Super League
Der FCB erledigt die Hausaufgabe «FC Lugano» souverän, gewinnt 4:0 und ist bereit für ZSKA Moskau

Schon bevor der FCB überhaupt nach Lugano reiste, kamen die ersten Fragen an Raphael Wicky zu ZSKA Moskau, dem so wichtigen Champions-League-Spiel am Mittwoch. Schont er Spieler? Lässt er taktisch ähnlich spielen wie er es in Moskau plan?

Sébastian Lavoyer
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Raoul Petretta (l.) gelang gegen Lugano und Alexander Gerndt der erste Super-League-Treffer.

Raoul Petretta (l.) gelang gegen Lugano und Alexander Gerndt der erste Super-League-Treffer.

Keystone

Lugano wird zur lahmen Pflichtaufgabe. Wicky spricht in diesem Zusammenhang von den «Hausaufgaben», was nicht viel spannender tönt. Aber eben: Wer die Hausaufgaben nicht macht, der kriegt als Belohnung kein Zückerchen.

So betont FCB-Trainer Wicky in diesen Momenten jeweils, dass man nur ans nächste Spiel denke, jede Partie mit grösster Seriosität angehe. Aber letztlich sind das bloss Worte. Man muss ihnen Taten folgen lassen, wenn sie Bedeutung erlangen sollen. Und das hat der FCB am Samstag auf souveräne Art erledigt.

4:0 fertigen die Basler den FC Lugano ab. Ohne Topskorer Ricky van Wolfswinkel, ohne jenen Mann, der bis zu diesem Spiel im Tessin die Hälfte aller Basler Meisterschaftstore (sieben an der Zahl) erzielt hat. Er brach sich gegen Benfica den Mittelfuss. Und nach dem 0:0 gegen GC fragte man sich: Wie wollen sie diesen Ausfall bloss wettmachen?

Basel-Spieler treffen plötzlich

Die Antwort: Unter anderem durch die Rückholaktion von Albian Ajeti. Kurz vor Transferschluss kehrte der Basler für rund drei Millionen Franken aus St. Gallen heim. Im Winter 2016 verliess er das Joggeli, weil man ihm mit Andraz Sporar einen Konkurrenten vor die Nase setzte.

Via Augsburg landete er in St. Gallen und reifte zu einem der besten Stürmer der Super League. Das zeigte er bei seinem ersten Auftritt für den FCB seit fast zwei Jahren. Ajeti behauptete die Bälle, rannte und ackerte, schafft Räume, suchte immer wieder den Abschluss – und traf zum 2:0 kurz vor der Pause.

Eine weitere Erkenntnis des Spiels: Die FCB-Spieler treffen plötzlich. Nicht nur einer, sondern vier. Als Torschützen reihten sich neben Ajeti auch Raoul Petretta, Mohamed Elyounoussiu und Cedric Itten ein, der zweite zurückgeholte Jungstürmer.

Der wohl jüngste Angriff der Liga hat also gezeigt, dass er auch ohne seinen Star (funktioniert van Wolfswinkel). Und das vor dem wegweisenden Spiel gegen ZSKA Moskau. Ein Punkt in Russland und ein Sieg im Joggeli und das europäische Überwintern ist so gut wie sicher.

Die Euphoriebremse

Doch treten wir auf die Euphoriebremse: Die Leistungen junger Spieler schwanken in der Regel stärker als die einer routinierten Mannschaft. Das weiss Wicky und warnt: «Wenn man gewinnt und es gut läuft, muss man noch beharrlicher sein im Alltag. Denn es wird ein brutal schwieriges Spiel in Moskau.» Vier Mal spielte der Armeeklub zuletzt in der Liga zu null.

Zuletzt mit einer Abwehr mit dem fast schon methusalemischen Durchschnittsalter von 33,5 Jahren. Gegen den 38-jährigen Sergey Ignaschewitsch spielte Raphael Wicky selbst noch, als er vor mehr als zwölf Jahren mit der Nati auf Russland traf.

Die langsamen Senioren

Die russischen Senioren treffen am Mittwoch auf den Basler Jungsturm. «Wenn wir es schaffen, dass wir in Sprintduelle mit ihnen kommen, kann es das ein Vorteil sein für uns», sagt Wicky. Das muss also das Ziel sein: Schnell umschalten, den Gegner überraschen.
Wie ZSKA auftreten wird, darüber rätselt auch Wicky.

Dominant und nach vorne orientiert wie in der Liga oder im Heimspiel der Champions-League-Playoffs gegen YB (2:0 für ZSKA)? Oder doch tief stehend und abwartend wie in den bisherigen Auftritten in der Königsklasse (2:1-Auswärtssieg gegen Benfica und 1:4-Heimpleite gegen Manchester United)?

Sicher ist: Das 5:0 der Basler gegen Benfica blieb auch in Moskau nicht unbemerkt. Trainer Viktor Gontscharenko weiss um die Schnelligkeit der Basler und ihre Stärken im Konterspiel. Er wird sich hüten, in ein ähnliches Debakel reinzulaufen wie die Portugiesen.

Auf Basler Seite kann davon ausgegangen werden, dass Wicky in Moskau wieder im 3-4-3 spielen lassen wird, nachdem er in Lugano bedingt durch die Sperren von Taulant Xhaka und Eder Balanta auf 4-2-3-1 wechselte.

Oberlin zürück im Team

Auch Benfica-Triumphator Dimitri Oberlin dürfte –er wurde gegen Lugano nach einer viertägigen Krankheitspause vom Trainer geschont – wieder ins Team rücken. Die grosse Bühne scheint ihm zu behagen. Und Basel lechzt nach weiteren Sternstunden.

Ganz nebenbei können die auch im Meisterrennen Flügel verleihen. Die braucht der FCB weiterhin, auch wenn der Rückstand dank der 1:2-Pleite von Leader YB gegen Lausanne auf fünf Punkte geschrumpft ist. Denn letztlich ist vieles infrage gestellt, wenn man die Hausaufgaben nicht erledigt und den so wichtigen Meistertitel vergeigt.

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