FUSSBALL: Die zwei Gesichter des FC Basel

Mit der Heimniederlage gegen ZSKA Moskau erlitt der FC Basel in der Champions League einen Dämpfer. Die 90 Minuten zeigten: Basel bewegt sich auf einem schmalen Grat, der Entwicklungsprozess ist noch lange nicht abgeschlossen.

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Wie gut ist dieser FC Basel? Nach wie vor lässt sich diese Frage nicht schlüssig beantworten. Beim 5:0 gegen Benfica und beim 2:0 in Moskau spielte Basel grossartig. Am anderen Ende der Skala stehen Niederlagen gegen Lausanne und St. Gallen in der Meisterschaft. Man kann nach rund einem Drittel der Saison bilanzieren, dass Basel Potenzial, aber auch noch einen Entwicklungsprozess vor sich hat, um sich auf hohem Niveau zu stabilisieren.

Gegen ZSKA Moskau zeigten die Basler in 90 Minuten beide Gesichter. Die überzeugende erste Halbzeit kontrastiert mit den zweiten 45 Minuten, in denen sich die Fehler häuften, in denen sich die Mannschaft vom Gegner einschnüren liess und keine Auswege mehr fand. Warum die Leistungen dermassen schwanken, kann sich Trainer Raphael Wicky nicht erklären. «Fussball ist nicht immer logisch», sagte er auf die Frage. Als Gründe für die Negativbeispiele nannte er «fehlende Konstanz», «zu wenig Effizienz» und «zu viele Fehler».

Dsagojews Comeback und Gontscharenkos Gespür

Natürlich trug Alan Dsagojew am Dienstagabend mit seinem furiosen Comeback wesentlich zum Ausgang bei. Der von einer Verletzung zurückgekehrte Edeltechniker benötigte nach seiner Einwechslung zur Pause keine Anlaufzeit. Ihn bekamen die Basler nicht in den Griff. Das 1:1 erzielte Dsagojew mit einem feinen Chip selber, vor dem zweiten Treffer provozierte er den missglückten Klärungsversuch von Marek Suchy. Wicky sah, wie sich Dsagojew «gut zwischen den Räumen bewegte». Luca Zuffi befand: «Er riss das Spiel komplett an sich.»

Natürlich machte auch ZSKA-Trainer Viktor Gontscharenko alles richtig. Dass er den stämmigen Wernbloom, der mehr noch als Dsagojew als Schlüsselspieler gilt, zur Pause vom defensiven Mittelfeld ins Sturmzentrum beorderte, erwies sich als goldrichtig. Ebenso der Entschluss, den wegen seines launischen Verhaltens polarisierenden Dsagojew nach über einem Monat ohne Matchpraxis ins Spiel zu bringen.

Der eine Fehler zu viel von Suchy

Das allein führte aber nicht zum Umschwung. Dazu trug Basel mit seinem Leistungsabfall nach Zuffis sehenswertem Führungstreffer selber bei. Der Gegner fand nun Räume vor, und plötzlich machten die Spieler jene Fehler, die laut Wicky «auf diesem Niveau bestraft werden», wobei Marek Suchy «der eine Fehler zu viel» unterlief. Die Enttäuschung über die verpasste Chance war logischerweise gross. Die Basler erinnerten aber daran, dass noch nichts verloren ist. «Wir dürfen nicht vergessen, dass wir immer noch gute Chancen auf den zweiten Platz haben. Wer von uns in den letzten beiden Spielen mehr Punkte holt, ist weiter», rechnete Zuffi vor. Zudem hat Basel bei Punktgleichheit mit den Moskauern die Nase vorne und überwintert er so gut wie sicher europäisch, weil das Schlusslicht Benfica Lissabon nur noch theoretisch Chancen hat. (sda)