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Die Bundesliga ruft - und Düsseldorf spielt verrückt

Es scheint, als gäbe es die zweiten 90 Minuten nicht mehr: Düsseldorf plant die Aufstiegsfeier der Fortuna. Norbert Meier muss vor dem Duell mit Lehrmeister Otto Rehhagel die riesige Euphorie dämpfen.

Thomas Nowag, Düsseldorf
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Euphorisch feiern Düsseldorfer Fans den Sieg in Berlin

Euphorisch feiern Düsseldorfer Fans den Sieg in Berlin

Keystone

Geheimer Empfang im Rathaus? Riesenparty in der Arena? Konzert der Toten Hosen? Ganz Düsseldorf plant die Aufstiegsfeier – doch 22 Fortuna-Spieler und ein Trainer wollen überhaupt nichts davon wissen. «Wenn einer denkt, wir wären aufgestiegen, dem springe ich seitlich ins Knie!», droht Captain Andreas Lambertz vor dem heutigen Finale gegen Berlin in der Relegation (20.30/ARD).

Es gehe ihm, so Lambertz, «tierisch auf den Sack, dass alle schon denken, wir sind bereits in der Bundesliga». Dennoch: Nach dem 2:1 im Hinspiel ist die Riesenchance auf die Bundesliga-Rückkehr nach 15 Jahren da. Das Denkmal Otto Rehhagel soll gestürzt werden.

Und wie das eben so ist: Beide Trainer beteuern, es sei alles offen, allerdings aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Rehhagel – «Es ist noch nichts gelaufen» – aus Sicht des Hinspiel-Verlierers, der irgendwie versuchen muss, die Hoffnung am Leben zu halten. Norbert Meier – «Gelaufen ist noch nichts» – aus Sicht des Siegers, der irgendwie versuchen muss, die schäumende Euphorie zu dämpfen. «Morgen früh geht die Sonne auf. Alles andere ist spekulativ», sagte er gestern und kündigte scherzhaft an, seinen Spielern ein «Gutenacht-Lied zu singen, damit alle gut schlafen».

Ein Empfang für Helden

Es wird Meier zuwider gewesen sein, dass die Fortuna nach dem Hinspiel auf dem Düsseldorfer Flughafen mit einer Wasserfontäne begrüsst wurde – ein Empfang für Helden. «Was soll das? Wir haben nichts erreicht!», hatte Lambertz, das Fortuna-Idol, das von der 4. Liga in die erste Liga durchmarschieren könnte, gezischt. «Abstiegsberliner» in Bäckereien, Diskussionen über die mangelnde Kapazität des Rathausplatzes – das alles könnte den Bruder Leichtfuss wecken, befürchten viele.

Und das hoffen auch viele. In Berlin. Dort lasse sich «keiner hängen», sagte Rehhagel, «wir haben immer noch die Möglichkeit, in der Liga zu bleiben». Manager Michael Preetz hat beobachtet, dass die Stimmung von «sehr enttäuscht zu sehr kämpferisch gekippt ist». Das war auch im Training zu beobachten, wo es zwischen Christian Lell und Änis Ben-Hatira mächtig rappelte. So war es bei der Fortuna vor dem Hinspiel gewesen.

Zu Hause eine Macht

Egal. «Es ist erst Halbzeit», sagt Preetz: «Wir wissen, dass wir in der Vergangenheit auswärts sehr oft stärker waren als zu Hause.» Allerdings war Düsseldorf zu Hause eine Macht in dieser Saison, eine Niederlage in 17 Spielen ist eine Liga-Bestmarke. Die Arena «wird brennen», wie einige Spieler unisono ankündigen, alle Karten sind verkauft. Und selbst Meier erlaubte sich einen kleinen Blick nach vorn: «Beim Aufstieg wäre die Stadt voller Glückseligkeit. Das haben sich die Fans auch verdient.»

Als Abwandlung von Rehhagels kontrollierter Offensive plant Meier eine «kontrollierte Defensive»: «Wir wollen gut stehen, wenig zulassen, nicht euphorisch nach vorne rennen.» Nach dem Spiel soll sich seine Mannschaft mit einer Abschlussfahrt nach Mallorca belohnen, was zur Diskussion bei Hertha passt. Rehhagels Ankündigung, sich ja so oder so in die Ferien zu verabschieden, hatte erhebliche Wellen geschlagen. «Das ist doch Papperlapapp», sagte der: «In Berlin interessiert es niemanden, wann Otto Rehhagel in den Urlaub fährt.» Anscheinend doch – und vor allem, ob als Absteiger oder nicht. Es wäre ein trauriger Schlusspunkt einer grossen Karriere.

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