FUSSBALL: Drei Bedingungen von Petkovic

Warum weilen die Schweizer ab heute eigentlich im Süden in Montpellier, wenn sie ihre EM-Spiele im Norden Frankreichs austragen? Und warum ist es so leicht, auf das Spielfeld im Stadion von Montpellier zu gelangen?

Andreas Ineichen/Montpellier
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Der Schweizer Jungstar Denis Zakaria während des gestrigen Trainings in Montpellier. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

Der Schweizer Jungstar Denis Zakaria während des gestrigen Trainings in Montpellier. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

FUSSBALL. Es ist kurz nach zehn Uhr morgens, als der Sicherheitschef des Schweizer Fussballverbandes SFV seinen Augen nicht traut. Der braun gebrannte, schlanke und um die 50 Jahre alte Mann steht auf dem Spielfeld im Stade de la Mosson zu Montpellier und bespricht die Abläufe im Sicherheitsdispositiv mit seinen französischen Partnern. Schliesslich steht später an diesem Montag das erste Training der Schweizer in Frankreich für die EM an. Just in diesem Moment erblickt er zwei Journalisten, die über den Spielereingang kommend das Rund des Stadions betreten. «Das glaube ich jetzt nicht», vibriert er und fragt erstaunt: «Was macht ihr denn hier?»

Erst da wird dem Chronisten und seinem Journalistenkollegen bewusst, dass uns offensichtlich völlig unbeabsichtigt etwas gelungen ist, was nie hätte passieren dürfen. Wir hatten alle Sicherheitskontrollen überwunden, ohne je gefragt zu werden, wer wir überhaupt seien. Selbst das Auto hatten wir gleich bei der nur für die Mannschaft reservierten Zufahrt im Rücken des Stadions parkiert und sind auf dem Weg zum Spielfeld an Garderoben und Büros vorbeigelaufen. «Wir wollten bloss unsere Akkreditierung abholen», beteuerten wir mit einem unschuldigen Lächeln.

Lange Anreise zu EM-Spielen

Gekriegt haben wir sie nicht, erst am Abend, aber wir haben dem Schweizer Team unplanmässig aufgezeigt, wie gross die Lücken im Sicherheitsdispositiv am Tag der Ankunft des Schweizer Nationalteams noch gewesen sind. Freundlich, aber bestimmt wurden wir eine Weile später aus dem im Süden Frankreichs liegenden Stadion hinauskomplimentiert, das in der abgelaufenen Ligue-1-Saison zur fussballerischen Heimat des früheren St. Gallen-Spielers Sébastien Wüthrich geworden ist.

Das Stadion führt unweigerlich zur Frage: Was machen die Schweizer, die ihre Spiele in Paris und noch weiter im Norden Frankreichs austragen, überhaupt in Montpellier?

Philipp Ebneter, Organisator im Schweizer Verband, antwortet so: «Der Coach setzte uns drei vorrangige Bedingungen: Erstens wollte er ein Hotel haben, das ausschliesslich vom Schweizer Nationalteam und seinen Betreuern belegt werden wird. Zweitens wollte er die Möglichkeit haben, die Trainings in einem Stadion absolvieren zu können. Und drittens sollte das Stadion nicht mehr als zehn Autominuten vom Hotel entfernt sein.»

Nachdem die Schweiz als Vierte in die Gruppe A gelost wurde und deshalb ihre Spiele vor allem im bis zu 1000 Kilometer von Montpellier entfernten Norden – am Samstag um 15 Uhr gegen Albanien in Lens und gegen den Gastgeber in Lille am übernächsten Sonntag – von Frankreich austragen muss, habe man die ursprüngliche Wahl des Teamhotels schon nochmals überdacht. Aber nirgendwo sonst in Frankreich würden Vladimir Petkovics Vorgaben so gut erfüllt werden wie in Montpellier, sagt Ebneter und ergänzt: «Zudem sind die Zimmer in den Hotels in Frankreich für gewöhnlich ziemlich klein. In unserem Teamhotel haben sie eine anständige Grösse, und das wirkt sich angesichts eines Turniers, das mit Vorbereitungszeit maximal fünf Wochen dauern kann, für die Spieler und Trainer sicher nicht nachteilig aus.» Darüber hinaus, so erwähnt er, biete das Stade de la Mosson einer der besten Rasenplätze überhaupt. Für einen EM-Teilnehmer ist das ein nicht zu unterschätzendes Kriterium bei der Wahl eines EM-Basislagers.

In Montpellier haben sie offensichtlich eine ziemlich klare Vorstellung davon, für was die Schweiz steht – das hat ein Augenschein vor Ort deutlich gemacht.

Holzkühe ums Teamhotel

Rund um das Vichy-Golfresort, das an einen ziemlich idyllisch anmutenden Golfplatz am Rande der gut 400 000 Einwohner zählenden Stadt gebaut wurde, haben sie schön verzierte Holzkühe aufgestellt. Das soll keineswegs eine Anspielung auf die fussballerische Klasse des EM-Gastes sein, nein, es soll für die Zeit des Aufenthaltes heimatliche Gefühle auslösen. Zumal die Nobelherberge und deren Umgebung seit der Ankunft des Nationalteams zu einer Hochsicherheitszone gemacht wurde.

Spätestens am 13. Juli, falls es Petkovic und seine Mannen in den EM-Final geschafft haben sollten, wird das mit einem Spa ausgestattete Hotel andere prominente Sportler aufnehmen. Rad-Teams, die an der Tour de France vom 2. bis 24. Juli starten werden, wollen in diesem Hotel ihre Basis einrichten.

Bild: ANDREAS INEICHEN/MONTPELLIER

Bild: ANDREAS INEICHEN/MONTPELLIER

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