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WM-Gegentribüne: Weshalb es Vladimir Petkovic einfacher hat als FCSG-Coach Peter Zeidler

Den Eintritt in die Achtelfinals hat das Schweizer Nationalteam nicht zuletzt seinem Teamgeist und seiner fussballerischen Kontinuität zu verdanken. Vladimir Petkovic hat das über Jahre aufgebaut. Solche Entwicklung ist im Klubfussball kaum möglich.
Fredi Kurth

Trainer von Nationalmannschaften beklagen sich zuweilen über mangelnde Vorbereitungszeit und beneiden ihre Kollegen bei den Vereinen um die tägliche Arbeit mit den Spielern. Sie missachten dabei, dass sie über Jahre gewachsene Kader verfügen, über ganze Spielergenerationen, die sich nur Schritt um Schritt verändern und als Einheit besser funktionieren als die Klubteams, in denen stetes Gehen und Kommen herrscht.

(Bild: Andrea Stalder)
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(Bild: Benjamin Manser)
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38 Bilder

So litten und jubelten die Nati-Fans in der Kreuzlinger Bodensee-Arena und in St.Gallen

Einmal Stammspieler, immer Stammspieler

Sommer, Lichtsteiner, Schär, Xhaka, Behrami, Shaqiri, Rodriguez, Dzemaili, Seferovic – fast eine ganze Mannschaft trifft sich seit Jahren immer wieder zum Stelldichein in Trainingslagern und bei den Spielen des Schweizer Teams. Wer einmal einen solchen Status erlangt hat, ist kaum noch aus dem Kader oder sogar der Stammformation zu verdrängen. So genoss Haris Seferovic über Monate hinweg immer wieder Petkovics Vertrauen trotz unbefriedigender Darbietungen.

FC St.Gallen: Einmal da, schon wieder weg

Was für ein Kontrast zum Vereinsleben, zum Beispiel beim FC St.Gallen! Da sind der neue Hoffnungsträger Peter Zeidler und Sportchef Alain Sutter auch während des Trainingslagers in Bad Ragaz emsig beschäftigt, eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine zu stellen. Der Vorgang setzt sich während der Saison jeweils munter fort; die Transferperioden scheinen endlos zu sein, entsprechend die Hektik in den Vorstandsetagen. Da findet der FC St.Gallen einen überdurchschnittlichen Ballverteiler mit Torinstinkt, doch schwupp ist Runar Mar Sigurjonsson nach einem halben Jahr wieder weg. Oder da empfiehlt sich eine aussergewöhnliche Begabung aus der lokalen Fussballakademie, wird sofort Stammspieler, doch schwupp wird Jasper van der Werff von den roten Bullen in Salzburg abserviert. Da geht schon deutlich vernehmbares Aufatmen durch die Anhängerschaft, wenn Stürmer Cedric Itten langfristig gebunden werden kann – zumindest auf dem Papier.

Profis mit Herzen

Nationaltrainer profitieren davon, dass keine Wechsel möglich sind. Der Auswahl seines Landes verschreibt sich ein Spieler für seine gesamte Laufbahn. Nationalspieler ist kein Beruf, sondern Berufung, eine Herzensangelegenheit. Von Geld ist kaum die Rede. Umso wichtiger ist der Teamgeist. Bei den Schweizern war der Integrationsbedarf aus bekannten Gründen besonders gross. Das positive Resultat manifestierte sich just in der leidigen Adlergeschichte. So lässt sich auch erklären, weshalb Petkovic stets auf dieselben Spieler setzt.

Wenn die Form nicht stimmt

Probleme entstehen aber, wenn Spieler nicht in Form sind. Davon haben wir einige: Lichtsteiner, Schär, Rodriguez, Seferovic. Auch Zuber hatte keine gute Saison. Die Alternativen Lang, Elvedi, Freuler, Gavranovic und zuletzt Drmic hingegen schon. Letzterer dürfte sich nun für die Startformation gegen Schweden qualifiziert haben. Es sei denn, Petkovic hoffe noch einmal auf die Joker-Qualitäten des Mönchengladbachers.

Obwohl die Endrundenteams über Jahre gewachsen sind, zeigen einige auf den ersten Blick erstaunliche Schwankungen von Spiel zu Spiel. Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass die individuellen Unterschiede innerhalb einer Mannschaft viel grösser sind als bei den Eliteteams der Champions League. Messi wird im argentinischen Nationalteam weniger gut unterstützt als bei Barcelona, Mané bei Senegal und Salah bei Ägypten weniger gut als in Liverpool. Nur Ronaldo setzt sich immer durch.

Nicht nur die Schweiz hatte Mühe

Auffallend war, wie fast alle Mannschaften, die nach zwei Spielen in günstiger Ausgangsposition der Dinge harrten, plötzlich viel Mühe bekundeten. Nicht nur die Schweizer. Spanien glich gegen Marokko erst kurz vor Schluss aus. Geheimfavorit Nigeria brachte das Remis gegen Argentinien nicht über die Zeit. Mexiko, das gegen Deutschland lange Zeit toll aufgespielt hatte, wirkte gegen knorrige Schweden hilflos und qualifizierte sich nur dank Südkoreas Hilfe. Die Erklärung ist einfach: Während die einen nichts mehr zu verlieren hatten, so auch Costa Rica, und munter drauf los spielten, war für die andern richtiges taktisches Verhalten eine knifflige Aufgabe. Die Schweizer wollten offensichtlich mit Ballstafetten, aber auch raschem Zuspiel in die Tiefe das Geschehen möglichst weit vom eigenen Tor fernhalten – und wurden nach Ballverlusten mal für mal überlaufen.

Die Deutschen waren nicht bereit

Nur die Deutschen spielten konstant. Konstant schwach. Auch in ihren Klubs hatten zu viele Spieler nicht gerade erfolgreich abgeschnitten. Auch nicht die Bayern-Stars, die bloss den von der schwachen Konkurrenz aus Tradition überlassenen Meistertitel erreichten, aber im DFB-Pokal und in der Champions League nicht reüssierten. Die lamaschige Einstellung in der Vorbereitung tat noch sein Übriges: Löws Schützlingen waren vor allem mental nicht für die Titelverteidigung bereit.

Schweden verteidigt besser

Nun also Schweden. Ob Mexiko mit ihren agilen Leuten ein leichterer Gegner gewesen wäre, ist nicht nachzuweisen. In der Barrage gegen die Nordiren, die einen ähnlich Stil pflegen wie der Achtelfinalgegner der Schweizer, taten sich diese enorm schwer. Die Skandinavier, die schon Holland, Italien und indirekt auch Deutschland aus der Konkurrenz geworfen haben, lassen kaum Tore zu – die Schweizer Defensive hingegen befindet sich in besorgniserregendem Zustand, und bei ausgeglichenen Verhältnissen gewinnt in der Regel die bessere Abwehr.

Lassen wir uns überraschen. Und wie auch immer: Trotz grosser Kontinuität beim Spielerpersonal erfolgt bei den Schweizern der Generationenwechsel kontinuierlich. Petkovic könnte bei einer Niederlage die Worte von Nigerias Coach Gernot Rohr wiederholen, der nach dem Ausscheiden feststellte: «In vier Jahren sind wir besser.»

Peter Zeidler wird das bestimmt nie sagen.

Aufgefallen

Statistiken bringen manchmal eigentümliche Zahlen zum Vorschein. So gab es in den fünf ersten WM-Endrunden bis und mit jener von 1954 kein einziges 0:0 zu verzeichnen und das in exakt 100 Spielen. Seither aber ist das torlose Ergebnis mehrfacher Bestandteil dieses Wettbewerbs. Vor vier Jahren in Brasilien blieben schon in der Gruppenphase fünf Spiele torlos. Doch in Russland sind die Zuschauer von diesem Resultat bis auf eine Ausnahme verschont geblieben: Frankreich und Dänemark einigten sich in der zweiten Halbzeit stillschweigend auf eine Nullnummer.

Nun hat auch Deutschland sein Korea – wie Italien 1966, das gegen Nordkorea 0:1 verlor und ebenfalls in der Gruppenphase scheiterte. Die italienischen Profis wurden nach der Rückkehr von den enttäuschen Fans mit faulen Tomaten beworfen. Ob die Deutschen ihre Mannschaft pfleglicher behandeln, bleibt abzuwarten.

Argentinien ist jene Mannschaft, die sich immer wieder mal mit Minimalisten-Fussball durchschlängelt. Das begann 1990, als Argentinien als Gruppendritter, in der K.O.-Phase nach einem glücklichen Sieg gegen Brasilien und zwei Elfmeterschiessen gegen Jugoslawien sowie Italien auch im Römer Final das Geschehen lange torlos hielt. Der Deutsche Andreas Brehme setzte dann mit einem Elfmetertor dem Spuk ein Ende. Trotz Maradona und Messi machten die Argentinier ihrem Ruf, nur der hölzerne Gegenpart zu den eleganten Brasilianern zu sein, immer wieder Ehre. Auch vor vier Jahren nach einer leichten Gruppenphase gewann Argentinien gegen die Schweiz mit 1:0 nach Verlängerung, gegen Belgien 1:0, warf Holland nach einem 0:0 im Elfmeterschiessen aus der Konkurrenz und hielt im Final wiederum bis in die Verlängerung hinein das torlose Ergebnis, ehe diesmal Mario Götze die Deutschen aufatmen liess. (th)

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