daran, dass der FCB Chancen auf das 2:0 ungenutzt lässt. «Wir sind teilweise in Schönheit gestorben und hätten besser den nächsten Mann finden sollen», analysiert Stocker später. Dem FCB fehlt in dieser Phase die Kaltschnäuzigkeit. Eiskalt ist neben dem Wetter nur YB. Nach einem Befreiungsschlag von Goalie von Ballmoos – mit dem schwachen linken Fuss – gibt es in der 41. Minute Abstimmungsprobleme in der FCB-Defensive. Andrea Padula geht drauf, Eray Cömert sichert nicht ab und schon ist YB-Topskorer Jean-Pierre Nsame alleine vor FCB-Goalie Heinz Lindner und schiebt den Ball zum 1:1 ins lange Eck. «Wir haben die Tore zu einfach bekommen», sagt Lindner.

Er spricht zurecht im Plural, denn auch das 1:2 in der 61. Minute ist ein Basler «Geschenk», wie es Trainer Ciriaco Sforza nennt. Cömert spielt im Aufbau etwas gar riskant auf Zhegrova. Der kommt zu wenig entgegen, lässt sich den Ball stibitzen und schon ist der schnelle Meschack Elia im Eins-gegen-Eins mit Timm Klose. Dieser wirkt in der Szene scheinbar festgefroren, so gross ist der Geschwindigkeitsunterschied. Einen Abschluss ins lange Eck später jubeln die Berner erneut. Jetzt steht es 2:1. «Unachtsamkeiten wurden heute eiskalt bestraft», sagt Lindner.

Eiskalt ist nur noch das Wetter

In der Folge kann der FCB nicht mehr zulegen. YB hat das Spiel im Griff. Eiskalt ist jetzt nur noch das Wetter. Denn auch das Heimteam sündigt in der Schlussphase im Abschluss. So bleibt es am Ende beim 2:1. YB zieht damit in der Tabelle auf acht Punkte davon. Der FCB kann am kommenden Mittwoch im Nachholspiel gegen Lausanne den Rückstand verkürzen. Denn irgendwann muss der FCB anfangen zu punkten, wenn er sich nicht frühzeitig aus dem Titelrennen verabschieden will.

Ciriaco Sforza ist auch nach der dritten Niederlage im sechsten Saisonspiel positiv gestimmt. «Wir konnten heute gut dagegen heben. Ich bin zuversichtlich, dass wir langfristig um die Meisterschaft mitspielen können», sagt er. Noch fehle seinem Team der Spielrhythmus. Auch fehlen aktuell noch wichtige Spieler wie zum Beispiel Silvan Widmer oder Taulant Xhaka. «Wir wissen, dass Potenzial da ist, aber brauchen noch etwas», sagt Sforza. In dieser Hinsicht stimmt ihm auch Stocker zu. Der Captain, der an gleicher Stelle Ende August nach dem Cupfinal noch über fehlende Qualität sprach, sagt jetzt: «Wir haben eine gute Truppe mit Qualität und müssen uns jetzt so schnell wie möglich finden, damit wir anfangen zu punkten.»

Das Telegramm:

Young Boys - Basel 2:1 (1:1)

SR San. - Tore: 22. Cabral (Foulpenalty) 0:1. 41. Nsame (Von Ballmoos) 1:1. 61. Elia (Nsame) 2:1.

Young Boys: Von Ballmoos; Hefti, Camara, Lustenberger, Garcia; Fassnacht (89. Zesiger), Sierro (67. Rieder), Aebischer, Sulejmani (67. Moumi Ngamaleu); Elia (77. Gaudino), Nsame (77. Siebatcheu).

Basel: Lindner; Padula (92. Van Wolfswinkel), Cömert, Klose, Jorge; Kasami, Frei; Zhegrova (66. Chiappetta), Stocker (77. Stocker), Pululu (66. Von Moos); Cabral (92. Petretta).

Bemerkungen: Young Boys ohne Martins, Spielmann, Lauper, Petignat und Faivre (alle verletzt). Basel ohne Xhaka, Bunjaku, Zuffi, Marchand, Dimitriou (alle verletzt), Widmer, Nikolic und Van der Werff (alle krank/Quarantäne). Super-League-debüt des 17-jährigen Carmine Chiappetta. Verwarnungen: 26. Sierro (Foul), 43. Pululu (Foul), 77. Cabral (Reklamieren).

Die Noten:

Heinz Lindner: Note 5 Es gibt einfachere Spiele für ein Debüt. Zeigt sich davon aber unbeeindruckt, strahlt eine grosse Sicherheit aus, spricht viel und ist bei den Toren schuldlos. Ausserdem verhindert er Schlimmeres.
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Andrea Padula: Note 3,5 Spielt erstmals da, wo ihn Sforza eigentlich sieht. Wird vom Trainer dennoch pausenlos korrigiert, weil er auch auf der rechten Seite nicht wirklich mehr überzeugen kann.
Eray Cömert: Note 4 Anfangs ist an ihm in diesem Spiel kein Durchkommen. Beim Ausgleich sieht er unglücklich aus. Ihn schuldig zu sprechen wäre aber zu unfair.
Timm Klose: Note 3,5 Wer Schuld hat am zweiten Gegentor mag er nicht abschliessenden beurteilen. Eine Mitschuld trägt er jedoch. Schade, denn sonst ist es beeindruckend, wie viel Ruhe er ausstrahlt.
Jorge: Note 4 Dass er Mühe hat mit der Kälte, hat er zugegeben. Erstmals ist das auch zu sehen auf dem Platz. Er wird nie ganz warm mit dieser Partie.
Fabian Frei: Note 4 Versucht sich immer wieder mit Distanzschüssen, aber versieht diese nicht mit der nötigen Präzision. Generell kein Spiel, in dem er gross brilliert.
Pajtim Kasami: Note 3,5 Als ihm die Luft zunehmend ausgeht, fängt er an zu foulen. Das passiert leider zu früh im Spiel. Bis zu diesem Zeitpunkt bewegt er sich gut zwischen den Linien.
Edon Zhegrova: Note 3,5 Er hat diverse Ballverluste in seinem Spiel. Einer davon ist kapital: der führt zum 1:2 aus Basler Sicht.
Valentin Stocker: Note 4 Gut angefangen, gut abgebaut - so fasst er die Partie zusammen und trifft damit auch seine Leistung sehr gut auf den Punkt.
Afimico Pululu: Note 4 Holt den Penalty clever raus gegen Hefti und fordert diesen auch sonst ordentlich. In Durchgang zwei hat ihn Hefti durchschaut und muss er früh raus.
Arthur Cabral: Note 4,5 Der Anlauf beim Penalty ist zum Wegschauen. Dafür ist seine Torquote sehenswert: Der Elfer ist Treffer Nummer vier im sechsten Ligaspiel. Das hilft am Ende aber leider wenig.
Julian von Moos: Note 4 Ersetzt in der 66. Pululu. Ist relativ unauffällig. Was aber auch heisst, dass er keine Fehler macht.
Carmine Chiappetta: Note 4 Der erst 17-jährige junge Mann mit dem klingenden Namen ersetzt in der 66. Zhegrova und kommt so zu seinem Profi-Debüt. Gross in Erinnerung wird es aber leistungstechnisch nicht bleiben.
Samuele Campo: keine Note Ersetzt in der 72. Minute Stocker und ist damit zu kurz im Einsatz für eine Bewertung.
Ricky van Wolfswinkel: keine Note Kommt in der 92. für Padula und ist damit zu kurz im Spiel f¨ür eine Bewertung.
Raoul Petretta: keine Note Kommt in der 92. für Jorge und ist damit zu kurz im Spiel für eine Bewertung.

Heinz Lindner: Note 5 Es gibt einfachere Spiele für ein Debüt. Zeigt sich davon aber unbeeindruckt, strahlt eine grosse Sicherheit aus, spricht viel und ist bei den Toren schuldlos. Ausserdem verhindert er Schlimmeres.

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