Champions League
«Der FC Basel wird in Sofia schwitzen müssen»

Der bulgarische Trainer von Litex Lwetsch und Freund von FCB-Trainer Paulo Sousa Krassimir Balakov lobt Ludogorets und prognostiziert Sousa und seinem FC Basel ein schweres Spiel.

Markus Brütsch, Sofia
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Krassimir Balakov ist Trainer in Bulgariens erster Liga und kennt die Qualitäten von Ludogorets Rasgrad.

Krassimir Balakov ist Trainer in Bulgariens erster Liga und kennt die Qualitäten von Ludogorets Rasgrad.

Keystone

Leider kann Krassimir Balakov am Mittwoch nicht schon wieder nach Sofia kommen. «Es hätte mich aber sehr gereizt, den FC Basel gegen Ludogorets zu sehen», sagte der Trainer von Litex Lowetsch am Samstag nach dem 0:2 bei CSKA Sofia. «Doch nach dieser Niederlage muss ich zu Hause bei der Mannschaft bleiben.»

Im Sommer hat der 48-Jährige den Trainerjob beim vierfachen Meister und Cupsieger Litex übernommen. Einem Verein aus der Stadt Lowetsch, die 40'000 Einwohner hat und 150 Kilometer nordöstlich von Sofia liegt. Dank dem in der Ölbranche zu Geld gekommenen Grischa Gantschew konnte sich der Klub in den 90er-Jahren in der ersten Liga etablieren und wurde zwei Mal in Folge Meister. Dies gelang zwar auch 2010 und 2011, doch inzwischen ist der aktuelle Champion Ludogorets Rasgrad dank seines schwerreichen Präsidenten zum Krösus der A Grupa aufgestiegen. «Er hat im Vergleich mit uns das x-fache Budget zur Verfügung. Bei Litex haben wir eine Mischung aus vielen jungen Spielern und erfahrenen Ausländern», sagt Balakov. «Unser Ziel ist, auf diese Weise oben in der Rangliste dranzubleiben und den bulgarischen Fussball weiterzubringen.»

Dass der zweitklassierte Titelverteidiger Ludogorets nach zwölf Runden sieben Punkte hinter Leader CSKA Sofia liegt, führt er auf die Champions League zurück. «Sie haben gegen Liverpool und Real Madrid gut gespielt, aber den Transfer in die einheimische Liga nicht immer geschafft», sagt Balakov. «Es ist unheimlich schwer, sich zwischen Königsklasse und Ligaalltag zu bewegen. Jeder Gegner von Ludogorets ist zudem extrem motiviert.»

Schnelles Umschaltspiel

Mit Litex hat er vor einem Monat in Rasgrad 1:4 verloren. «Die Mannschaft ist stärker als beim Aufeinandertreffen mit Basel im vergangenen Jahr (2:4 und 0:2; die Red.)», sagt Balakov. «Sie harmoniert, ist gut eingestellt und vor allem hat sie an Erfahrung hinzugewonnen.» Ihre Stärke sei das Team als solches, seine Ausgeglichenheit sowie das schnelle Umschaltspiel, lobt der 92-fache bulgarische Internationale die Arbeit, die sein Trainerkollege Georgi Dermendjiev in Rasgrad verrichtet. «Ich bin mir sicher, dass Basel, und mit ihm mein Freund Paulo Sousa, in Sofia schwitzen müssen, viel schwitzen sogar.»

Balakov ist überzeugt vom Projekt, das bei Ludogorets seit vier Jahren läuft. «Es wird hervorragend gearbeitet. Es wurde viel Geld in wirklich gute Ausländer gesteckt.» Ganz besonders gefällt ihm der brasilianische Rechtsverteidiger Junior Caiçara. Der 25-Jährige erinnert ihn an Barcelonas Dani Alves. «Er ist dynamisch und technisch stark», sagt Balakov.

Obwohl in dieser Beziehung ein gebranntes Kind, glaubt der einstige Weltklasseregisseur von Sporting Lissabon und dem VfB Stuttgart nicht, dass Ludogorets nur ein Spuk ist und endet, sobald Präsident Kiril Domuschiev die Freude am Spielzeug verliert. «Dafür ist er zu fussballbegeistert, zu sehr mit diesem Projekt verbunden», sagt Balakov. «Ich drücke Ludogorets die Daumen, dass es nachhaltig bleibt, denn es stachelt die anderen Vereine zu besserer Arbeit an.» Er selber hat als Trainer von Tschernomorez Burgas indes das Gegenteil erlebt: «Ich unterschrieb ein auf fünf Jahre angelegtes Projekt, aber nach zwei Saisons war kein Geld mehr da.»

Balakov hat beinahe die Hälfte seines Lebens im Ausland verbracht. Er ist nun zurück in seiner Heimat, um Bulgariens Fussball etwas von dem zurückzuzahlen, was dieser ihm bei der Ausbildung zum Profi gegeben hatte. Er sagt, seine Arbeit in Lowetsch stimme ihn optimistisch. «Aber ich bin ehrgeizig und will mehr.» Gut möglich, dass es ihn in absehbarer Zeit wieder nach Westeuropa drängt. Seine Zeit als Trainer der Grasshoppers und des FC St. Gallen betrachtet er differenzierter als die Öffentlichkeit. «Ich würde deshalb auch nicht sagen, ich habe in der Schweiz nicht erfolgreich gearbeitet. Ich habe GC in die Gruppenphase der Europa League gebracht. Und ich habe mit St. Gallen einen Neunpunkterückstand aufgeholt, doch vor der Abstiegsbarrage gegen Bellinzona unterschrieben vier Stammspieler bereits einen Vertrag bei einem neuen Klub», sagt Balakov. «Wie soll man so die Klasse halten? Wo gibt es denn so etwas?»

Nicht ganz auszuschliessen, dass dies auch in Bulgarien möglich wäre.