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Fussball-Kommentator Dani Wyler im Interview: «Die deutschen Reporter kochen auch nur mit Wasser»

Seit Sommer 2017 ist Dani Wyler nicht mehr nur als Live-Kommentator in Fussballstadien anzutreffen, sondern auch als Medienchef des Challenge-League-Clubs FC Wil. Der 67-Jährige sagt, weshalb er von der Kritik an Schweizer Reportern nichts hält und warum er immer ein Klebeband beim Kommentieren dabei hat. Die Frage nach einem möglichen Wiler Aufstieg in die Super League kontert er mit Witz und Souveränität.
Interview: Tim Frei
Auf dem Fussballplatz fühlt - hier in der IGP Arena in Wil - fühlt sich Dani Wyler wohl: «Wenn man als Fussballfan seinen Beruf in diesem Sport ausüben kann, ist das ein erfüllter Wunschtraum». (Bild: Mareycke Frehner)

Auf dem Fussballplatz fühlt - hier in der IGP Arena in Wil - fühlt sich Dani Wyler wohl: «Wenn man als Fussballfan seinen Beruf in diesem Sport ausüben kann, ist das ein erfüllter Wunschtraum». (Bild: Mareycke Frehner)

Daniel Wyler, 29 Jahre kommentierten Sie Fussballspiele auf SRF. Seit Ihrer Pensionierung vor rund zwei Jahren tun Sie das für Teleclub. Haben Sie nie genug vom Kommentieren?

Nein, definitiv nicht. Fussballspiele zu kommentieren ist mein Leben. Dass ich diesen Traumjob auch im Pensionsalter noch ausüben darf, freut mich sehr. Ich kann nicht plötzlich inaktiv sein.

Können Sie sich ein Leben ohne Fussball überhaupt vorstellen?

Der Mensch ist anpassungsfähig: Wenn es einmal so sein muss, wird das schon gehen. Aber vorstellen kann ich mir das nicht.

Kürzlich haben Sie gesagt, Live-Reporter zu sein, sei ein Privileg. Inwiefern?

Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen: Wir Fernsehkommentatoren sind an den grössten Spielen, auf den besten Plätzen im Stadion – und bekommen noch Geld dafür. Wenn man als Fussballfan seinen Beruf in diesem Sport ausüben kann, ist das ein erfüllter Wunschtraum.

Fehlt als Fan nicht die Distanz zum Spielgeschehen?

Zu unseren Aufgaben gehört es, zu loben, zu analysieren, einzuordnen, Spannung zu erzeugen – aber auch zu kritisieren. Damit habe ich kein Problem. Als Kommentator musst du objektiv sein, und auch Mannschaften, die dir gut gefallen, wenn nötig kritisieren. Da geht es um Professionalität. Als Kommentator hat man keine Möglichkeit, Fan-TV zu machen.

Dani Kern, Ihr Kommentator-Kollege beim SRF, bezeichnet Sie im positiven Sinne als «fussballverrückt». Hat er recht?

Ja, ich bin schon auf eine Art vom Fussball besessen. Mir sind etwa noch Spielszenen aus den 1970er-Jahren im Kopf – zum Beispiel das Ausgleichstor von Georg Schwarzenbeck im Final des Europapokals der Landesmeister von 1974 zwischen Bayern München und Atletico Madrid. In der Nachspielzeit erzwang er mit dem Ausgleich ein Rückspiel, das die Bayern dann gewannen – und damit auch ihren ersten Titel in der Königsklasse. Diese Szene ist mir so präsent, dass ich noch weiss, wo ich damals gesessen habe.

Welches Erlebnis hat Sie als Reporter besonders geprägt?

Es gibt so viele. Etwa die zwei verrückten Champions-League-Finals zwischen Manchester United und Bayern München sowie Liverpool und Milan. Das sind unvergessene Momente. Aber auch das Spiel der Schweiz auf den Färöer-Inseln nahe dem Meer werde ich immer in Erinnerung behalten. Es hat so stark gewindet, dass es mir alle Unterlagen zum Spiel weggeblasen hat.

Was dachten Sie in diesem Augenblick?

Ein ärgerlicher Moment. Seither habe ich immer eine Rolle Klebeband dabei. Ich habe auch allen jüngeren Kollegen gesagt: Das Wichtigste in eurem Job ist nicht, dass ihr «schnurre chönd», sondern dass ihr Klebeband dabei habt. (lacht)

Viele Schweizer wechseln bei Fussball-Liveübertragungen oft auf deutsche Sender, weil ihnen die Schweizer Kommentatoren zu viel reden. Was halten Sie von dieser Kritik?

Das ist Schwachsinn! Logisch gibt es Leute, die ARD, ZDF oder ORF schauen. Bei den Skirennen hiess es immer, der Armin Assinger sei zehnmal besser als Matthias Hüppi und Bernhard Russi. Überall auf der Welt sind die Reporter aus dem eigenen Land die schlechtesten, damit muss man leben. Die Zahlen des SRF zeigen etwas ganz anderes: Die grosse Mehrheit schaut die Spiele im SRF, wenn der Match dort übertragen wird. Ich mag auch nicht alle deutschen Reporter. Die kochen auch nur mit Wasser. Und: Sie reden nicht wesentlich weniger.

Seit eineinhalb Jahren sind Sie nebst Ihrer Reportertätigkeit auch Medienchef des FC Wil. Wird Ihnen das nie zu viel?

Nein, ich mache beides mit Lust und Freude. Zu viel ist der falsche Ausdruck. Manchmal kommt zu viel gleichzeitig von beiden Jobs. Als ich im Dezember von einer Champions-League-Partie zurückkam, bemerkte ich, dass ich vergessen hatte, das Editorial der Matchzeitung des FC Wil zu schreiben. Um den Drucktermin nicht zu verpassen, musste ich mich gleich nach der Ankunft daran machen.

Haben Sie nie Mühe, zwischen diesen zwei Rollen zu hüpfen?

Überhaupt nicht. Meine Tätigkeit als Reporter hilft mir im Job als Medienchef. Ich weiss, was die Medien brauchen und wie sie funktionieren. Die beiden Rollen fliessen ineinander. Ich kann aber beide gut voneinander trennen.

Mit Matthias Hüppi ist ein Wegbegleiter beim SRF auch ins Fussballbusiness eingestiegen. Freut Sie das?

Für mich war das eine grosse Überraschung. Wir sehen uns auch heute noch viel. Innerlich muss ich immer ein wenig lächeln, wie wir uns entwickelt haben. Dass wir uns jetzt in einer völlig anderen Umgebung und mit anderen Arbeitsweisen und Funktionen wieder miteinander zu tun haben, ist witzig. Ich finde das belebend.

Im Sommer könnte es ja bald zum Derby in der Super League kommen?

Fangfrage! (überlegt). Wenn es dann so wäre, würde es mich sehr freuen, den Matthias und den Alain (Sutter, Sportchef des FC St. Gallen, ehemalige SRF-Fussballexperte) auf unserem Balkon zu begrüssen. Aber nein: Der Aufstieg ist kein Thema. Wir müssen weiter arbeiten, fleissig Punkte sammeln wie ein Eichhörnchen.

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