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Schweiz scheitert an sich selber

Weil die Schweden und nicht die Schweizer das liefern, was sie können, stehen sie im Viertelfinal. Das Team von Trainer Vladimir Petkovic zeigt dafür seine schwächste Turnierleistung.
Christian Brägger, St.Petersburg
Kein Durchkommen für die Schweiz: Josip Drmic (rechts) springt im Kopfballduell mit Ola Toivonen vergeblich in die Luft. Bild: Laurent Gillieron/Keystone (St. Petersburg, 3. Juli 2018)

Kein Durchkommen für die Schweiz: Josip Drmic (rechts) springt im Kopfballduell mit Ola Toivonen vergeblich in die Luft. Bild: Laurent Gillieron/Keystone (St. Petersburg, 3. Juli 2018)

0:1 hatte seine Mannschaft soeben gegen Schweden verloren und in St. Petersburg das Rendezvous mit der eigenen Geschichte verpatzt. Noch machte Nationaltrainer Vladimir Petkovic nicht den Anschein, Trübsal zu blasen. Er wirkte gelassen, sachlich in seinen Analysen. Vermutlich wird der Tessiner erst später realisieren, welche historische Chance die Schweiz und er nach 64 Jahren soeben verpasst haben; es wäre der erste WM-Viertelfinal seit 1954 gewesen. Petkovic sagte: «Die Schweden machten, was sie konnten. Heute war das gut genug gegen uns.»

Eine bessere Zusammenfassung für diesen Achtelfinal gibt es nicht. Weil es genau das gewesen war, was die 64000 Zuschauer vorgesetzt bekommen hatten an diesem Nachmittag. Und auch der Trainer hatte dies alles ja gesehen, immer wieder stand er auf, tigerte die Seitenlinie auf und ab. Er dirigierte, munterte auf und setzte sich wieder hin. Doch es musste an seinen Nerven zehren, was seine Spieler ihm gegen die biederen Schweden boten, und spätestens nach dem 0:1, als Manuel Akanji einen Schuss von Emil Forsberg in der 66. Minute unglücklich und unhaltbar ins eigene Tor abfälschte, war deutlich: Hier würde es ungleich schwierig zurückzukommen. Weil irgendwie nichts passte.

Enttäuschung bei Manuel Akanji nach dem Match (Bild: Efrem Lukatsky / AP)
Lara Gut umarmt nach dem Match ihren Valon Behrami. (Bild: Laurent Gilliéron / Keystone)
Enttäuschung bei Ricardo Rodriguez (oben) und Manuel Akanji (Bild: Martin Meissner / AP)
Enttäuschung nach dem Match bei den Schweizer Spielern. (Bild: Georgi Licovski / EPA)
Michael Lang (links) kommt gegen Martin Olsson zu spät und sieht rot (Bild: Efrem Lukatsky / AP)
Valon Behrami sieht die gelbe Karte (Bild: Zurab Kurtsikidze / EPA)
Jubel Jubel bei den Schweden nach dem Tor von Emil Forsberg in der 66. Minute (Bild: Laurent Gilliéron / Keystone)
Yann Sommer (links) ist vor Viktor Claesson (rechts) am Ball, der von Manuel Akanji geblockt wird. (Bild: Georgi Licovski / EPA)
Haris Seferovic (rechts) vor Emil Krafth am Ball (Bild: Laurent Gilliéron / Keystone)
Kopfballduell zwischen Valon Behrami (links) und Viktor Claesson (Bild: Tolga Bzogolu / EPA)
Die Startelf gegen Schweden (hinten von links): Manuel Akanji, Granit Xhaka, Ricardo Rodriguez, Valon Behrami, Johan Djourou, Yann Sommer sowie (vorne von links) Michael Lang, Steven Zuber, Blerim Dzemaili, Mario Gavranovic und Xherdan Shaqiri (Bild: Laurent Gilliéron / Keystone)
Blick ins Stadion von St. Petersburg (Bild: Zurab Kurtsikidze / EPA)
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Aus der Traum für die Schweiz

Es war nicht sehr ansehnlich, was die beiden Teams boten. Auf der einen Seite die kämpferischen, gross gewachsenen Schweden, die zerstörten, was es zu zerstören gab, und damit taten, was sie immer tun. Auf der anderen die Schweizer, die nicht so weit nach vorne kamen, wie sie es gerne gehabt hätten. Und dadurch viel Mühe bekundeten mit dem Spielaufbau. Das begann schon bei Goalie Yann Sommer, der oft auf den weiten Ball zurückgreifen musste.

Der Gegner fand jedenfalls besser ins Spiel, war besser eingestellt – das war man sich an der WM gewohnt von den Schweizern. Mit der Zeit, nachdem die Schweden ihre drei guten Torchancen auch wegen Sommer vergeben hatten, fand die Schweiz zwar besser ins Spiel, aber zwingend war das nie. Einzig in der 38. Minute hätte Blerim Dzemaili nach einem Doppelpass mit Steven Zuber das Spiel in eine andere Bahn lenken können. Doch das wäre unverdient gewesen, zumal kurz darauf Albin Ekdal vergessen ging, freistehend aber völlig verzog.

Mit dem 0:0 zur Pause gut bedient

Alles in allem waren die Schweizer mit dem 0:0 zur Halbzeit gut bedient, sie konnten indes nicht verbergen, dass ihnen die Hälfte der Hintermannschaft und damit die Eingespieltheit fehlte. Auch wenn zumindest Johan Djourou seine Sache gut machte. Noch nach der Pause wirkten die Schweizer weiter passiv, brav, ein Granit Xhaka war nie der Taktgeber, ein Xherdan Shaqiri blieb Alleinunterhalter ohne jegliche Torgefahr.

Erst nach dem Rückstand fingen die Schweizer an, sich aufzulehnen. Der Trainer brachte mit Breel Embolo und Haris Seferovic frische Kräfte für Zuber und Dzemaili, und nun stürmten sie zu dritt mit Josip Drmic, dem diesmal der Coach das Vertrauen schenkte – gestern rechtfertigte dies aber keiner. Embolo und Seferovic waren es schliesslich, die noch kleine Chancen zum Ausgleich besassen, ehe Lang bei einem letzten Konter in der 94. Minute zur Notbremse greifen musste; diese rote Karte blieb das kleinste Übel des tristen Auftritts.

Viel mehr Fragen warf der blasse, uninspirierte Auftritt der Schweizer auf. Es fehlten die Emotionen, auch Petkovic stellte dies fest. «Man muss sich immer bestätigen, wir haben das nicht getan, kamen mit der Favoritenrolle nicht zurecht. Wir waren gehemmt. Heute waren wir kein Viertelfinalist.» Die Schweizer wollten viel, immer weiter schauen. Nun müssen sie nach Hause.

Schweden - Schweiz 1:0 (0:0)

St. Petersburg. - 64'042 Zuschauer. - SR Skomina (SLO). - Tor: 66. Forsberg 1:0.

Schweden: Olsen; Lustig (82. Krafth), Lindelöf, Granqvist, Augustinsson; Claesson, Svensson, Ekdal, Forsberg (82. Olsson); Berg (90 Thelin), Toivonen.

Schweiz: Sommer; Lang, Djourou, Akanji, Rodriguez; Behrami, Xhaka; Shaqiri, Dzemaili (73. Seferovic), Zuber (73. Embolo); Drmic.

Bemerkungen: Schweden ohne Larsson, Schweiz ohne Lichtsteiner und Schär (alle gesperrt). 94. Rote Karte gegen Lang wegen einer Notbremse. Verwarnungen: 31. Lustig (Foul/im Viertelfinal gesperrt). 61. Behrami (Foul). 68. Xhaka (Foul).

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