FUSSBALL: Reifer und selbstbewusster

Am Sonntag beginnt in den Niederlanden die Frauen-EM. Die Schweizerinnen starten am Dienstag in Deventer gegen Österreich in ihre erste EM überhaupt.

Christian Finkbeiner (sda)
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Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg beim Training in Bad Zurzach. (Bild: Andy Müller/Freshfocus)

Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg beim Training in Bad Zurzach. (Bild: Andy Müller/Freshfocus)

Christian Finkbeiner (SDA)

Nach der ersten WM-Teilnahme vor zwei Jahren in Kanada kommt das Team von Martina Voss-Tecklenburg nun auf Kontinentalebene zu seiner Premiere an einer Endrunde. Die Zielsetzung ist klar: Platz eins oder zwei in der Gruppe mit Österreich, Island und Frankreich und damit die Qualifikation für die Viertelfinals. «Im Gegensatz zur WM haben wir nun erstmals etwas zu verlieren. Damit müssen wir umgehen können», sagte Voss-Tecklenburg.

Die Erfahrungen der WM in Kanada, als die Schweizerinnen in den Achtelfinals dem Gastgeber 0:1 unterlagen, sollen der Auswahl an der EM helfen. «Die WM war für uns alle eine Reise ins Ungewisse», sagte Lara Dickenmann, die Mittelfeldspielerin vom VfL Wolfsburg. Die Grösse eines solchen Turniers, die mediale Aufmerksamkeit, die Stadien, die Zuschauermassen, die Städte Vancouver und Edmonton. «Wir waren alle ‹geflasht› und haben uns zu sehr ablenken lassen», so Vanessa Bernauer.

«Wir sind nur schwer zu besiegen»

In der Analyse der WM reifte bei den Schweizerinnen die Einsicht, dass sie sportlich nicht das Maximum herausgeholt hatten. Dies soll nun in den Niederlanden nicht mehr passieren. Dass die Schweizerinnen in ihrer Entwicklung einen Schritt weitergekommen sind, bewiesen sie in der Qualifikation, als sie ihre Gruppe ohne Verlustpunkt gewannen. Am Cyprus Cup im Frühjahr feierten sie den ersten internationalen Turniersieg eines Schweizer Frauen-Nationalteams. «Wenn wir alle gesund sind und unsere bestmögliche Leistung abrufen, sind wir nur schwer zu besiegen», sagt Voss-Tecklenburg.

Dass die Bäume aber noch nicht in den Himmel wachsen, weiss die 49-jährige Deutsche, die seit fünf Jahren die Verantwortung für das Team trägt. Zum Auftakt des Jahres setzte es im Trainingslager in Spanien gegen den Gastgeber in einem internen Testspiel eine herbe Niederlage ab, das letzte offizielle Testspiel verloren die nicht in Bestbesetzung angetretenen Schweizerinnen Anfang Juni gegen England in Biel 0:4. Spanien und England, die beide zu den Titelanwärtern zählen, sind mögliche Gegner der Schweiz in den Viertelfinals.

Wegbereiterinnen für eine neue Generation

Der Stamm des Schweizer Teams hat sich im Vergleich zur WM vor zwei Jahren nicht verändert. Dickenmann, Bernauer, Captain Caroline Abbé, Lia Wälti, Ana-Maria Crnogorcevic, Martina Moser und Ramona Bachmann sind die bekanntesten Namen im 23-Frau-Kader. Sie alle waren mit ihrem Wechsel ins Ausland Wegbereiterinnen für die neue Generation um Cinzia Zehnder, Jana Brunner, Sandrine Mauron oder Fabienne Reuteler.

Die letzte Schweizer Station der fast dreiwöchigen EM-Vorbereitung war Bad Zurzach. Im dortigen Park-Hotel feierten die Schweizerinnen vor gut drei Jahren vor dem TV die Qualifikation für die WM 2015. «Wir wollten den Spirit von damals mitnehmen», so Voss-Tecklenburg. In Arnheim werden die Schweizerinnen ab heute ihr Lager beziehen. Nach dem ersten Spiel gegen Österreich am Dienstag sind Island am 22. Juli und Favorit Frankreich am 26. Juli die weiteren Gruppengegner.