Fussball
Knapp 100'000 Franken für den FC Rorschach-Goldach: Der FC St.Gallen hat die «Hefti-Schuld» getilgt

Nach einigem Hin und Her hat der FC Rorschach-Goldach etwa 95'000 Franken für Silvan Heftis Wechsel zu den Young Boys erhalten.

Christian Brägger
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Silvan Heftis Wechsel von St.Gallen zu YB bescherte auch seinem Stammklub einen schönen Batzen.

Silvan Heftis Wechsel von St.Gallen zu YB bescherte auch seinem Stammklub einen schönen Batzen.

Bild: Anthony Anex / KEYSTONE

Ob gross oder klein, im Fussball hoffen die Vereine stets auf den Wurf. Darauf, dass sie sportlich erfolgreich sind, vielleicht auf das Cup-Los mit dem zugkräftigen Gegner, vor allem: Dass ein Spieler mit einem Transfer den nächsten Schritt macht – und er einen schönen Erlös generiert.

Diesen Geldsegen hat es nun für den FC Rorschach-Goldach gegeben, nach einigem Hin und Her dank Silvan Heftis Transfer vom FC St.Gallen zu den Young Boys. Die Geschichte war lange etwas vertrackt, doch in jedem Fall kam der Wechsel von Hefti einem Lottosechser gleich, in vielen Punkten, auch für den FC Rorschach-Goldach. Hefti selbst hat sportlich grossen Erfolg und ist nun Schweizer Meister, zudem ist er bei den Bernern bedeutend stärker im Schaufenster für das Ausland und die Nationalmannschaft.

Der Rechtsverteidiger soll dem Vernehmen nach den Vorzeigeklub der Schweiz 1,5 Millionen Franken gekostet haben, in etwa. Obwohl sich der FC St.Gallen gewiss einen grösseren Transferertrag erhoffte, doch war damals vor knapp acht Monaten ja die Pandemie bereits am Wüten.

Die spezielle Klausel in Heftis Vertrag

Als Hefti im Jahr 2012 für die Jugendabteilung des FC St.Gallen offiziell qualifiziert wurde, war er davor für ein paar Monate Junior des FC Goldach gewesen. Silvans Vater handelte zu jener Zeit mit Heinz Peischl, dem damaligen Sportchef St.Gallens, einen speziellen Vertrag aus, damit der Goldacher Stammklub von einem künftigen Wechsel bis zum 23. Geburtstag seines Sohnes einen Anteil von 7,5 Prozent erhalte.

Dieser ausserordentliche Vertrag ging nach der sogenannten Kombinationsfusion in den neu gegründeten Verein FC Rorschach-Goldach über, weshalb dessen Präsident Markus Hundsbichler nun am Zug war. Die Frage war nur, wie hoch der zu fordernde Betrag sein sollte, zumal der Klub vom Bodensee den Kontrakt zwischen Hefti, YB und St.Gallen nie zu Gesicht bekam und deshalb die Höhe der Rechnungsstellung nur schätzen konnte.

Erst als die PWC, die Revisionsstelle des FC St.Gallen, einen testierten Betrag nannte nach all den Abzügen für Provisionen und für die Berater, forderte der FC Rorschach-Goldach die zu zahlende Summe von etwa 95'000 Franken. Der FC St.Gallen hatte seinerseits ein Rechtsgutachten erstellen lassen, weil er nicht so viel Geld bezahlen wollte: Er hatte finanzielle Einbussen durch die Pandemie zu beklagen, und er war offenbar zudem der Meinung, Hefti sei zu wenige Monate lang im FC Goldach gewesen – womit die Verhältnismässigkeit zur Summe nicht gegeben sei.

St.Gallen wollte die Schuld mit Testspielen begleichen

St.Gallen wollte schliesslich lange nur einen Teil der Summe bezahlen, und den Rest mit drei bis vier Freundschaftsspielen auf der Sportanlage Kellen abgelten. Das wiederum passte dem FC Rorschach-Goldach nicht, die Partien hätten zusätzlichen Arbeitsaufwand für die Mitglieder verursacht, zudem hätte es womöglich Regenwetter während der Spiele gegeben, auch ein Sicherheitsdispositiv wäre nötig gewesen. Zudem ist da die Unsicherheit, wie sich die Pandemie entwickelt. Hundsbichler sagt:

«Bei Freundschaftsspielen legen wir doch am Ende des Tages drauf, sie ziehen je nach Gegner nicht mehr. Das ist vorbei.»

Auch pochte der FC Rorschach-Goldach auf die ganze Summe, weil er bei Silvan Heftis jüngerem Bruder Nias, der ebenfalls dieselbe Anteilsklausel im Vertrag gehabt hatte, der Meinung gewesen war, dessen Wechsel zu Thun für kolportierte 25'000 bis 30'000 Franken sei «verschenktes Geld» gewesen. Hundsbichler jedenfalls sagt: «Wir meinen, dass dieser Transfer nicht zu marktüblichen Preisen abgewickelt wurde. Entsprechend geringfügig fiel unser Anteil aus.»

Wie auch immer, bei Silvan Hefti war rechtlich Verhältnismässigkeit und keine Übermässigkeit gegeben, der Kontrakt rechtsgültig, und der FC St.Gallen bezahlte im März den geforderten Betrag von etwa 95'000 Franken. Hundsbichler sagt: «Wie es intern abgemacht worden war, ist St.Gallen seinen vertraglichen Verpflichtungen nachgekommen.» Der FC Rorschach-Goldach darf sogar noch auf einen Obolus hoffen, falls YB in der nächsten Saison Champions League oder Europa League spielen sollte. Dieser Zusatz ist aber nicht höher als 5000 Franken. An einem künftigen Weiterverkauf Heftis werden dann aber nur noch die St.Galler partizipieren.

Am 25. Oktober 2020 ist Hefti 23 Jahre alt geworden, so gesehen kam sein Wechsel zwei Monate zu spät aus St.Galler Sicht oder gerade noch rechtzeitig für den FC Rorschach-Goldach. Was wohl passiert wäre, hätte St.Gallen Hefti zuerst verliehen oder wäre er im vergangenen Sommer nach Auslaufen seines Vertrags verletzt ausgefallen? Jedenfalls sagt St.Gallens Präsident Matthias Hüppi: «Vertrag ist Vertrag, wir sind unserer Verpflichtung entsprechend nachgekommen.»

Der FC St.Gallen rechnet schon länger pauschal ab

Längst lassen sie in St.Gallen speziell ausgehandelte, persönliche Verträge mit Junioren, die von den Stammklubs oder den jeweiligen regionalen Teilverbänden zu ihnen in die Nachwuchsabteilung von Future Champs Ostschweiz wechseln, nicht mehr zu. Fortan müssen die Jungen einen Übertrittsvertrag unterschreiben, nach dem jegliche Forderungen erlöschen.

Schafft es der Junior später auf 15 Einsätze – mit mindestens 45 Minuten Spielzeit – mit der Super-League-Mannschaft des FC St.Gallen, werden einmal pauschal 4000 Franken fällig. Bringt er es auf weitere 15 Einsätze, sind nochmals 4000 Franken zu entrichten. Und falls der Junior dereinst 15 Partien mit dem FC Wil in der Challenge League absolviert, sind 2000 Franken geschuldet.

Fraglich ist, ob die Fifa-Regelungen für Ausbildungsentschädigungen, die St.Gallen dadurch explizit streicht, nach Schweizer Recht so tatsächlich ausgehebelt werden. Hundsbichler jedenfalls weigert sich derzeit, dass der FC Rorschach-Goldach solche Verträge seiner Junioren mit unterschreibt.