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Kritik am deutschen Verband wächst

Mesut Özil und kein Ende: Die Erdogan-Affäre erhitzt weiter die Gemüter, der Deutsche Fussball-Bund um Präsident Reinhard Grindel und Direktor Oliver Bierhoff gerät zunehmend unter Druck.
Marco Mader (SID)
Mesut Özil wird vermehrt in Schutz genommen – dafür wird der deutsche Verband immer häufiger angeprangert. (Bild: Facundo Arrizabalaga/EPA)

Mesut Özil wird vermehrt in Schutz genommen – dafür wird der deutsche Verband immer häufiger angeprangert. (Bild: Facundo Arrizabalaga/EPA)

«Verbandsinterne Feigheit» und «Rot für Nachtreten»: Der Deutsche Fussball-Bund (DFB) mit seinem Präsidenten Reinhard Grindel und dem Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff an der Spitze gerät in der Causa Mesut Özil immer stärker in die Kritik. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir warf dem DFB «verbandsinterne Feigheit» vor, Weltmeistercaptain Philipp Lahm stellte sich an die Seite seines ehemaligen Mitspielers, und Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), forderte Grindel sowie Bierhoff zum Rücktritt auf.

Selbst Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) wunderte sich im Interview mit der Wochenzeitung «Die Zeit»: «Irgendjemand beim DFB, in dem lauter kluge und hochbezahlte Leute sind, hätte dafür sorgen müssen, dass das nicht so eskaliert.»

Neustart im Verband gefordert

Özils Foto mit dem umstrittenen türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan sei ein «schwerwiegender Missgriff» gewesen, sagte Schäuble weiter. Doch dieses «unmögliche Agieren» entschuldige in keiner Weise das Verhalten des DFB. Seit Wochen werde Özil zum Sündenbock gemacht, jeder einzelne DFB-Funktionär kämpfe dabei «ums eigene Überleben». Dabei laufe der Verband Gefahr, «die Philosophie der Nationalmannschaft zu verspielen». Özdemir forderte: «Wir brauchen dringend einen sportpolitischen Neustart beim DFB, gerne mit neuen Gesichtern, aber hoffentlich mit Mesut Özil.»

Wie das aussehen könnte, führte ZMD-Chef Mazyek beim amerikanischen Sender ESPN aus. «Nachtreten wird im Sport mit einer roten Karte bestraft», sagte er: «Bierhoff und Grindel müssen zurücktreten.»

Lahm und Mertesacker stellen sich hinter Özil

Auch Lahm, immerhin DFB-Botschafter für die EM 2024, mahnte Konsequenzen an: «Die Frage ist: Hat man allen Spielern immer genau aufgezeigt, wofür man steht? In Zukunft muss das jedenfalls so sein, finde ich.» Die Vermittlung der Werte des DFB «hätte man sicher besser machen können».

Lahm liess in «Die Zeit» durchblicken, dass ihm Bierhoffs vielkritisierte Äusserungen zu Özil missfielen. «Jetzt ist die Zeit zu analysieren: die Leistungen auf dem Platz, den Umgang mit dieser Affäre. Und danach muss man mit seiner Haltung an die Öffentlichkeit gehen. Das wäre die richtige Aufarbeitung», sagte er und nahm Özil in Schutz. Dieser habe sich «innerhalb der Mannschaft immer tadellos verhalten». Mit Per Mertesacker bot Özil ein weiterer Rio-Held Hilfe an. «Er weiss, dass er mich jederzeit anrufen und auf mich zählen kann», sagte er. Alles an Özil festzumachen, sei «falsch», sagte Mertesacker.

Hitzfeld: «Das war sicher nicht förderlich»

Der deutsche Rekordnationalspieler Lothar Matthäus sieht ebenfalls Versäumnisse beim Verband. Dieser hätte Özil «schon vor der WM auffordern müssen, sich zu äussern», sagte er: «So war es ein Thema während der ganzen WM, Schuld daran ist der DFB.»

Der frühere Schweizer Nationalcoach Ottmar Hitzfeld sagte, der DFB hätte Özil und auch Ilkay Gündogan schützen müssen, indem er bei der WM in Russland auf sie verzichtet hätte. Das Duo habe beim Turnier «unter gewaltigem Druck» gestanden: «Das war sicher nicht förderlich.»

Der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau hofft, dass die gelungene Integrationsarbeit im deutschen Amateurfussball nicht unter der Diskussion leidet. Eine baldige Lösung sieht er nicht: «Das Thema ist momentan so zerfahren, so emotional aufgeladen, dass man sich eigentlich nicht sachlich äussern kann, ohne nochmals Öl ins Feuer zu giessen.»

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