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Die erste Schicksalspartie für die Schweizer Nati

Mit den Serben trifft die Schweiz heute ab 20 Uhr im zweiten Gruppenspiel auf einen talentierten Gegner. Trainer Vladimir Petkovic und seine Mannschaft zeigen sich wenig beeindruckt. Sie wollen vielmehr ihren positiven Weg weitergehen – und gewinnen.
Christian Brägger, Kaliningrad
Nachdenklicher Nationalcoach: Vladimir Petkovic im Abschlusstraining. (Bild: Laurent Gilliéron/Keystone (Kaliningrad, 21. Juni 2018))

Nachdenklicher Nationalcoach: Vladimir Petkovic im Abschlusstraining. (Bild: Laurent Gilliéron/Keystone (Kaliningrad, 21. Juni 2018))

Politisch wie gesellschaftlich ist die Begegnung mit den Serben für die Schweizer keine einfache; auch jetzt gerät diese WM-Partie teilweise auf ebendiese Ebenen. So gibt es in den serbischen Medien und in den sozialen Netzwerken Anfeindungen gegen die Schweizer mit albanischen Wurzeln, bedingt aus der Historie dieser Länder. Valon Behrami hat kosovoalbanische Wurzeln, er sieht «ein völlig normales Spiel» auf ihn zukommen. Und trotzdem besteht die Gefahr, dass sich gewisse Dinge in den Köpfen der Spieler festsetzen, wenn sie immer wieder davon hören und lesen.

Nada Boškovska ist Professorin am historischen Seminar in Zürich (Abteilung osteuropäische Geschichte), sie sagt: «Ja, es gibt Animositäten zwischen Albanern und Serben, das hat bei Länderspielen schon für Probleme gesorgt. Die Feindseligkeiten führten dann ja auch zum Krieg. Die Stimmung wäre jedoch weitaus aufgeladener, wenn Kosovo oder Albanien auf Serbien treffen würde.» Sie glaube nicht, dass es ein schwieriges Spiel werde, Provokationen seien keine zu erwarten. «Die albanisch-stämmigen Profis laufen ja nicht für Albanien, sondern für die Schweiz auf», sagt sie. So müsste auch ein Granit Xhaka oder ein Xherdan Shaqiri als Repräsentant der Schweiz gesehen werden.

Der serbische Nachwuchs wurde Europa- und Weltmeister

Nationaltrainer Vladimir Petkovic ignoriert diese Diskussionen konsequent, auch an der gestrigen Pressekonferenz beantwortet er nur Fragen zum Fussball und weiss, dass die Serben so oder so kein einfach zu spielender Gegner sind. In der russischen Exklave Kaliningrad, wo das westlichste Stadion dieser WM steht, sind die Schweizer mit einer Niederlage aus den letzten 23 Spielen leicht zu favorisieren; Petkovic sagt aber auch, die Serben seien zu schlecht bewertet als Weltnummer 34 und gehörten von der Qualität her nicht in den schwächsten Lostopf vier. In der Tat verfügen sie über viel Talent und wurden 2013 Europameister mit der U19, gar den Weltmeistertitel holten sie 2015 mit der U20. Und sie liegen weltweit an vierter Stelle, wenn es darum geht, Spieler für ausländische Ligen zu «produzieren». Ein Vorteil könnte überdies sein, dass sie unweit von Kaliningrad ihre Teambasis aufgeschlagen und im Gegensatz zu den Schweizern keinen Reisestress haben. Ein weiterer die drei Punkte gegen Costa Rica, als die Mannschaft von Mladen Krstajić bewiesen hat, wie gut organisiert sie in der Defensive steht. «Die Serben sind eine Stimmungsmannschaft, mit einem Sieg im Auftaktspiel kommen sie aufgepumpt daher und mit dem Gefühl, sie seien die Besten der Welt», hat Petkovic im Vorfeld der WM einmal gesagt.

Neben der starken Defensive, der mannschaftlichen Geschlossenheit und dem Ballbesitzfussball ist insbesondere die Turniererfahrung ein Trumpf der Schweiz. Sie hat die Lehren gezogen aus den vergangenen Grossanlässen, als sie beispielsweise 2010 Spanien besiegte – und das Pulver damit bereits verschossen hatte. Das 1:1 gegen Brasilien könnte die Mannschaft in falscher Sicherheit wiegen, doch Goalie Yann Sommer winkt sofort ab: «Brasilien war nach dem Schlusspfiff schnell vorbei. Das Resultat ist eine gute Basis, aber nun geht es weiter.» Petkovic geht gar noch einen Schritt weiter: «Ich erwarte immer wieder mehr. Von allen, auch von mir. Das ist unser Motto, wir dürfen nicht zufrieden sein mit dem Erreichten. Es ist immer möglich, 2, 3, 10 Prozent mehr zu geben und sich zu steigern.» Ohnehin stuft der Tessiner den Auftakt in ein Turnier schwieriger ein als ein zweites Gruppenspiel, weil man bereits ein Gefühl habe für das Team. Und so gibt sich der Nationaltrainer, wie könnte es anders sein, gegen die Serben nicht mit einem Unentschieden zufrieden. Petkovic wird hierfür wieder offensiver und wohl seine Stammformation spielen lassen; mit Behrami also, der gestern das Abschlusstraining – zumindest die ersten 15 Minuten, die öffentlich waren – absolviert hat.

Ein Punkt hilft den Schweizern mehr als den Serben

Für die zweite WM-Etappe haben sich die Schweizer nicht gross mit den Serben befasst. Sie wollen lieber ihr Spiel finden, ein hohes Tempo über die 90 Minuten durchziehen und weiter beweisen, dass sie auf dem richtigen, positiven Weg sind. Das müssen sie auch, weil eine Niederlage wohl das Out in der Vorrunde bedeutete. Mit einem Punkt aus dieser ersten Schicksalspartie könnten die Schweizer indes noch gut leben – das 1:1 gegen Brasilien ist auch den Serben ungelegen.

Spielvorschau: Wie stark ist Serbien tatsächlich?

Die zweiten Gruppenspiele sind vorentscheidend

WM 2006: Gegen Togo die Achtelfinals vorgespurt

(Bild: Keystone/Youri Kochetov)

(Bild: Keystone/Youri Kochetov)

Nach zwölf Jahren nimmt die Schweiz wieder an einer WM teil. Sie startet mit einem 0:0 gut gegen Frankreich, gegen Togo steht sie danach unter Druck. Euphorisiert von zigtausend Anhängern brilliert das Team von Köbi Kuhn in Dortmund, Alex Frei und Tranquillo Barnetta treffen. Den Schwung verliert es erst im Achtelfinal gegen die Ukraine.

Heim-EM 2008: Verloren und vorzeitig ausgeschieden

(Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

(Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

Im zweiten Spiel stehen die Schweizer nach dem 0:1 gegen Tschechien unter Zugzwang. Sie müssen punkten, um nicht vorzeitig auszuscheiden. Doch die Last ist zu gross, in Basel verlieren sie im Dauerregen gegen die Türkei 1:2. Heute sagt Valon Behrami: «Wenn ich wünschen könnte, dass wir ein Turnier nochmals spielen dürften, es wäre jene EM.»

WM 2010: Der Niedergang beginnt mit Chile

(Bild: Keystone/Shuji Kajiyama)

(Bild: Keystone/Shuji Kajiyama)

In Südafrika siegt die Schweiz sensationell gegen Spanien 1:0. Doch die Begegnung mit dem späteren Weltmeister kostet (zu) viel Kraft, zudem wähnt sich das Team von Ottmar Hitzfeld in Sicherheit. Gegen Chile kommt es im eigentlichen Schlüsselspiel nie auf Touren, es denkt, alles in der dritten Partie gegen Honduras noch richten zu können – weit gefehlt.

WM 2014: Frankreich als Denkzettel

(Bild: Keystone/Christophe Ena)

(Bild: Keystone/Christophe Ena)

Nach dem Last-Minute-Erfolg gegen Ecuador wähnt sich die Schweiz bereits im Achtelfinal. Im zweiten Vorrundenspiel kommt sie gegen Frankreich bös unter die Räder, 2:5 lautet das klare Verdikt nach einem 0:5-Rückstand. Doch diesmal ziehen Hitzfeld und seine Spieler die richtigen Schlüsse – und scheitern ehrenvoll im Achtelfinal an Argentinien.


EM 2016: Mit Rumänien kommt die Gelassenheit

(Bild: Keystone/Francois Mori)

(Bild: Keystone/Francois Mori)

Vladimir Petkovic ist nun der Trainer des Nationalteams. Mit den drei Zählern aus dem Albanien-Auftakt geht es gegen Rumänien um den zweiten Gruppenplatz und das Weiterkommen. Die Schweiz gerät in Rückstand, doch Admir Mehmedi rettet mit einem herrlichen Tor einen Punkt – es ist mehr als die halbe Miete für den Verbleib im EM-Turnier. (cbr)

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