Fussball gegen die Alltagssorgen

Die Kapverden qualifizierten sich zum ersten Mal für den Afrika-Cup und dürfen am Samstag um 18 Uhr das Eröffnungsspiel gegen Gastgeber Südafrika bestreiten. Die Euphorie im kleinen Inselstaat ist gross, doch Favoriten auf den Titel sind andere.

Markus Zahnd
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Ryan Mendes (Mitte) ist der kapverdische Hoffnungsträger. (Bild: epa/Juan Carlos Cardenas)

Ryan Mendes (Mitte) ist der kapverdische Hoffnungsträger. (Bild: epa/Juan Carlos Cardenas)

FUSSBALL. Zumindest für einige Stunden vergassen die Bewohner der Kapverden am 14. Oktober ihre Sorgen. Denn die meisten der 500 000 Einwohner des Inselstaates, der 1975 von Portugal unabhängig wurde, kämpfen im Alltag mit Strom- und Wassermangel, zudem beträgt die Arbeitslosigkeit über 40 Prozent. Am 14. Oktober aber jubelten die Menschen auf den Strassen – über eine Niederlage der Nationalmannschaft. Die Kapverden hatten gegen Kamerun 1:2 verloren, weil sie gegen Samuel Eto'o und dessen Kollegen aber das Hinspiel 2:0 gewonnen hatten, qualifizierte sich das Team erstmals für den Afrika-Cup, der am Samstag beginnt.

Es ist der bisher grösste sportliche Erfolg des Landes vor der Westküste Afrikas, in dem Fussball als Nationalsport gilt. Die Mannschaft rückte in der Weltrangliste auf Platz 51 vor und war damit so gut klassiert wie noch nie. Und der Verband, der 1982 gegründet wurde, liess sich die Qualifikation auch etwas kosten. Jeder Spieler erhielt eine Prämie von umgerechnet rund 1800 Euro – der durchschnittliche Verdienst auf den neun Inseln liegt bei jährlich rund 3000 Euro.

Nani und Henrik Larsson

Ausserhalb der Inseln wurde der Erfolg zwar wahrgenommen, bekannter wurden die Spieler jedoch nicht. Ein grosser Teil der Mannschaft verdient sein Geld in Portugal, allerdings vorwiegend in der zweithöchsten Liga. Dabei hätte es die Möglichkeit nach bekannteren Namen durchaus gegeben: Portugals Nani wurde in der kapverdischen Hauptstadt Praia geboren, zudem ist der Vater des Schweden Henrik Larsson von den Kapverden. Beide entschieden sich jedoch nicht für die kapverdische Nationalmannschaft. Daher ist Ryan Mendes aktuell der bekannteste Spieler des Teams. Der 23jährige Offensivspieler wuchs auf der Insel Fogo auf und spielte drei Jahre in der französischen Ligue 2 für Le Havre. Im Sommer wechselte er zu Lille in die Ligue 1. Der Start ist ihm auch wegen einer Verletzung nicht vollends geglückt, doch unterdessen hat er sich gut eingefügt.

Vorerst steht für Mendes aber der Afrika-Cup im Vordergrund. «Die Qualifikation war ein grosser Moment für unsere Nation. Ich habe das Land noch nie in einem so euphorischen Zustand gesehen», so der zehnfache Nationalspieler. Mit übertriebenen Hoffnungen reist er indes nicht nach Südafrika, wo die Kapverden das Turnier am Samstag gegen den Gastgeber eröffnen werden: «Wir fahren ohne Druck dahin und freuen uns, dabei zu sein. Und wir werden versuchen, unser Bestes zu geben. Aber unsere Gruppe ist stark, Angola, Marokko und Südafrika sind grosse Namen im afrikanischen Fussball.»

Titelverteidiger als Aussenseiter

Tatsächlich gilt vor allem Südafrika als Mitfavorit, der allerdings gehörig unter Druck steht. Als erster Titelanwärter der 16 Teilnehmer startet daher erneut die Elfenbeinküste um den ehemaligen Chelsea-Stürmer Didier Drogba ins Turnier, das neu in den ungeraden Jahren stattfindet. Als dritter ernsthafter Sieganwärter wird Ghana gehandelt. Eher Aussenseiterchancen werden Titelverteidiger Sambia eingeräumt.

Vielleicht ist aber gerade Sambia ein Hoffnungsschimmer für die Kapverden. Schliesslich gewann die Mannschaft des Franzosen Hervé Renard 2012 überraschend die afrikanische Kontinentalmeisterschaft. Damals, am 12. Februar, vergassen die Bewohner Sambias ihre Alltagssorgen.

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