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Nun sind sie doch in Scharen da

Eigentlich wollten viele englische Fans aus Angst vor russischen Hooligans nicht an die Weltmeisterschaft. Spätestens nach dem Halbfinaleinzug hat sich das geändert.
Raphael Gutzwiller, Moskau
Die englischen Anhänger feiern den Sieg im Achtelfinal gegen Kolumbien. (Bild: Victor R. Caivano/AP (Moskau, 3. Juli 2018))

Die englischen Anhänger feiern den Sieg im Achtelfinal gegen Kolumbien. (Bild: Victor R. Caivano/AP (Moskau, 3. Juli 2018))

Plötzlich sind sie an jeder Strassenecke in Moskau. Dort, wo vor einigen Tagen noch die Mexikaner und Brasilianer das Bild dominiert haben, stehen nun die Engländer, die stolz das Wappen der «Three Lions» auf der Brust tragen. Die Strasse Nikolskaya in der Nähe des Roten Platzes verwandelte sich gestern, einen Tag vor dem Halbfinal zwischen England und Kroatien, zur englischen Fanmeile. Gut gelaunt, mit Bier in der Hand und mit ganz vielen, teils kreativen Fangesängen ausgestattet, machen sie die Strasse unsicher. «You’re going home», singen sie etwa in der Melodie ihres Klassikers «Football’s coming home», als eine kleine Gruppe Kroaten vorbeiläuft. Die Stimmung vor dem Halbfinal ist friedlich und gut.

Noch zum Start des Turniers war die Euphorie der Engländer in Russland klein gewesen. Beim Autaktspiel gegen Tunesien waren deutlich mehr Tunesier als Engländer im Stadion.

Engländer nutzen Trick zum Erhalt der Fan-ID

Grund fürs Fernbleiben ist ein Vorfall an der Europameisterschaft in Frankreich. Am 11. Juni 2016 hatten in Marseille etwa 200 russische Hooligans mehrere Tausend Engländer durch die Stadt gejagt. Viele sagten sich deshalb: Die Weltmeisterschaft in Russland verfolgen wir nur am Fernseher. Nur rund 2000 bis 5000 englische Supporter verfolgten die Spiele ihrer Nationalspieler live im Stadion.

Bis jetzt. Denn nun spielt England plötzlich das beste Turnier seit 1990 und alle Engländer möchten dabei sein, falls sich ihr Land den WM-Titel holt. Gemäss der Zeitung «The Guardian» haben viele nach dem Viertelfinal gegen Schweden kurzfristig ­Flüge nach Moskau gebucht. So sollen gemäss der Zeitung rund 10000 zusätzliche Fans nach Moskau gereist sein.

Während der WM ist die Einreise nach Russland so einfach wie sonst nie. Fussballfans benötigen einzig die sogenannte Fan-ID. Diese erhält man mit einer gültigen Ticketnummer. Da aber viele englische Anhänger noch ohne Tickets angereist sind, nutzten sie einen Trick, um das System zu überlisten: Wie ein Fan herausfand, funktionieren auch bereits verwendete Ticketnummern. Er verkaufte solche Nummern und ermöglichte damit vielen englischen Fans die Einreise nach Russland.

«Wir haben uns hier immer sicher gefühlt»

Davon erzählt auch Kevin, der mit seinem volljährigen Sohn David angereist ist. Er stammt aus dem Norden Londons, war mit seinem Sohn bereits bei den Gruppenspielen gegen Panama und Belgien im Stadion, danach flogen sie zurück nach England, um für die Halbfinals wieder nach Moskau zu reisen. «Wir haben Tickets, aber ich glaube, wir waren fast die Einzigen bei uns im Flugzeug», sagt Kevin mit einem Lachen. «Viele versuchen, hier noch irgendwie ein Ticket zu ergattern.» Der Vorfall an der Europameisterschaft 2016 habe sie nicht von einer Reise an die WM abgehalten. «Klar waren die Vorkommnisse in Marseille sehr unschön. Aber wir wussten, dass nicht alle Russen so sind. Es ist sehr schön hier und wir haben uns hier immer sicher gefühlt.»

Werden die Engländer nun sogar Weltmeister oder wie die Engländer sagen: Kommt der Titel endlich wieder ins Mutterland des Fussballs zurück? «Ja, ich bin mir sicher, dass wir Weltmeister werden», sagt Kevin. Dann stimmen die englischen Fans ein Lied an, entschuldigend zeigt Kevin auf sie und singt mit. Das Gespräch ist beendet.

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