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Weisse Elefanten mehren sich

Vier der elf WM-Stadien werden nicht mehr genutzt, am Montag kommt das fünfte hinzu. Ihre Nachnutzung ist ungesichert. Das liegt vor allem daran, dass Fussball in Russland nicht zieht.
Thomas Häberlein (SID)
Das Stadion in Jekaterinburg mit seinen Stahltribünen wird zurückgebaut. Bild: Anton Basanaev/AP

Das Stadion in Jekaterinburg mit seinen Stahltribünen wird zurückgebaut. Bild: Anton Basanaev/AP

Wen es in den ersten beiden Wochen dieser WM in Russland zu einem der vier Spiele in Jekaterinburg verschlagen hat, wird Zeit seines Lebens einen Witz machen können: Ich habe ein Spiel im Stadion gesehen, obwohl ich nicht mal drin sass. Er wird Bekannten oder Enkeln dann wohl ein paar Fotos zeigen, auf ihnen ist zu sehen, was schon bald verschwindet: zwei gewaltige Stahlrohrtribünen – errichtet ausserhalb des Stadions, jenseits der aufgeschnittenen Fassade.

Das Stadion in Jekaterinburg war einzigartig, ein Freak – doch sie haben sich in der viertgrössten Stadt Russlands etwas dabei gedacht: Diese Stahlrohrmonster ermöglichten eine Erhöhung der Kapazität auf 35 000 Zuschauer, das ist gerade genug für den Weltverband Fifa. Die Tribünen werden nun eben wieder abgebaut, und die Fassade wird geschlossen. Der Erstligist FC Ural Oblast Swerdlosk hat dann nur noch 23 000 Plätze im Angebot, aber das reicht ja auch bei einem Schnitt von 6000 Besuchern.

45 000 Plätze für einen Drittligisten

Jekaterinburg, Kaliningrad, Wolgograd, Saransk und am Montag Rostow. Die WM ist weg – und jetzt? Mit Ausnahme von Wolgograd gibt es in diesen Städten Pläne, die Arenen zurückzubauen, von einer Reduzierung auf jeweils 23 000 bis 35 000 Plätze ist die Rede. Und selbst das scheint noch zu viel: In der abgelaufenen Saison lag der Schnitt in der russischen Liga bei 13 971 Zuschauern. Auch in Russland, steht zu befürchten, werden bald ein paar weisse Elefanten herumstehen. In Kaliningrad, wo der Neubau der Arena Baltika 350 Millionen Euro gekostet haben soll, spielt nicht mal ein Erstligist. Auch nicht in Saransk, wo die angeblich mindestens 270 Millionen Euro teure Mordwinien-Arena steht. Der FK Baltika und der FC Mordowia sind nur Zweitligisten. Ebenso der FC Olympijets, der künftig die 45 000 Plätze im ­mindestens 250 Millionen teuren Stadion in Nischni Nowgorod füllen soll. Die zweite russische Liga hatte zuletzt einen Schnitt von 2552 Besuchern. Die Stadien, die für die WM gebaut wurden, sind allesamt chic, jedes mit einem eigenen Charakter.

Etwa jenes in Wolgograd. Dort können künftig 45 000 Zuschauer dem FK Rotor zusehen – der Club ist gerade in die dritte Liga abgestiegen. Hoffnung besteht, da angeblich ein bisheriger Konkurrent pleitegeht. In Sotschi, wo sie das 620 Millionen Euro teure Olympiastadion für weitere 50 Millionen WM-tauglich gemacht haben, soll künftig ein Verein aus der zweiten Liga aus der 1925 Kilometer entfernten Stadt St. Petersburg spielen.

Betriebskosten in Millionenhöhe

Geschätzte 5,26 Milliarden Euro hat es gekostet, die Fussballstadien in Russland von Kaliningrad bis Jekaterinburg zu errichten oder zu sanieren. Zu welchem Preis? Die Leute würden auch nach der WM kommen, so ein neues Stadion ziehe die Menschen an, behauptete Alexej ­Sorokin, Chef des russischen Organisationskomitees, vor dem Turnier. Auch er rechnet jedoch damit, dass die Stadien vom Staat subventioniert werden müssen. Regierungsstellen rechnen mit jährlichen Betriebskosten für die Arenen in Höhe von rund 2,8 bis 5,5 Millionen Euro.

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