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Jetzt wieder Fussball

Die Schweizer «Adlerjubler» werden von der Fifa mit Geldstrafen belegt. Ab sofort gilt der Fokus uneingeschränkt dem nächsten Gegner Costa Rica. Die WM-Achtelfinals stehen auf dem Spiel.
Christian Brägger, Toljatti
Die Schweiz kann im Spiel gegen Costa Rica auf Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka setzen. (Bild: Antonio Calanni/AP (Kaliningrad, 22. Juni 2018))

Die Schweiz kann im Spiel gegen Costa Rica auf Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka setzen. (Bild: Antonio Calanni/AP (Kaliningrad, 22. Juni 2018))

Es ist heiss geworden in Toljatti, im wahrsten Sinne des Wortes. Auf über 30 Grad Celsius kletterte gestern das Quecksilber des Thermometers. Es war schwül. Das Klima rund ums Schweizer Nationalteam in Russland war ebenfalls gerade unangenehm – im übertragenen Sinn. Trotz des gloriosen Sieges gegen Serbien wurden Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka und Stephan Lichtsteiner übers Wochenende bei der Fifa zu Angeschuldigten: Die Gralshüter des Fussballs mussten die Adlergrüsse der drei Schweizer im Spiel gegen die Serben beurteilen. Womit wieder einmal ein Nebenschauplatz in den Fokus rückte, der nichts mit Fussball zu tun hat.

Die Fifa liess sich viel Zeit mit dem Entscheid. Doch gestern Abend kam dann das Urteil: Die drei Schweizer werden nicht gesperrt, Artikel 54 des Fifa-Disziplinarreglements – «wer während einer Partie die Zuschauer provoziert, wird mit mindestens zwei Spielsperren und einer Geldstrafe von mindestens 5000 Franken belegt» – kommt nicht zur Anwendung. Dafür Artikel 57: «Wer auf irgendeine Weise, insbesondere durch beleidigende Gesten oder Äusserungen, eine andere Person in ihrer Ehre verletzt oder wer die Prinzipien des Fairplay oder der Sportlichkeit verletzt, kann sank­tioniert werden.» Gegen Shaqiri und Xhaka, die beiden Serbien-Torschützen mit kosovarischen Wurzeln, verhängte die Disziplinarkommission eine Busse von je 10000 Franken. Captain Lichtsteiner wurde mit einer Geldstrafe von 5000 Franken belegt; alle drei sind somit morgen Abend gegen Costa Rica spielberechtigt. Liesse sich irgendein Schweizer jedoch nochmals zu solcherlei Jubelposen wie den gezeigten Doppeladler hinreissen, würde das Strafmass bedeutend härter. Nachdem Verbandspräsident Peter Gilliéron noch mit einer Verwarnung gerechnet hatte, wollte der SFV das Urteil nicht gross kommentieren. In einem Rundschreiben zitierte er Claudio Sulser, den Delegierten der Nationalmannschaft, mit diesen Worten: «Wir nehmen die Entscheidungen der Disziplinarkommission zur Kenntnis und freuen uns, dass wir uns ab sofort nur noch auf das rein Sportliche konzentrieren können. Wir haben morgen in Nischni ein sehr wichtiges Gruppenspiel und wollen alles daransetzen, dass wir die Partie gegen Costa Rica erfolgreich gestalten.»

Rat der Albaner meldet sich

Im Verlauf des Montags hatte sich in der Schweiz ebenfalls der Rat der Albaner mit einem offiziellen Schreiben an die Öffentlichkeit gewandt und sein Unverständnis über das Fifa-Verfahren aus­gedrückt. Der mit gefalteten Händen ­geformte Doppeladler sei eine Modeerscheinung der Generation Y, der sogenannten Millennials. «Sie hat keine politische Komponente oder Bedeutung, ist gegen niemanden gerichtet, ist nicht beleidigend und sollte deshalb von keiner Seite als störend empfunden werden», hiess es in der Stellungnahme. Vielmehr sei der Doppeladler eine Art Grussform, eine Geste der Freude sowie ein Ausdruck und Symbol von einem Stückchen albanischer Identität der albanischsprachigen Secondos – überall auf der Welt. «Wer diese Grussform als provozierend für die Öffentlichkeit einstuft und daraus ein politisches Problem macht, verkennt die Realität. Und handelt selbst politisch.» Tatsächlich muss in der Geste eine Form der Jugendsprache gesehen werden, eine Art kultureller Code, mit dem man sich verständigt. Wäre die Geste von der Fifa als etwas anderes gesehen worden, müssten in Zukunft ganz andere Handlungen beurteilt werden.

Die Schweizer hatten trotz allem ein wenig Glück mit dem relativ milden Urteil. Auf der anderen Seite wurde der serbische Verband wegen des Verhaltens seiner Anhänger härter angefasst und mit 54000 Franken gebüsst. Mladen Krstajic wurde lediglich mit 5000 Franken gebüsst; der Nationaltrainer hätte sich mit einem Ausschluss von der WM nicht beklagen dürfen, nachdem er den deutschen Schiedsrichter Felix Brych mit einem Kriegsverbrecher gleichgestellt hatte. Derweil die Fifa verhandelte und die betroffenen Spieler selbst nicht öffentlich sprechen durften, postete Shaqiri auf Instagram ein Bild mit einem Text: Er betonte nochmals, keine politische Message durchgegeben zu haben. Er stehe dazu, dass er beide Flaggen – die albanische und die schweizerische – auf seinen Schuhen habe. Und wenn dies nun jemanden in der Schweiz auf komische Gedanken bringen sollte: auf dem linken, seinem besseren Fuss, sei die Schweizer Fahne aufgenäht.

Spieler zeigen sich solidarisch, das Team rückt zusammen

«Wir sind alle betroffen. Aber wir haben einen tollen Teamspirit. Dieser ist unser Pluspunkt. Was jetzt passiert, lässt uns noch näher zusammenrücken», stiessen Michael Lang und Gelson Fernandes ins selbe Horn nach dem Vormittagstraining. In diesem Kontext ist auch der Adlergruss von Lichtsteiner zu deuten. Man ist noch näher zusammengerückt, das Wir-und-jetzt-erst-recht-Gefühl hängt über dem Nationalteam. Es weiss, dass es doch eigentlich um Fussball geht, und da kann die Schweiz Grosses schaffen mit dem möglichen Gruppensieg, der ihr für den Achtelfinal Reisestrapazen nehmen würde, weil er am nächsten Montag im nahen Samara ausgetragen würde. Dafür müsste die Schweiz Costa Rica besiegen und die Brasilianer Punkte gegen Serbien abgeben. Oder aber sie gewinnt ihre Partie um zwei Tore höher als es die Brasilianer tun. Und so weiter. Aber auch ein Ausscheiden der Mannschaft von Vladimir Petkovic wäre noch möglich. Es wäre nicht in seinem Sinne – er hat den Viertelfinal als Ziel ausgegeben.

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