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FUSSBALL: "Es wird wieder investiert"

Der Rumäne Ionel Gane wurde mit dem FC St. Gallen 2000 Meister. Der 44-Jährige vor dem EM-Spiel gegen die Schweiz über Aufbruchstimmung und die WM 1994.
Patricia Loher
«In St. Gallen hatte ich als Fussballspieler die beste Zeit meines Lebens»: Ionel Gane, hier im Jahr 2002 im Espenmoos. (Bild: Hannes Thalmann)

«In St. Gallen hatte ich als Fussballspieler die beste Zeit meines Lebens»: Ionel Gane, hier im Jahr 2002 im Espenmoos. (Bild: Hannes Thalmann)

Herr Gane, was erzählen Sie Ihren Landsleuten über den Schweizer Fussball?

Ionel Gane: Mit Stephan Lichtsteiner habe ich 2004 bei den Grasshoppers gespielt. Ich weiss um seine Qualitäten. Die Schweiz verfügt über einige gute Spieler, die Mannschaft hat sich entwickelt. Das erkennt man alleine schon daran, dass die Schweizer in den vergangenen Jahren mit Ausnahme der EM 2012 immer an Grossanlässen dabei waren. Im Gegensatz zu Rumänien: Es hat acht Jahre gedauert, bis wir uns wieder einmal für ein grosses Turnier qualifizieren konnten.

Vor welchen Schweizer Spielern müssen sich die Rumänen in acht nehmen?

Gane: Yann Sommer hat gegen Albanien eine überragende Leistung abgeliefert. Das dürften die Rumänen zur Kenntnis genommen haben. Der beste Schweizer Spieler ist Xherdan Shaqiri. Auf ihn muss Rumänien aufpassen – vor allem, wenn die Schweiz die Möglichkeit hat, zu kontern. Shaqiri ist schnell, erfahren und verfügt über einen guten letzten Pass. Haris Seferovic hat gegen Albanien einige Chancen ausgelassen, das wird er nun besser machen wollen. Und Breel Embolo gehört auch zu jenen, die eine Partie entscheiden können.

Wenn Sie den Schweizern einen Tip geben müssten: Wer ist der beste Rumäne?

Gane: Rumänien hat im Moment keine Spieler, wie es früher Gheorghe Hagi oder Adrian Mutu waren. Die Mannschaft lebt von ihrer Geschlossenheit. Rumänien stellt ein starkes Team ohne individuelle Ausnahmekönner. Die Mannschaft ist gut organisiert und verfügt über eine starke Defensive. Keines der 53 Teams in der EM-Qualifikation hat weniger Tore erhalten als Rumänien. Einer unserer Hoffnungsträger ist der 23jährige Nicolae Stanciu. Er ist unsere Nummer zehn und spielt für Steaua Bukarest. In Rumänien hoffen wir, dass er ein Grosser wird.

Rumänien ist mit wenig Vorschusslorbeeren nach Frankreich gereist. Sind die Rumänen nach der guten Leistung gegen Frankreich nun etwas optimistischer?

Gane: Die Stimmung im Land ist gut. Am Freitag haben uns nur ein paar wenige Minuten gefehlt, um gegen Frankreich einen Punkt zu holen. Für das Spiel gegen die Schweiz sind wir optimistisch. Natürlich, die Mannschaft muss nun mehr investieren. Sie muss punkten. Mit einem Zähler sind wir zufrieden. Ich nehme an, die Schweiz könnte mit einem Unentschieden auch gut leben. Nur, danach müssen wir gegen Albanien gewinnen. Frankreich wird wohl Gruppenerster, die Schweiz und Rumänien kommen aber auch weiter.

Nach fünf Jahren in St. Gallen und bei den Grasshoppers schlägt Ihr Herz also auch noch immer ein bisschen für die Schweiz?

Gane: Natürlich. In St. Gallen hatte ich als Fussballspieler die beste Zeit meines Lebens. Aber ich bin Rumäne. Mein Herz schlägt primär für die rumänische Nationalmannschaft.

Rumäniens Trainer Anghel Iordanescu steht vielerorts in der Kritik. Sein Spielstil sei zu defensiv, der Mannschaft fehle es an kreativen Ideen. Was sagen Sie dazu?

Gane: Anghel Iordanescu trainierte Rumänien bereits mit den Stars Gheorghe Hagi, Ilie Dumitrescu oder Gheorghe Popescu. Jetzt haben wir ein weniger offensiv ausgerichtetes Team. Der Trainer weiss, was seine Spieler können. Er hat sein System seiner Mannschaft angepasst. In den vergangenen Jahren wurde in der Schweiz viel in die Jugendarbeit investiert. In dieser Hinsicht hat Rumänien nichts gemacht. So war es unmöglich, eine neue goldene Generation, wie es diejenige um Hagi war, hervorzubringen. Es kamen zwar noch Mutu und Cristian Chivu, doch in der Breite fehlte stets die Qualität. Aber es wurde erkannt, was verpasst wurde. In Rumänien entstehen nun Nachwuchsakademien, es wird wieder Geld in die Nachwuchsförderung investiert.

Nach den glanzvollen 1990er-Jahren fehlte es in Rumänien also vor allem an Geld, um den Fussball weiterzuentwickeln?

Gane: Genau. Schon im Clubfussball sieht man, wie sehr sich andere Länder entwickelten und Rumänien nicht. In der Schweiz qualifiziert sich Basel zum Beispiel regelmässig für die Champions League oder kommt weit in der Europa League. Das ist für Spieler eine Bühne, um den Sprung in eine der grossen europäischen Ligen zu schaffen. In der vergangenen Saison erreichte kein rumänischer Verein in der Champions League oder Europa League die Gruppenphase. Nun ist es das erstemal seit acht Jahren, dass wir uns wieder für eine EM qualifizierten. Es ist wichtig, dass wir eine gute Figur abgeben. Rumänien muss wieder regelmässig an grossen Turnieren dabei sein.

Erinnern Sie sich an Rumäniens 1:4-Niederlage an der WM 1994 in den USA gegen die Schweiz?

Gane: Ich kam in jener WM-Qualifikation sechs Mal zum Einsatz. Es war die Zeit von Hagi oder Marius Lacatus. Ich war jung und glücklich, dass ich diese Erfahrung mit diesen Spielern machen durfte. An der WM war ich dann nicht dabei. Trotzdem kann ich mich an das Spiel gegen die Schweiz erinnern. Aber ich will mich nicht erinnern (lacht). Wir kamen schliesslich trotzdem weiter und erreichten dank eines Sieges gegen Argentinien die Viertelfinals. Es war der bis anhin grösste Erfolg eines rumänisches Nationalteams.

Bild: PATRICIA LOHER

Bild: PATRICIA LOHER

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