Brasilianer zaubern, Ukrainer zerstören: Das kuriose Konzept des FCB-Gegners Schachtar Donezk

Von einem Milliardär unterstützt, vom Krieg aus der Heimat verbannt und von Ausländern geprägt. Schachtar Donezk, der FCB-Gegner im Viertelfinale der Europa League ist ein etwas anderer Fussballverein.

Jakob Weber
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Gefährlicher Stürmer: Junior Moraes traf gegen Wolfsburg insgesamt dreimal und schoss Schachtar Donezk damit in den Viertelfinal.

Gefährlicher Stürmer: Junior Moraes traf gegen Wolfsburg insgesamt dreimal und schoss Schachtar Donezk damit in den Viertelfinal.

Keystone

Bergmann Donezk. Wer den Klubnamen Schachtar ins Deutsche übersetzt, erkennt sogleich den Ursprung des Viertelfinal-Gegners des FC Basel. Die im Osten der Ukraine gelegene 1,1-Millionen-Einwohner-Stadt Donezk ist das Zentrum der ukrainischen Stahl- und Kohleindustrie. Der Präsident und milliardenschwere Mäzen Rinat Achmetov stammt selber aus einer Donezker Bergmannsfamilie. Mittlerweile führt er mehr als 30 Unternehmen in der Maschinen-, Lebensmittel- und Unterhaltungsindustrie, beschäftigt 300000 Mitarbeiter und gilt als reichster Ukrainer.

Rinat Achmetov

Rinat Achmetov

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Seit 1996 ist Achmetov Präsident von Schachtar. Und seitdem er grosszügig investiert, geht es auch sportlich bergauf. Sein Heimatklub ist kein Spielzeug, sondern eine Herzensangelegenheit. Die Investitionen sollen nachhaltig sein und der Region helfen. So kauft Achmetov nicht nur neue Spieler, er schenkte Schachtar auch ein neues Stadion und eine Jugendakademie. Auch blieben die Ticketpreise immer bezahlbar, weshalb Achmetov auch bei den Fussballfans in der Region einen guten Ruf geniesst.

Doch dann kam der Bürgerkrieg. Separatisten riefen 2014 die unabhängige Republik Donezk aus. Viele Ukrainer flüchteten aus der Stadt, und auch der Fussballklub lebt seither im Exil. Zunächst zog Schachtar nach Lwiw. Weil dort allerdings kaum Fans ins Stadion kamen, spielt und trainiert der Verein mittlerweile in Charkiw, immer noch 300 Kilometer von der Heimat entfernt. Die hochmoderne Donbas-Arena – Kostenpunkt 175 Millionen, 2009 eröffnet – ist seither verweist. Auch hat sie durch Explosionen Schaden genommen und musste restauriert werden. Doch an eine Rückkehr ist aktuell nicht zu denken.

Immerhin hat der Krieg den sportlichen Erfolg von Schachtar nicht gestoppt, im Gegenteil. Zuletzt holten die Ukrainer dreimal in Folge das Double. 2019 wurde Donezk sogar mit 23 Punkten Vorsprung Meister. Der Hauptstadtklub und Rekordmeister Dynamo Kiew ist ins Hintertreffen geraten.

Der Trainer muss Portugiesisch sprechen

Der Krieg lässt zwar das Vermögen Achmetovs stark schrumpfen, doch beim Fussball spart der Präsident nicht. Das Konzept seines Vereins ist dabei seit Jahren dasselbe: Junge Brasilianer kaufen. Aktuell stehen nicht weniger als 14 Brasilianer im Kader. Im Achtelfinale gegen Wolfsburg am vergangenen Mittwoch standen sechs von ihnen in der Startelf.

Die Idee, brasilianisches Offensivspektakel mit ukrainischer Defensivkraft zu paaren, stammt von Mircea Lucescu. Der Rumäne war von 2004 bis 2016 Trainer in Donezk. Er brachte Stars wie Willian (heute Chelsea), Fernandinho (Man City) oder Douglas Costa (Juventus) gross raus. Nachdem sie Schachtar zu Titeln führten, wurden sie verkauft und durch neue Talente ersetzt. Geschäftsführer Sergej Palkin erklärte einmal schön: «Durch die Südamerikaner haben wir zwei wesentliche Vorteile: Wir kommen zu sportlichen Erfolgen und das schöne Kombinationsspiel gefällt unseren Fans.» Auch nach dem Abgang von Lucescu vertraut Schachtar weiter auf dieses Erfolgsrezept.

Der FC Basel hat bisher dreimal gegen Schachtar Donezk gespielt. Die Bilanz (0:5, 1:2, 2:2) liest sich nicht sonderlich gut. Das Bild stammt aus der Champions League-Gruppenphase 2008/09. Andriy Pyatov stand schon damals im Donezk-Tor.

Der FC Basel hat bisher dreimal gegen Schachtar Donezk gespielt. Die Bilanz (0:5, 1:2, 2:2) liest sich nicht sonderlich gut. Das Bild stammt aus der Champions League-Gruppenphase 2008/09. Andriy Pyatov stand schon damals im Donezk-Tor.

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Damit das funktioniert, muss der Trainer stets portugiesisch sprechen. Aktuell steht Luis Castro an der Seitenlinie. Seit dem 19. Juli ist die ukrainische Liga fertig gespielt. Vor dem Rückspiel gegen Wolfsburg hatte Schachtar zweieinhalb Wochen Pause. Doch der fehlende Rhythmus war dem spielstarken Team nicht anzusehen. Taison, Tete und Moraes wirbelten in der Offensive, und auch die Defensive vor Donezk-Urgestein Andriy Pyatov stand sehr gut. Deswegen geht der FCB am Dienstag als Underdog in das Duell mit den brasilianischen Bergmännern.