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Offenes Duell um den WM-Pokal

Im Final der Weltmeisterschaft treffen heute (17 Uhr, SRF zwei) zwei unterschiedliche Generationen aufeinander. Frankreich setzt auf junge, Kroatien auf erfahrene Spieler. Beiden ist der Titel zuzutrauen.
Raphael Gutzwiller, Moskau
Frankreichs pragmatischer Coach Didier Deschamps (links) gegen Kroatiens Stars Luka Modric (rechtes Bild, links) und Mario Mandzukic (rechtes Bild, rechts vorne). (Shaun Botterill/Getty, St. Petersburg, 9. Juli 2018 / P. Powell/EPA, Moskau, 13. Juli 2018)

Frankreichs pragmatischer Coach Didier Deschamps (links) gegen Kroatiens Stars Luka Modric (rechtes Bild, links) und Mario Mandzukic (rechtes Bild, rechts vorne). (Shaun Botterill/Getty, St. Petersburg, 9. Juli 2018 / P. Powell/EPA, Moskau, 13. Juli 2018)

Junges Team mit Anführer

Im WM-Final 1998 führt Frankreich zur Pause mit 2:0 gegen Brasilien. Gewonnen ist noch nichts, aber die Franzosen sind auf gutem Weg. Captain Didier Deschamps betritt die Kabine, bespricht sich kurz mit Youri Djorkaeff und Lilian Thuram. Trainer Aimé Jacquet versucht, ein paar Worte zu sagen, kommt aber nicht so weit. Deschamps ergreift das Wort. «Wir lassen nicht nach, klar? Nicht jetzt! Wir sind noch 45 Minuten vom Wahnsinn entfernt. Kopf oben lassen! Ein Tor noch! Noch eins!»

Am Ende gewinnt Frankreich gegen Brasilien 3:0, krönt sich zum ersten Mal in der Geschichte zum Weltmeister.

Diese Geschichte sagt viel aus über Didier Deschamps. In den entscheidenden Situationen will er Verantwortung übernehmen, er ist ein Leadertyp. Das war er schon damals beim Weltmeistertitel 1998. Nun könnte er das Team auch als Trainer zum Weltmeistertitel führen. Etwas, was zuvor nur dem Brasilianer Mario Zagallo und dem Deutschen Franz Beckenbauer gelungen ist.

Deschamps lässt an dieser Weltmeisterschaft keinen schönen, auch keinen spektakulären Fussball spielen. Als Spieler war er pragmatisch, das ist er auch als Trainer. Wenig Ballbesitz, viele Chancen, viele Tore, wenig Gegentore. Für den meist defensiven Fussball mit grosser Konterstärke wurde das Team auch schon kritisiert. Halbfinalgegner Belgien beschwerte sich im Nachgang der Partie gar.

Dabei könnte gerade das nüchterne Spiel das grösste Verdienst Deschamps’ sein. Vor dem Turnier wusste man zwar um das grosse Offensivpotenzial der talentierten Mannschaft. Mbappé, Griezmann, Dembélé. Aber den ganz grossen Coup könne man nicht landen, warnten viele, dazu sei das Team noch zu unerfahren, zu grün hinter den Ohren. Und nun hat es Deschamps offensichtlich geschafft, aus vielen talentierten und guten Einzelspielern ein starkes Kollektiv zu formen, das gemeinsam verteidigt.

Wiedergutmachung für den EM-Final 2016

Das französische Team ist jung. Im Halbfinal gegen Belgien betrug das Durchschnittsalter 26,3 Jahre – es sind über drei Jahre weniger als dasjenige der elf Akteure, die Finalgegner Kroatien gegen England aufs Feld geschickt hat. Und viele junge Spieler konnten an dieser WM auf sich aufmerksam machen, allen voran natürlich Kylian Mbappé. Aber auch etwa die beiden Aussenverteidiger – vor der WM noch als Problemposition Frankreichs bezeichnet – Lucas Hernández und Benjamin Pavard zählen zu den Shootingstars dieser Weltmeisterschaft.

Drei Spieler, die 2016 noch nicht dabei waren, als man den EM-Final in Paris gegen Portugal nach Verlängerung mit 0:1 verlor. Eine Niederlage, die noch immer schmerzt. «Wir müssen den Final gewinnen, weil wir diese Niederlage noch nicht verarbeitet haben», sagt Deschamps. Der Gewinn des WM-Pokals wäre eine tolle Wiedergutmachung. Die Pausenansprache dazu hat Deschamps sicher schon im Kopf.

Chance für goldene Generation

Kroatien als Fussballweltmeister? Das könnte heute Realität werden. Die kleine Nation Kroatien und nicht etwa Brasilien, Argentinien, Spanien oder Deutschland. Kroatien, das wichtigste Fussballland der Welt? Klar wäre der Titel Kroatiens eine Überraschung, eine der grössten Sensationen der Sportgeschichte. Unmöglich ist die Sache aber nicht.

Das Momentum scheint auf der Seite der Kroaten zu stehen, die Euphorie nach der erstmaligen Finalqualifikation ist riesig. Gegen England hat Kroatien in der Verlängerung 2:1 gewonnen, erneut hat das Team den Siegeswillen gezeigt, der es an diesem Turnier auszeichnet.

Trainer Zlatko Dalic sagt: «Das wird der grösste Moment in unserem Leben. Egal ob wir gewinnen oder verlieren. Es wird ein Ereignis, das die Erde in Kroatien zum Beben bringt. Hoffentlich werden 4 Millionen Menschen in den Strassen feiern.»

Ein Titel für die Ewigkeit?

Der Weltmeistertitel für Kroatien wäre ein Ereignis für die Ewigkeit, eines, das kaum je wieder eintreffen wird. Die goldene Generation mit Luka Modric (32), Ivan Rakitic (30), Mario Mandzukic (32), Dejan Lovren (29) oder Ivan Perisic (29) spielt in viereinhalb Jahren, wenn die Weltmeisterschaft 2022 in Katar über die Bühne geht, wohl nicht mehr. Für sie ist der WM-Final die riesige Möglichkeit, die Karriere zu krönen, die grosse Chance, für das Land einen WM-Titel zu holen.

Zu den Geheimfavoriten hat das kleine Kroatien mit nur 4,2 Millionen Einwohnern seit der Generation Modric immer wieder gezählt. Am erfolgreichsten war man an grossen Turnieren an der Europameisterschaft 2008 in der Schweiz und in Österreich, als man immerhin in den Viertelfinal vorstiess, und 2016, als im Achtelfinal Schluss war. Deutlich enttäuschender war dagegen die Bilanz an den Weltmeisterschaften: 2010 hat sich Kroatien nicht qualifiziert, 2014 war in der Vorrunde Schluss. In diesem Jahr hat Kroatien erstmals seit der WM 1998, als das Team das Turnier als Dritter abschloss, wieder eine Gruppenphase überstanden – und steht nun sogar im Final.

Die Kroaten haben auf dem Weg dorthin mit mannschaft­licher Geschlossenheit brilliert, die Defensive zeigte sich stabil, im Zentrum ist man heraus­ragend besetzt, und die Offensive ist unberechenbar. Die stärkste Leistung zeigte Kroatien beim souveränen 3:0-Sieg gegen Argentinien in den Gruppenspielen. Die nachfolgenden Spiele dürften aber Energie gekostet haben. Dreimal kamen zu den 90 Spielminuten 30 Minuten Verlängerung hinzu, man hat also ein ganzes Spiel mehr absolviert als Gegner Frankreich. Als Nachteil sieht das Dalic jedoch nicht: «Die Spieler sind fit und sind bereit für den Final. Und wir nehmen aus den Verlängerungen Selbstvertrauen raus. Wir wissen, dass für uns ein Spiel nie verloren ist.»

Und wenn dann der goldene WM-Pokal heute wirklich an die Kroaten vergeben würde, er würde das Land zum Beben bringen.

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