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Stadien sehen sie nur von aussen

Über 35000 Freiwillige sind an der WM im Einsatz. Zwei von ihnen sind Daria Boltenkowa und Anna Filina, die in Moskaus Innenstadt den Weg weisen. Sie helfen auch bei aussergewöhnlichen Wünschen.
Raphael Gutzwiller, Moskau
Daria Boltenkowa und Anna Filina (rechts) helfen einem WM-Besucher weiter. (Bild: Raphael Gutzwiller)

Daria Boltenkowa und Anna Filina (rechts) helfen einem WM-Besucher weiter. (Bild: Raphael Gutzwiller)

Während im Luschniki-Stadion den freiwilligen Helfern mit Reden offiziell gedankt wird, ist es nur ein paar Metrostationen weiter, beim Park Kultury, vergleichsweise ruhig. Daria Boltenkowa (21) und Anna Filina (20) stehen beim Stand der Freiwilligen, direkt vor dem Ausgang der Metrostation. Über ihnen prangt der Schriftzug «Information». Im Moment will aber niemand Auskunft. «Es ist schon deutlich weniger los, als noch zum Start der Weltmeisterschaft», erzählt Daria. Anna ergänzt: «Viele Fans sind schon weg, vor allem auch deshalb, weil die Südamerikaner alle ausgeschieden sind.»

Die beiden Studentinnen nutzen ihre Ferien, um als Freiwillige zu arbeiten. Im Alltag studiert Daria Journalismus, Anna Lin­guistik. «Wenn so eine Veranstaltung in der eigenen Stadt stattfindet, will man Teil davon sein», erklärt Daria ihre Motivation. Zudem könne man die eigenen Englischkenntnisse verbessern, ergänzt Anna. «Und es ist einfach cool, jeden Tag Menschen aus der ganzen Welt kennen zu lernen.»

Fanschals, Rosen und Süssigkeiten

Es sei auch schon der eine oder andere Mann darunter gewesen, der Avancen gemacht habe. So erzählt Daria: «Einer hat gefragt, wo der nächste Süssigkeitenladen sei. Ein paar Minuten später kam er mit Süssigkeiten für mich zurück. Das war herzig.» Gestern habe sie eine Rose erhalten. Mehr sei aber nie passiert. «Ich war meist sogar am selben Stand wie mein Freund und habe jeweils entschuldigend auf ihn gezeigt.»

Auch sonst habe man immer mal wieder Geschenke erhalten, am häufigsten Fanschals, erzählt Anna. «Die meisten sind sehr dankbar. Und wir sind froh, helfen zu können», erzählt Anna. Vor allem die Mexikaner und die Brasilianer haben es den beiden jungen Frauen angetan. «Die waren immer supernett, farbenfroh und gut gelaunt.»

An der Weltmeisterschaft wird zwischen Stadt-Volunteers und Fifa-Volunteers unterschieden. Die Fifa-Volunteers in den roten T-Shirts helfen im Stadion, die Stadt-Volunteers in den orangen T-Shirts in der Stadt, und sie sind beim Fifa-Fan-Fest im Einsatz. Total sind über 35 000 Helfer bei diesjährigen WM engagiert. Anna sagt, im Nachhinein wäre sie lieber bei den roten Volunteers und könnte ins Stadion. «Als ich mich angemeldet habe, wusste ich den Unterschied nicht», sagt sie. «Aber hier ist es auch ganz cool», findet Daria.

Mindestens zehn Tage muss ein Freiwilliger im Einsatz stehen. Daria macht jenes Minimum, Anna arbeitet vierzehn Tage. Eine Schicht dauert jeweils vier Stunden. «Es ist nicht sehr lang, was noch ganz praktisch ist», findet Daria. Fast jeden Tag sei man zudem an einem anderen Platz und erlebe so Verschiedenes. «Beim roten Platz etwa ist viel mehr los. Dann hat man immer etwas zu tun.»

Meist werden sie einfach nach dem Weg gefragt. Aber: «Es gibt schon auch Fragen, die man so nicht erwarten würde. Zum Beispiel hat mich einer gefragt, wo eine Dusche sei oder wo er seine Kleider waschen könne», sagt Anna. Auch fragen längst nicht nur Fussballfans nach dem Weg. «Selbst Moskauer fragen uns um Rat, etwa, wenn sie in einem Quartier sind, in dem sie sich nicht gut auskennen.»

Daria und Anna leben beide am Stadtrand Moskaus, haben in die Innenstadt eine Fahrt von rund einer Stunde. Vor dem Turnier haben sie sich nicht als Fussballfans bezeichnet, das habe sich nun aber geändert, sagt Anna. «Man spricht mit den Fans automatisch auch über Fussball, und so habe ich die WM natürlich ganz anders verfolgt als sonst.» Die Spiele bekommen sie während ihrer Schicht jedoch kaum je zu Gesicht. «Wir dürfen auch das Handy nicht benutzen, ausser wir brauchen es, um jemandem etwas zu erklären», sagt Daria. Doch einmal sei ihr Stand genau so aufgebaut gewesen, dass man in einem Pub ein Spiel habe verfolgen können. «Da haben wir nur noch dorthin geschaut», sagt Daria und lacht.

Das Ende der Vier-Stunden-Schicht naht. Zum Abschluss bekommen Daria und Anna nochmals etwas zu tun. Ein Mexikaner fragt, wo er seine Fan-ID erhält. Gemeinsam erklären es ihm die beiden, dann ist Feierabend.

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