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Schweiz gegen Japan: Letzter Test, letzte Chance

Die Schweizer Fussballnati absolviert gegen Japan das letzte Spiel vor der Weltmeisterschaft. Für Blerim Dzemaili beginnt das Zittern.
Etienne Wuillemin, Lugano
Blerim Dzemaili (links) im Trainingszweikampf mit Manuel Akanji. (Bild: Gabriele Putzu/Keystone (Lugano, 6. Juni 2018))

Blerim Dzemaili (links) im Trainingszweikampf mit Manuel Akanji. (Bild: Gabriele Putzu/Keystone (Lugano, 6. Juni 2018))

Es ist ein Bild für die Ewigkeit. Wie die Schweizer zu Boden fallen, die Hände vors Gesicht schlagen. Ungläubig, was da gerade passiert ist. Wie Blerim Dzemaili den Ball an den Pfosten köpfelt, dieser ihm zurückspringt ans Schienbein und am Tor vorbeigeht. Aus, vorbei, verloren. Die Schweiz muss nach dem 0:1 im WM-Achtelfinal gegen Argentinien nach Hause.

Bald sind es vier Jahre her seit diesem legendären 1. Juli 2014. Vier Jahre, in denen viel passiert ist mit dem Nationalteam. Der Trainer heisst seit jenem Spiel nicht mehr Ottmar Hitzfeld, sondern Vladimir Petkovic. Und auch für Dzemaili hat sich so einiges geändert. Er ist nicht mehr länger ein Ergänzungsspieler (auch im WM-Achtelfinal wurde er eingewechselt). Sondern hat sich zum Stammspieler entwickelt, der das Vertrauen von Petkovic geniesst.

Doch nun, gut eine Woche vor dem WM-Start, muss diese eine Frage gestellt werden: Wie lange hat Petkovic Geduld mit Dzemaili? Der offensive Mittelfeldspieler hatte seit längerem kein vorbehaltlos gutes Länderspiel mehr. Gegen Spanien am letzten Sonntag wurden seine Defizite offensichtlich.

Einst wollte Dzemaili aus Camp abreisen

Was tun? Vielleicht fragt sich das tatsächlich auch der Nationaltrainer. In Lugano endet am Freitag das Vorbereitungscamp der Schweizer mit dem Testspiel gegen Japan. Petkovic kündet an, dass auch jene Spieler ein paar Einsatzminuten erhalten werden, die gegen Spanien nicht spielten. Aber das sind alles Randnotizen. Entscheidend ist die Frage: Wer spielt am übernächsten Sonntag gegen Brasilien?

Sommer hütet das Tor, davor verteidigen Captain Lichtsteiner, Schär (aller Voraussicht nach), Akanji und Rodriguez. Im Mittelfeld sind Xhaka und Behrami gesetzt. Offensiv gilt das für Shaqiri sowie wohl Zuber und Seferovic. Doch was ist mit Dzemaili? Die Warnsignale des Trainers sind deutlich. In Spanien wechselte er in der Halbzeit Dzemaili aus, Shaqiri rückte in die Mitte. Das wäre die eine Alternative. Der formstarke Stürmer Mario Gavranovic die andere. Dzemaili muss Petkovic ziemlich schnell aufzeigen, dass er auf ihn setzen kann. Am besten schon gegen Japan.

Die Geschichte zwischen Dzemaili und dem Nationalteam war lange kompliziert. Einst wollte er gar aus einem Camp abreisen, weil er – in Topform – wieder hinter dem damals unbestrittenen Gökhan Inler anstehen musste. Obwohl dieser bei Napoli der Ersatz von Dzemaili war. Unter Petkovic haben sich die Kräfte verschoben. Oftmals hat Dzemaili auch gezeigt, dass ihm dieses Vertrauen gut tut. Und ansprechende Leistungen im Nati-Dress gezeigt. Zum Beispiel im Testspiel im März gegen Griechenland, als er überdies ein schönes Tor erzielte.

Der Beweis damals gegen Brasilien

Trotzdem: Die schwachen Auftritte mehren sich. Noch immer ist nicht abschliessend geklärt, wie sehr ihn der Abstecher in die Major League Soccer zurückgeworfen hat. Zwischen Mai 2017 und Oktober spielte er in Montreal. Danach hatte er keine Ernstkämpfe mehr bis Ende Januar 2018, als er wieder zu Bologna zurückwechselte.

Dzemaili weiss genau, dass er gefordert ist. Nach dem 1:1 gegen Spanien sagte er: «Wenn man gegen Spanien nicht verliert, ist das positiv. Aber verbessern können wir einiges, das ist auch klar. Richtung Tor sind wir zu wenig gefährlich.» Wahrscheinlich meinte er auch sich selbst damit.

Doch vielleicht hilft ihm ja die Geschichte. Auf die Frage, welches Länderspiel denn sein bestes war, antwortet er: «Jenes gegen Brasilien am 14. August 2013.» Die Schweiz gewann 1:0. «Es war eines meiner ersten Spiele im Trikot des Nationalteams, in dem ich so richtig überzeugen konnte. Lange hiess es immer: Wenn er dann spielt, kriegt er es trotzdem wieder nicht auf die Reihe. Gegen Brasilien konnte ich allen das Gegenteil beweisen.»

In einer Woche steht wieder ein Spiel gegen Brasilien an. An der WM diesmal. Wieder mehren sich die Zweifel um Dzemaili. Es gäbe keinen besseren Zeitpunkt, um die Skeptiker erneut ruhigzustellen.

Vorerst gilt die Konzentration aber noch dem Moment. Dem Spiel gegen Japan, das als Probelauf für die Aufgabe gegen Serbien gelten darf. Der Ehrung für Captain Lichtsteiner, der sein 100. Länderspiel absolviert. Es geht darum, das freie Wochenende mit einem guten Gefühl geniessen zu können. Bevor das Team am Montag nach Russland fliegt. Petkovic ist überzeugt, dass dies gelingt: «Es ist wie vor zwei Jahren. Wir nehmen viel Energie mit aus diesen Wochen.»

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