Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Fussball: Hannover im Selbstzerstörungs-Modus

Bei Hannover 96 geht es vor dem Abstiegsknaller am Sonntag (15.30) gegen Schalke drunter und drüber. Mittendrin: der Luzerner Pirmin Schwegler.
Carsten Meyer
Die Hannover-Fans mögen ihren Geldgeber nicht. (Bild: Thomas Starke/Getty, Hannover, 1. Dezember 2018)

Die Hannover-Fans mögen ihren Geldgeber nicht. (Bild: Thomas Starke/Getty, Hannover, 1. Dezember 2018)

Wahrscheinlich muss man sich Martin Kind, Geschäftsführer und Grossinvestor von Hannover 96, vorstellen wie einen riesigen, roten Luftballon. Und immer, wenn man ihn nur ein bisschen anpiekst, explodiert er. Man bekommt deshalb vielleicht auch eine Ahnung davon, wie morgens in den Redaktionsstuben vor Ort über das sportliche Aushängeschild der Stadt diskutiert wird. «Was wollen wir denn heute über 96 machen?» «Ach, ich ruf mal den Martin Kind an.»

Das ist meistens eine sehr erfolgversprechende und schlagzeilenträchtige Idee. Eine Erfahrung, die gerade erst wieder die Redaktoren der «Bild»-Zeitung machen durften. Wie das denn nun so sei mit der Zukunft von Trainer Thomas Doll, fragten sie Kind. Schliesslich hatte Manager Horst Heldt erklärt: «Ein Trainerwechsel ist komplett ausgeschlossen.» Zur Not gehe man mit Doll auch in die zweite Liga.

Sagen wir es so: In dieser Frage scheint es intern unterschiedliche Sichtweisen zu geben. Kind jedenfalls wollte nichts von einer Bestandsgarantie für Doll als 96-Trainer wissen: «Wir sollten das Spiel gegen Schalke und das Ergebnis abwarten.» Dann merkte Kind an, dass er nicht den Eindruck habe, dass Doll oder sein Vorgänger Andre Breitenreiter das Leistungspotenzial der Mannschaft ausgeschöpft hätten. Und zu guter Letzt zog er noch die wenig schmeichelhafte Parallele zur Amtszeit von Thomas Schaaf. Der ehemalige Bremer Meistercoach stattete dem Abstiegskampf 2016 einen kurzen Besuch in Hannover ab. Seine Bilanz: drei Monate, zehn Spiele, neun Niederlagen und zehn Punkte Rückstand auf den Barrageplatz. Kinds Befürchtung: «Leider scheint sich die Geschichte zu wiederholen.»

Ein Kompliment für Doll war das nicht. Dessen Leistungsnachweis liest sich tatsächlich ähnlich erschreckend: sieben Spiele, sechs Niederlagen. Die Partie gegen das ebenfalls taumelnde Schalke heute ist die vielleicht letzte Chance auf die Wende. Der Glaube daran ist allerdings nicht sonderlich ausgeprägt, dafür waren die jüngsten Darbietungen doch etwas zu gruselig.

Ein 0:5 im Testspiel gegen Bielefeld

Selbst ein eigentlich harmloser Testkick beim Zweitligisten Bielefeld am vergangenen Wochenende wurde zum formidablen Höllenritt für jeden 96-Fan. Hannover kam nach indiskutabler Vorstellung mit 0:5 unter die Räder, was Kind fast eine Art von Respekt abrang: «Die Leistung beim 1:5 in Stuttgart war schon desaströs. Dass die Leistung in Bielefeld noch schlechter war, ist schon aussergewöhnlich.» Da wollte nicht mal Doll widersprechen, der befand: «Das war beschämend für eine Bundesligamannschaft.»

So oder so ähnlich klingt der 52-Jährige allerdings schon seit seinem ersten Spiel gegen Leipzig (0:3). Quasi im Wochenrhythmus stellt er die Wettbewerbsfähigkeit seiner Mannschaft in Frage, was viele Beobachter mittelschwer irritiert zur Kenntnis nehmen: Schliesslich hätte Doll schon bei seiner Unterschrift ahnen können, dass er einen verunsicherten Abstiegskandidaten übernimmt – und nicht den FC Barcelona. Mittendrin in dem ganzen Schlamassel: der Luzerner Pirmin Schwegler, dessen persönliche Zukunft mit jeder Niederlage unsicherer zu werden scheint. Denn laut «Bild» gilt sein bis 2020 laufender Vertrag nur für die erste Liga.

Eiszeit zwischen den Fans und dem Investor

Die Dinge auf dem Platz stehen also schlimm. Abseits des Platzes aber fast noch schlimmer. Dort herrscht schon seit Jahren Eiszeit zwischen den Anhängern und Kind, die tonnenschwer auf dem ganzen Verein lastet. Geldgeber Kind will die Fussballsparte auch offiziell übernehmen, die Fans wollen genau das verhindern. Bei der Mitgliederversammlung am letzten Wochenende wurden alle fünf Kandidaten der fannahen Opposition in den fünfköpfigen Aufsichtsrat des Gesamtvereins gewählt, was Kinds Vorhaben nicht gerade erleichtert.

Martin Kind bleibt zwar vorerst Geschäftsführer der ausgegliederten Profifussball-Gesellschaft. Aber noch ist nicht sicher, in welche Richtung sich der Verein in Zukunft entwickeln wird. Das Problem: Ohne das Geld von Kind und seinen Mitgesellschaftern wird Bundesligafussball in Hannover kaum möglich sein. Keine Frage: Hannover 96 durchlebt aktuell schwere Zeiten. Nicht nur auf dem Platz

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.