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FUSSBALL: Mehmedi: «Wir sind enttäuscht»

Admir Mehmedi hat an der Fussball-EM den wichtigen Treffer zum 1:1 der Schweiz gegen Rumänien erzielt. In Hochstimmung ist der Nationalspieler deshalb nicht. Trotzdem bringt er seine Zuhörer zum Lachen.
Andreas Ineichen/Montpellier
Der Schweizer Nationalspieler Admir Mehmedi stellt sich einen Tag nach dem 1:1 gegen Rumänien einem Interview. (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT (KEYSTONE))

Der Schweizer Nationalspieler Admir Mehmedi stellt sich einen Tag nach dem 1:1 gegen Rumänien einem Interview. (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT (KEYSTONE))

Admir Mehmedi ist mit dem hehren Vorsatz gekommen, für seinen arg in die Kritik geratenen Teamkollegen Haris Seferovic eine Lanze zu brechen. Seferovic liess vier zum Teil ausgezeichnete Torgelegenheiten im EM-Startspiel gegen Albanien (1:0) und zwei weitere gegen Rumänien (1:1) aus, er ist der Hauptgrund dafür, warum bei den Schweizern die Anzahl Chancen und der Ertrag in einem Missverhältnis stehen.

Rund 16 Stunden nach dem zweiten Gruppenspiel sass Mehmedi also hinter einer Reihe von Mikrophonen im Medienraum des Stade de la Mosson zu Montpellier, wohin sich der ganze Schweizer Tross mit Mannschaft und den Medienschaffenden im Schlepptau über Nacht von Paris bewegt hat. Und es war Mehmedi ein Bedürfnis, darauf zu verweisen, dass sich «Haris für das Team totläuft». Dass er ihm unheimlich leid tue, weil der Torerfolg fehle.

Auf die Frage, ob er denn Seferovic im Kreis der Mannschaft zusehends verzweifelt wahrnehme, verursachte Mehmedi unfreiwillig Gelächter im Raum. Er befand, dass «Haris im allgemeinen einer sei, der nicht viel überlege. Von daher kommt ihm das in der aktuellen Situation entgegen.»

Ein Tor kann befreiend wirken

Was ein Torerfolg in einem Spieler auslösen kann, dafür erteilte Mehmedi am Mittwochabend Anschauungsunterricht. Der linke Offensivspieler war zunächst auf dem Weg dazu, seine schwache Leistungen aus dem Albanien-Spiel zu bestätigen. Nationaltrainer Vladimir Petkovic wollte ihn beim nächsten Spielunterbruch durch Breel Embolo ersetzen, als er einen ungenügend abgewehrten Eckball zum 1:1 nutzte.

Die Erleichterung im Lager der Schweizer, die sich in dieser 57. Minute breitmachte, war greifbar im Parc des Princes, weil die Situation wegen der vergebenen Chancen zunehmend verzweifelter zu werden schien. Und Petkovic beliess Mehmedi im Spiel, und Mehmedi blühte auf. «Prinzipiell nähme ich mich nie raus, wenn ich Trainer wäre», bemerkte Mehmedi mit lausbübischem Gesichtsausdruck, bevor er ergänzte: «Gerade gegen Rumänien hätte es sich für mich nicht richtig angefühlt.» Er sei nach zwei harten Monaten bei seinem Arbeitgeber Leverkusen, in denen er wenig zum Einsatz kam, «nicht mit viel Selbstvertrauen» in die Nationalmannschaft eingerückt. «Darum hat mich das Tor auch befreit. Ich bin ein Spieler, der das Vertrauen des Trainers braucht.»

Schweiz benötigt perfektes Spiel

Aber das 1:1, sein 1:1, würde er sofort gegen einen Sieg und drei Punkte eintauschen. Dann wären die Schweizer mit sechs Punkten bereits qualifiziert für die Achtelfinals, zum ersten Mal an einer EM überhaupt. «Aber für unser gutes Spiel haben wir nur einen Punkt bekommen, deshalb ist die Enttäuschung in der Mannschaft da, dass wir noch nicht weiter sind.» Mit einem Unentschieden im dritten und abschliessenden Gruppenspiel am Sonntag um 21 Uhr in Lille gegen Frankreich ist die Schweiz als Gruppenzweiter weiter. Mit einem Sieg gar als Gruppensieger. Bei einer Niederlage hingegen kann sie auf Platz drei abrutschen, wenn Rumänien Albanien besiegt. Immerhin kommen auch die vier besten Gruppendritten in die Achtelfinals. «Wir müssen ein perfektes Spiel zeigen», ist Mehmedi angesichts der Herausforderung, die Frankreich fussballerisch darstellt, überzeugt.

Auf höhere Effizienz angewiesen

Wie man gegen Frankreich unter die Räder kommen kann, davon können die Schweizer ein Lied singen. Im zweiten Gruppenspiel an der WM 2014 lagen sie nach 73 Minuten 0:5 hinten, ehe Blerim Dzemaili und Granit Xhaka noch Resultatkosmetik zum 2:5 gelang. «Das war eine Lektion, weil wir den Franzosen mit einem Pressing ins offene Messer gelaufen sind. Das Spiel ist immer noch in unseren Köpfen», so Mehmedi.

Die Schweizer werden, um am Sonntag ein positives Resultat erzielen zu können, auf eine hohe Effizienz angewiesen sein. Bis jetzt ist ihnen noch kein Tor aus dem Spiel heraus gelungen. Und sie müssen darauf hoffen, dass Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner ihr Potenzial besser abrufen können. Im Fall von Seferovic könnte Petkovics Devise lauten «nichts überstürzen mit Wechseln» – Mehmedi lässt grüssen.

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