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Richtig russisch

Mit der WM geht auch die Berichterstattung unseres Reporters aus Moskau zu Ende.
Raphael Gutzwiller

Und nun ist sie vorbei, meine erste Fussball-Weltmeisterschaft als Journalist. Drei Wochen Russland, meist in Moskau. Gestern bin ich zurück in die Heimat geflogen. Im Gepäck viele Erinnerungen. Natürlich den Fussball. Etwa das Schweizer Ausscheiden gegen Schweden, die russische Sensation gegen Spanien, wie der Titel doch nicht nach Hause kam, gestern schliesslich die Vergabe des Pokals an Frankreich. Wie damals an meiner ersten Weltmeisterschaft vor dem Fernseher 1998. In Erinnerung bleiben werden mir aber nicht in erster Linie die Spiele selber, sondern das Geschehen ausserhalb des Stadions.

Die Russen habe ich kennen und schätzen gelernt. Ich durfte spontan ein Wochenende in einem Sommerhaus auf dem Land verbringen, so richtig russisch mit Wodka und Sauna. Da war auch die WG nebenan, deren Bewohnerinnen mir vom ersten Tag an die Stadt gezeigt haben und immer da waren, wenn meine Kyrillischkenntnisse versagten. Doch auch Begegnungen mit Fans und Journalisten aus aller Welt bleiben.

Die Stadt Moskau gefiel mir viel besser, als ich es mir vorgestellt habe. Sie ist zumindest im Stadtzentrum sehr schön (ausserhalb dafür umso hässlicher). Doch manchmal fühlte ich mich auch unwohl. Ich kam mir ganz klein vor zwischen all den hohen Gebäuden, den unendlich breiten und vollgestopften Strassen und den vielen, vielen Menschen. Und überall braucht’s ein bisschen mehr Geduld als in der kleinen Schweiz. Für mich als recht ungeduldiger Mensch (vor allem, wenn’s viele Leute hat) war das nicht immer einfach.

Schlechte Erfahrungen habe ich in Russland nicht gemacht. Sofern man die Taxifahrer ausklammert. Wie man auf einer achtspurigen Strasse (in eine Richtung!) im Zickzack-Kurs zu Überholmanövern ansetzen kann, ist mir schleierhaft. Bleibt nur: Augen zu und hoffen, heil anzukommen. Ich werde sie gleichwohl vermissen, die russische Welt.

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