FUSSBALL: «Ich hoffe, O’Neill hat auch Glück»

Tommy Wright ist nordirischer Ex-Internationaler und vom selben Schlag wie der aktuelle Nationalcoach Michael O’Neill. Als Trainer hat der 54-Jährige einst das Europacup-Aus eines Schweizer Teams verantwortet – er sieht Parallelen in der Ausgangslage.

Daniel Wyrsch
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Der nordirische St.- Johnstone-Trainer Tommy Wright beim Training seines Teams in Luzern. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (16. Juli 2014))

Der nordirische St.- Johnstone-Trainer Tommy Wright beim Training seines Teams in Luzern. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (16. Juli 2014))

Daniel Wyrsch

Tommy Wright hat beeindruckt. Der heute 54-jährige Nordire ist in Erinnerung geblieben. Dieser bauernschlaue, knorrige Manager von St. Johnstone präsentierte sich im Spätsommer 2014 in der Europa-League-Qualifikation mit allen Wassern gewaschen. In dem für den FC Luzern ernüchternden Hinspiel (1:1) im eigenen Stadion verzögerte er mit einem dreisten Ballraub nicht nur einen schnellen Einwurf der Gastgeber, er war überhaupt der Herr über Taktik und Einstellung in diesem ungleichen Vergleich.

Der schlaue Fuchs organisierte seine «Brave Hearts» auch im Rückspiel im schottischen Perth richtig. Nach einem erneuten 1:1 setzte sich Wrights limitiertes Team im Penaltyschiessen durch. Für Luzern ist es bis heute das schmerzhafteste Ausscheiden in seiner generell bescheidenen Europacup-Geschichte.

Nordirische Parallelen mit dem technisch limitierten St. Johnstone

Tommy Wright findet den Vergleich zwischen der damaligen europäischen Affiche St. Johnstone – Luzern und den Playoffs Nordirland – Schweiz recht passend. Der 31-fache nordirische Nationaltorhüter sagt über die heutige Auswahl seines Heimatlandes: «Das Team ist gut organisiert, die Defensive steht kompakt, und das Mittelfeld weiss, was zu tun ist.» Die meisten Kadermitglieder der Nordiren sind bekanntlich in zweitklassigen englischen Clubs oder in Schottland engagiert – wie Torhüter Alan Mannus und Mittelfeldspieler Paul Paton, die immer noch unter Wright bei St. Johnstone spielen, aber morgen (20.45) im Hinspiel von Belfast und am Sonntag (18.00) im Rückspiel von Basel kaum eingesetzt werden.

Wright, ein stolzer Nordire, klärt auf, dass «das Nationalteam drei, vier Schlüsselspieler hat. Sie spielen in der Premiere League: Captain Steven Davis bei Southampton, Jonny Evans, Chris Brunt und Gareth McAuley bei West Bromwich Albion». Ausserdem zeichne die nordirische Mannschaft eine «unheimliche Heimstärke» im Belfaster Windsor Park aus. Diese kommt wie bei St. Johnstone unter Wright nicht dank Kreativität und genialem Kombinationsfussball zur Geltung, «sondern, weil jeder für den an­deren bis zum Umfallen rennt und kämpft», betont er. Aber natürlich weiss Wright, «dass die Schweizer ausnahmslos mit Spielern gegen uns antreten werden, die bei Clubs in den grossen europäischen Ligen unter Vertrag stehen». Auf einen Tipp hinauslassen will sich Tommy Wright nicht. «Wer gewinnt? Mein Herz und mein Kopf sagen mir unterschiedliche Dinge.» Der in der Kleinstadt Ballyclare, 21 Kilometer von der Hauptstadt Belfast, aufgewachsene Ex-Goalie von Newcastle United, Nottingham Forest und Manchester City würde sich natürlich von ganzem Herzen freuen, wenn sein Team erstmals seit 1982 und 1986 mit den damaligen Legenden Norman Whiteside und Pat Jennings wieder eine WM-Endrunde erreichen würde. Ganz besonders, weil sein einstiger Mitspieler Michael O’Neill (48) die Equipe seit sechs Jahren von Erfolg zu Erfolg führt. Bisheriger Höhepunkt war die EM 2016 in Frankreich. Beim irischen Topverein Shamrock Rovers arbeitete Wright früher als Goalietrainer unter O’Neill. Die beiden kennen sich bestens, wohnen nahe beieinander, denn O’Neill lebt ebenfalls in Schottland, in der Hauptstadt Edinburgh. Keine Frage, die zwei Landsleute und Trainer sind vom gleichen Schlag. «Wird Michael O’Neill die Nordiren auch so clever coachen wie Sie das vor drei Jahren gegen Luzern taten?» «Ich hoffe, Michael hat auch Glück wie ich damals», antwortet Wright. Die Einstellung, Bereitschaft und Organisation werden stimmen, ist Wright überzeugt.

Wright dementiert, bald O’Neills Nachfolger zu werden

Zu dem von britischen Boulevardjournalisten verbreiteten Gerücht, dass O’Neill bald die schottische Nationalmannschaft übernehmen und er wiederum dessen Nachfolger bei Nordirlands Team werden würde, meint Wright: «Da ist nichts dran. Michael O’Neill ist 100-prozentig fokussiert auf seinen Job, er will unbedingt die nächste Runde erreichen, also die WM nächsten Sommer in Russland.»

Auf die Frage, ob O’Neill bei den Menschen in der Heimat nicht unten durch sei, weil er wegen Trunkenheit am Steuer verurteilt wurde, meint Wright knapp: «Dazu äussere ich mich nicht.» Auch die Frage, was er davon halte, dass die zwei führenden Parteien in Nordirland seit März keine Regierung bilden konnten, lässt er unbeantwortet: «Über Politik spreche ich nicht.» Es ist spürbar, Wright ist in der Zeit des Nordirlandkonflikts gross geworden. Am Ende sagt er leise, dass er sich ein Angebot aus der Schweiz anhören würde. «Ein sehr schönes Land.» Falls Luzern einen neuen Coach suchen sollte, schmunzelt er, «könnten sie sich bei mir melden».