Fussball-Europa ist sich einig: Die Verschiebung der EM ist alternativlos

Von Vladimir Petkovic über Joachim Löw zu Franco Foda – alle Nationalcoaches begrüssen die Durchführung des Turniers in einem Jahr.

Markus Brütsch
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Gerade im Fussball ist es bisher oft so gewesen: Anzahl Stimmen = Anzahl Meinungen. Bei der Frage, ob die EM 2020 wegen des Corona-Virus verschoben werden müsse, gab es allerdings nicht mal zwei Meinungen. «Die Uefa sitzt am Steuer einer Sportart, die von gigantisch vielen Menschen geliebt und ausgeübt wird und jetzt durch einen unsichtbaren und sich schnell ausbreitenden Gegner gestoppt worden ist», sagte Präsident Aleksander Ceferin. «Die Gesundheit der Fans, Spieler und Staffs hat oberste Priorität und die Uefa hat mit ihrem Entscheid, die EM um ein Jahr zu verschieben, ihre Verantwortung dafür übernommen», sagte der Slowene.

Um dann noch beizufügen, als ob er eine Wahl gehabt hätte, der europäische Verband habe in diesem Prozess das grösste Opfer erbracht. «Die Verschiebung ist mit enormen Kosten verbunden. Aber wir werden alles dafür tun, dass die Finanzierung des Breiten- und Frauenfussballs sichergestellt und die Entwicklung des Spiels in unseren 55 Ländern nicht beeinträchtigt wird.» Ceferin bedankte sich ausdrücklich auch bei Fifa-Präsident Gianni Infantino. Dieser hätte im nächsten Sommer nur allzu gerne sein Steckenpferd, die neue Klub-WM, aus der Taufe gehoben und muss für diese nun eine andere Lösung suchen. Die Fifa habe sich kooperativ gezeigt, sagte Ceferin.

Petkovic: Im nächsten Jahr in ganz Europa ein Fussballfest feiern

Der Schweizer Nationalcoach Vladimir Petkovic sagte, dass die Bekämpfung des Corona-Virus die höchste Priorität habe und die Verschiebung der EM vernünftig und richtig sei. «Eine professionelle sportliche Vorbereitung wäre unter diesen Umständen nicht möglich gewesen. Ich wünsche mir, dass wir uns ab September mit Spielen in der Nations League auf die EM 2021 vorbereiten und wir dann in ganz Europa ein Fussballfest feiern können.»

Vladimir Petkovic: Die Bekämpfung des Virus hat oberste Priorität.

Vladimir Petkovic: Die Bekämpfung des Virus hat oberste Priorität.

Keystone

Für Claudius Schäfer stand naturgemäss ein anderer Aspekt im Vordergrund. Gemäss des CEO der Swiss Football League verschafft die neue Situation dem Schweizer Fussball Luft und Flexibilität, um die verschobenen Runden in der Meisterschaft und im Schweizer Cup nachzuholen. «Dieser Entscheid war Voraussetzung dafür, dass überhaupt Szenarien für Spieltermine im Juni entwickelt werden können und eine Weiterführung der Saison terminlich möglich bleibt», sagte Schäfer.

Löw: Auch der Fussball muss Gesundheit und Leben schützen

Der deutsche Bundestrainer Jogi Löw sagte, die EM-Verschiebung sei alternativlos gewesen. Zwar lebe jeder seiner Spieler für diese grossen Spiele und Turniere, die ein Land, einen Kontinent und bei Weltmeisterschaften die ganze Welt begeistern würden. «Aber wir alle müssen die Gesundheit und das Leben von Menschen schützen. Das gilt selbstverständlich auch für den Fussball», sagte Löw.

Österreichs Teamchef Franco Foda liess keine Zweifel offen, dass es Wichtigeres gebe, als Fussball oder eine EM. «Jetzt gilt es, das Virus einzudämmen, damit wir in naher Zukunft wieder gemeinsam positiv nach vorne schauen können», sagte der 53-Jährige. Und vergass nicht, ein grosses Lob und Dankeschön auszusprechen. «An dieser Stelle möchte ich auch den Frauen und Männern danken, die rund um die Uhr im Einsatz sind – seien es Ärztinnen und Ärzte, Einsatz- und Pflegekräfte oder die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäfte, die uns versorgen. Was sie leisten, ist herausragend», sagte Foda.