Der Ruhm um Weltmeister-Trainer Jogi Löw verblasst – nun kritisiert ihn sogar sein einstiger WM-Held Schweinsteiger

Fussball-Deutschland ist in der Krise. Die kritischen Stimmen mehren sich. Trainer Jogi Löw sei dünnhäutig und arrogant. Findet er nochmals einen Weg aus der Krise?

Êtienne Wuillemin aus Köln
Drucken
Teilen
Joachim Löw Deutscher Bundestrainer: «Die Schweiz ist für jeden Gegner eine grosse Hürde.»

Joachim Löw Deutscher Bundestrainer: «Die Schweiz ist für jeden Gegner eine grosse Hürde.»

Friedemann Vogel / EPA

Deutschland Joachim Löw sitzt gut ­gelaunt in Köln. 40 Minuten nimmt er sich Zeit, um die Lage der Fussball­nation zu erklären. 40 Minuten, in denen er vielleicht auch ein bisschen gute Miene zum bösen Spiel macht. Weil er weiss: Die Kritik an ihm nimmt ansonsten noch mehr zu.

Deutschland ist besorgt um seine Nationalmannschaft. Daran hat auch nichts geändert, dass am letzten Samstag in der Ukraine endlich der erste Sieg in der ungeliebten Nations League gelang (inklusive der ersten Austragung 2018!). Das blamable Aus in der Vorrunde der WM 2018 ist noch immer nicht verdaut. Und darum herrscht schon Aufregung, wenn die TV-Zuschauerzahlen zurückgehen, wie das derzeit der Fall ist.

Als Deutschland 2014 Weltmeister wurde, war Bastian Schweinsteiger der Chef im Mittelfeld. Der verlängerte Arm von Trainer Löw. Jetzt ist der 36-Jährige TV-Experte bei der ARD. Und hat nun erstmals seinen früheren Trainer kritisiert. Es geht um die deutsche Abwehr. Löw testet derzeit die Dreierkette, es ist ein System, das irgendwie nicht zur Mannschaft passen will. Und doch hält der Bundestrainer daran fest. «Ich stehe über den Dingen», sagte er am Samstag nach dem Spiel in der Ukraine in seiner Verteidigungsrede. Der «Kicker» warf Löw vor, er sei dünnhäutig und arrogant.

Gestern sagt Löw: «Es geht darum, dass wir an der EM verschiedene Pläne haben und je nach Gegner reagieren können. Wir müssen variabel sein, auch das Spiel mit drei Innenverteidigern schärfen.» Auf die Kritik an seiner Person reagiert er sachlich: «Ich sage es einfach so, wie ich es denke. Im Fussball gibt es viele Meinungen, und das ist gut so, sonst wäre es ja langweilig.» Genau darum fände er die Kritik von Schweinsteiger auch nicht respektlos.

Auch zur Schweiz äusserte sich der deutsche Bundestrainer vor dem heutigen Duell ausführlich. Und geriet dabei beinahe ins Schwärmen. «Es wird einiges auf uns zukommen. Die Schweizer sind frech, setzen den Gegner unter Druck und machen einen homogenen, guten Eindruck.» Löw erwartet ein anderes Spiel für Deutschland als noch gegen die Ukraine. «Die Schweizer spielen nicht einfach auf Konter.»

Beeindruckt hat Löw aber vor allem die Schweizer Abwehrarbeit. «Spanien hatte kaum Chancen. Wenn man gegen so einen starken Gegner nichts zulässt, sagt das alles.» Und folgert: «Die Schweiz ist mittlerweile für jeden anderen Gegner eine grosse Hürde.» Es ist ein Lob, das Petkovic und seine Spieler freuen darf. Klar ist aber: Löw braucht einen überzeugenden Sieg, sonst nimmt die Kritik an ihm weiter zu.