Fussball-Mottenkiste: Wie die Schweizer Liga ihren Datensatz aufgemöbelt hat

Die Swiss Football League (SFL) hat in akribischer Arbeit alle Meisterschaftsspiele seit 1933 erfasst und gibt seit kurzem auf der Webseite «SFL Glory» einen Einblick. Der Nostalgiker findet viel Spannendes – einiges wird er aber vermissen.

Ralf Streule
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Philippe Perret (links) spielte von 1978 bis 1998 bei Xamax und hält mit 539 Spielen den Schweizer Ligarekord. (Bild: Sandro Campardo, KEY - Neuenburg, 28. Februar 1998)

Philippe Perret (links) spielte von 1978 bis 1998 bei Xamax und hält mit 539 Spielen den Schweizer Ligarekord. (Bild: Sandro Campardo, KEY - Neuenburg, 28. Februar 1998)

Statistiken können ernüchternd sein. Marc Zellweger, den sie in der Ostschweiz «Fussballgott» rufen und der mit seinen 451 Spielen St. Galler Rekordhalter ist, steht im nationalen Vergleich nur auf dem 14. Platz. Von allen Spielern, die seit 1933 in der höchsten Schweizer Liga angetreten sind, schwingt Xamax’ Philippe Perret mit 539 Spielen obenaus. Urs Fischer (St. Gallen und Zürich) folgt mit 534 Partien.

Vier Millionen Daten zusammengetragen

Die Zahlen stammen von der Webseite «SFL Glory», welche die Swiss Football League (SFL) kürzlich aufgeschaltet hat. Mit Hilfe der Macher des Fussballmagazins «Zwölf» scharrte die Liga in den vergangenen zehn Jahren vier Millionen Daten in mühsamer Kleinstarbeit zusammen. Bis zurück ins Jahr 1933 sind alle Partien der höchsten Liga – damals schlicht «Nationalliga» – erfasst. Die 1930er- und 1940er-Jahre waren «ein schwarzes Loch», was Match-Infos angeht, sagt Philippe Guggisberg, SFL-Medienchef und als Historiker ein Mitinitiator des Projekts. Zwar kannte man den Meister jener Saison und einzelne Resultate. Ein Gesamtbild mit allen Spielern und Toren aber fehlte.

«Wenn, dann richtig», sagten sich die Initianten.

Zunächst hatten sich die Initianten zum Ziel gesetzt, die Partien bis zurück in die 1950er-Jahre zu erfassen. Doch bald ergriff sie das Fieber. «Wenn, dann richtig», habe man sich gesagt und sich auf 1933 als Startjahr geeinigt, so Guggisberg. Die Datenlage in den Anfängen der Liga um die Jahrhundertwende sei hingegen schlicht zu dünn gewesen. Match-Berichte aus der Zeitung «Sport», aber auch aus dem Archiv von Regionalzeitungen wie dem «St. Galler Tagblatt» wurden ausgewertet.

Ein Hindernis bei der Datensuche war: Das heute genormte Telegramm gibt es erst seit den 1960er-Jahren. Oft seien in älteren Artikeln zwar das Wetter, aber nicht der Zeitpunkt der Tore erfasst gewesen, so Guggisberg.

«Hier mussten wir teilweise Annahmen treffen.»

Ein Manko der Webseite: Zwar sind etliche Listen abrufbar, nicht aber die Match-Telegramme einzelner Partien. Dabei wäre es für Fans doch interessant, wenn sie Telegramme gewisser Spiele suchen könnten, zum Beispiel von jenem, bei dem sie als Kind zum ersten Mal im Stadion waren. Solche Infos sollen nachgeliefert werden, so Guggisberg. Die Programmierarbeit sei aufwendig – und habe bei der SFL dann doch nicht höchste Priorität.

Die andere Statistik: Lässer vor Zamorano

Zum Stöbern gibt die Fussballmottenkiste auch so viel her. Eine weitere Ernüchterung aus St. Galler Sicht: Wer in der Statistik ­«Minuten pro Tor» den hiesigen Halbheiligen Ivan Zamorano sucht, muss weit nach unten scrollen. National zuoberst steht ein weniger bekannter St. Galler: Daniel Lässer. Der Rheintaler traf 2015 gegen Thun, bei seinem einzigen zwölfminütigen Einsatz in der Super League. Ein letztes Schmankerl: Erich Hänzi (YB, Lausanne) steht in ­Sachen absolvierter Ligaspiele vor Zellweger. Das Erstaunliche dabei: In 466 Spielen hat Verteidiger Hänzi keine einzige gelbe Karte geholt. Immerhin: Da hat der hiesige Fussballgott mit 42 gelben Karten die Nase vorn.

Statistiken unter glory.sfl.ch

Erich Hänzi, hier gegen Ahmed Ouattara, spielte 466 Meisterschaftspartien - und holte sich dabei keine einzige gelbe Karte. (Bild: Fabrice Coffrini/KEY, Lausanne, 9. November 1997)

Erich Hänzi, hier gegen Ahmed Ouattara, spielte 466 Meisterschaftspartien - und holte sich dabei keine einzige gelbe Karte. (Bild: Fabrice Coffrini/KEY, Lausanne, 9. November 1997)