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Mit Schweizerkreuz im Gesicht: Dieser St.Galler nimmt für die Nati Umwege und Mehrkosten in Kauf

Steht eine Fussball-WM an, so ist der gebürtige Haager Gerry Kammerer mit dabei. Er wird schon den dritten WM-Final in Folge live vor Ort sehen – wenn denn alles klappt.
Manuel Nagel, Nischni Nowgorod
Gerry Kammerer schminkt sich im WC des Stadions von Nischni Nowgorod vor dem Spiel gegen Costa Rica. Das Schweizer Kreuz in seinem Gesicht hat Tradition. (Bild: Manuel Nagel)

Gerry Kammerer schminkt sich im WC des Stadions von Nischni Nowgorod vor dem Spiel gegen Costa Rica. Das Schweizer Kreuz in seinem Gesicht hat Tradition. (Bild: Manuel Nagel)

Er ist ein beliebtes Fotosujet. Nach der Fussballweltmeisterschaft wird er auf zahlreichen Bildern von Fussballfans aus aller Welt zu sehen sein, die mit ihm ein Selfie machen wollten. Mit seiner Schweizer Flagge im Gesicht fällt Gerry Kammerer einfach auf. Viele Fussballer in der Ostschweiz dürften Kammerer ebenfalls kennen – und einige von ihm vielleicht schon verwarnt oder gar vom Platz gestellt worden sein. Seit er 16-jährig ist, pfeift Gerry Kammerer Spiele bis zur 2. Liga interregional. Doch die ganz grosse Schiedsrichterkarriere wird der 32-Jährige nicht mehr einschlagen. «Dafür bin ich nun zu alt. Ich konnte meine Chancen nicht nutzen, um weiter oben zu pfeifen», sagt er. Im Gegensatz zu seiner langjährigen Partnerin Evelyn Eichenberger, die den diesjährigen Frauen-Cupfinal geleitet hat. Seit Februar wohnt das Paar in der Stadt St.Gallen.

Bis zum Schluss mit dabei

Durch die Schiedsrichterei begann Kammerer auch, sich die Spiele der Nationalmannschaft im Stadion anzusehen, «denn als Schiedsrichter kommt man ja gratis zu Heimspieltickets der Nati», sagt Kammerer. So richtig den Ärmel hineingezogen hat‘s ihm bei der Qualifikation für die WM 2006 in Deutschland und bei den anschliessenden Barragespielen gegen die Türkei. Seine Ticketanträge für die WM über die Fifa waren zwar nicht erfolgreich, doch durch den Schweizer Fussballverband erhielt Gerry Kammerer doch noch Karten für das zweite und dritte Gruppenspiel gegen Togo und Südkorea und das Penaltydrama gegen die Ukraine. So war die Begegnung gegen die Afrikaner in Dortmund am 19. Juni 2006 sein erstes WM-Spiel live vor Ort.

Seither sind mehr als zwölf Jahre vergangen und Kammerer kann schon als alter WM-Hase bezeichnet werden. Bereits für die WM 2010 in Südafrika hatte er sich um TST7-Tickets beworben. «TST7 bedeutet, dass man seinem Team bis in den Final – also maximal sieben Spiele – folgen kann», erklärt Kammerer. Er habe aber lange nicht gewusst, dass die Tickets auch dann noch Gültigkeit haben, wenn die Schweiz ausscheide. «Dann reist man einfach mit dem jeweiligen Bezwinger oder dem Gruppensieger mit, wenn das eigene Team schon in der Vorrunde raus fliegt.» Deswegen habe er 2010 viele Spiele der Spanier und vier Jahre später in Brasilien einige Spiele der Argentinier gesehen.

Umplanen nach der Gruppenphase

Rund 3500 Franken kosten diese TST7-Ticktes der ersten Kategorie. Für Kammerer lohnt es sich dennoch, bezahle man doch auf dem Schwarzmarkt für ein Finalticket häufig ebenfalls eine solche Summe. Diese analytische Betrachtung passt zum Informatiker, der an der ETH studiert hat. Sein Beruf erlaubt es ihm auch, während der WM länger als einen Monat zu fehlen. Seine Freundin Evelyn Eichenberger ist von ihrem Job her eingeschränkter, weshalb sie erst ab dem Viertelfinale dazustossen wird. Ihre Tickets bis zum Achtelfinale in Sankt Petersburg gegen die Schweden hat er deshalb wieder zum Verkauf freigegeben. Doch die Chancen stehen gut, dass auch Eichenberger noch mindestens ein Spiel der Nati sehen kann.

Halbfinale – Hochzeit – Finale

Gleich nach dem Spiel gegen Costa Rica und dem gesicherten zweiten Gruppenplatz stornierte Kammerer den Flug nach Samara und das Hotel dort, wo die Schweiz als Gruppensieger im Achtelfinale gespielt hätte. Vorausschauend hat er für sämtliche Varianten Flüge und Hotels in den Städten gebucht, wo die Schweiz als Gruppensieger oder Gruppenzweiter hingereist wäre. Die meisten Buchungen könne er nun kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr stornieren, sagt Kammerer. Sicher nicht stornieren wird er jedoch den Flug nach dem Halbfinale zurück in die Schweiz und in der Nacht vor dem WM-Finale zurück nach Moskau. «Ein guter Freund heiratet am Samstag vor dem Finale», erklärt Kammerer, der diesen Umweg und die damit verbunden Kosten gerne in Kauf nimmt. Er hofft nun, dass seine Planung aufgeht und er am Sonntag, dem 15. Juli, seinen dritten WM-Final in Folge erleben wird.

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