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FUSSBALL: Pfiffe vom eigenen Publikum: Seferovic ergeht es wie einst Streller und Frei

Die Schweiz lässt beim 0:0 gegen Nordirland viele Torchancen aus. Haris Seferovic wird bei seiner Auswechslung von den eigenen Fans ausgepfiffen – wie einst Alex Frei und Marco Streller.
Daniel Wyrsch, Basel
Der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic (links) spricht nach dem Spiel mit Stürmer Haris Seferovic. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic (links) spricht nach dem Spiel mit Stürmer Haris Seferovic. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Daniel Wyrsch, Basel

Am Schluss jubelten fast alle Schweizer Spieler, Trainer und Betreuer. Die Qualifikation für die WM 2018 in Russland ist mit dem 0:0 im Barrage-Rückspiel gegen Nordirland geschafft. Nur einer aus dem rot-weissen Lager musste in Basel getröstet werden. Haris Seferovic weinte bittere Tränen trotz des WM-Tickets. Es waren keine Freudentränen. Was war geschehen mit dem Mann, der in Sursee gross geworden ist? Nachdem er in der 85. Minute mit einem Schuss aus 14 Metern weit übers nordirische Tor wohl die grösste der zahlreichen Schweizer Chancen ausgelassen hatte, ertönten die ersten Pfiffe aus einem Teil des Schweizer Lagers im St.-Jakob-Park. Wenig später wechselte Nationalcoach Vladimir Petkovic den aus Basel stammenden Breel Embolo für Seferovic ein. Als der Profi von Benfica Lissabon den Platz verliess, wurden die Pfiffe gegen den eigenen Stürmer noch lauter. Eine bizarre Szene, die an Alex Frei erinnerte, der in Basel bei einer Auswechslung in einem EM-Qualifikationsspiel gegen Wales ebenfalls vom eigenen Anhang ausgepfiffen worden war. Oder an Marco Streller, den heutigen Basel-Sportchef, der einst in St. Gallen von den Schweizer Fans Buh­rufe und Pfiffe geerntet hatte und aus lauter Frust deswegen sogar kurzzeitig aus dem Nationalteam zurückgetreten war.

Unterstützung von Coach und Captain für Seferovic

Auf jeden Fall waren sich die Protagonisten des heutigen Nationalteams der Ernsthaftigkeit und Brisanz der Situation bewusst. Captain Stephan Lichtsteiner betonte: «Die Pfiffe gegen Haris sind nicht o. k. Ich würde mir wünschen, dass unser Stürmer, der in der gesamten Qualifikation so viel für uns getan hat, mehr Respekt bekommen würde.» Nationaltrainer Petkovic machte den Vergleich mit den fantastischen grün-weissen Gästefans in dem mit 36000 Zuschauern ausverkauften Stadion: «Das nordirische Publikum hat seine Mannschaft besser unterstützt.» Und: «Mich hat es enttäuscht, dass die Leute meinten, es werde gegen die kämpferischen Nordiren leicht.»

Haris Seferovic, Stürmer, Note: 4,5. Der Surseer hat zwei gute Chancen: seine Direktabnahme hält der Torhüter (18.) und Dzemailis Hereingabe verpasst er (55.). (Bild: Peter Schneider/Keystone)
Xherdan Shaqiri, Rechtsaussen, Note: 5. Die gefährlichsten Aktionen kommen von ihm, so auch die Direktabnahme, die zum Penalty führt. (Bild: Peter Schneider/Keystone)
Denis Zakaria, Zentrales Mittelfeld, Note: 4,5. Als junger Spieler zeigt er eine schon beachtlich reife Leistung mit wenigen Fehlern. (Bild: Alessandro Della Valle/Keystone)
Blerim Dzemaili, Zentrales Mittelfeld, Note: 4,5. Er fällt nicht besonders auf bis auf eine tolle Hereingabe auf Seferovic (55.). Er ist sehr engagiert. (Bild: Christian Beutler/Keystone)
Granit Xhaka, Zentrales Mittelfeld, Note: 5. Der Mittelfeldspieler ist der Dreh- und Angelpunkt im Schweizer Spiel, der Dirigent und Chef. (Bild: Alessandro Della Valle/Keystone)
Steven Zuber, Linksaussen, Note: 5. Der Angreifer von Hoffenheim leitet mehrere gute Chancen ein, er spielt sehr clever. (Bild: Laurent Gillieron/Keystone)
Ricardo Rodriguez, Linker Verteidiger, Note: 5. Das 1:0-Siegtor erzielt er mit dem Handspenalty souverän, in der zweiten Halbzeit klar verbessert. (Bild: Alessandro Della Valle/Keystone)
Manuel Akanji, Innenverteidiger, Note: 5. Der Basler ist in den Kopfballduellen sehr stark, er spielt diszipliniert und äusserst solide. (Bild: Carlo Reguzzi/Keystone/Ti-Press)
Fabian Schär, Innenverteidiger, Note: 5. Trotz einer gelben Karte in der 5. Minute bleibt er gelassen, steht bei Flanken der Nordiren richtig. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)
Stephan Lichtsteiner, Rechter Verteidiger, Note: 4,5. Er spielt eine gute erste Halbzeit mit Rushes und Flanken. Später agiert er taktisch zurückhaltender. (Bild: Alessandro Della Valle/Keystone)
Yann Sommer, Torhüter, Note: 4,5. Er macht bis auf eine Ausnahme einen sicheren Eindruck, ist immer zur Stelle, wenn er es sein muss. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)
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Nordirland - Schweiz: Die Noten

Für Petkovic stimmten zwei Dinge: Erstens errang sein Team nach 10 Siegen, einem Unentschieden und lediglich einer Niederlage (0:2 in Portugal) das Ticket für Russland. Und zweitens: «Jeder meiner Spieler hat in diesem schweren letzten Match auf diesem tiefen Platz alles gegeben.» Über Seforovics Leid wollte Petkovic nicht mehr reden. «Bleiben wir bei den positiven Dingen.» Der Nationalcoach hatte seinen Stürmer während der Pfiffe aber deutlich sichtbar unterstützt. Als Seferovic vom Platz lief und provokativ ins weite Rund applaudierte, klatschte Petkovic ebenfalls demonstrativ und nahm den Schützling an der Seitenlinie in Empfang. Daraufhin deutete Seferovic, der Luzerner mit Wurzeln in Bosnien, mit den Fingern einen Pfiff an und zeigte auf die Ränge, um den Zuschauern sein Unverständnis mitzuteilen.

Gestern wollte sich Haris Seferovic zum Vorgefallenen nicht äussern. Xherdan Shaqiri, der im Abschluss vor dem Tor ebenfalls nicht zu überzeugen wusste und wie Seferovic ausgewechselt wurde, fasste das trotz der ungenügenden Effizienz Erreichte in wenigen Worten zusammen: «Wir sind alle stolz, dass wir nächsten Sommer an die WM dürfen!»

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