FUSSBALL: Der verkannte Abwehrturm

Mit Panionios Athen spielte Sawwas Exouzidis einst im Uefa-Cup. Nun ist der 35-jährige Deutschgrieche Spielertrainer beim FC Frauenfeld. Die Feuertaufe findet heute Abend im Derby gegen Kreuzlingen statt.

Matthias Hafen
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Sawwas Exouzidis’ Karriere verlief nicht wie geplant. Im Training mit dem FC Frauenfeld ist der frühere Profi gleichwohl mit vollem Engagement dabei. (Bild: Andrea Stalder)

Sawwas Exouzidis’ Karriere verlief nicht wie geplant. Im Training mit dem FC Frauenfeld ist der frühere Profi gleichwohl mit vollem Engagement dabei. (Bild: Andrea Stalder)

Matthias Hafen

matthias.hafen@thurgauerzeitung.ch

Sawwas Exouzidis hätte Fussballmillionär werden können. Die Voraussetzungen waren da. Er könnte heute ein aufgeblasener, selbstgefälliger Typ sein, wie es im Profigeschäft so manche gibt. Doch der Deutschgrieche blieb bodenständig, realistisch, sympathisch. «Weil ich den Fussball auch von seiner schlechten Seite kennen gelernt habe», sagt der 35-Jährige. Seine Frau und seine drei Kinder sind ihm mittlerweile viel wichtiger. Der Fussball ist zur Nebensache geworden.

Der neue Spielertrainer des FC Frauenfeld gehört zu jenen, die zwischen Stuhl und Bank gefallen sind. Er hat akzeptiert, dass ihm die grosse Karriere verwehrt geblieben ist. Manchmal aber holt ihn der Schmerz ein. Etwa dann, wenn im Fernsehen Spiele der englischen, spanischen oder deutschen Profiliga laufen. «Man macht sich dann schon Gedanken, wie es wohl gewesen wäre», sagt Exouzidis. Deshalb schaut er praktisch keinen Auslandfussball im Fernsehen.

Der Champions League einst ganz nah

Seine Profilaufbahn begann in frühen Jahren in Zypern und Griechenland. Verletzungen warfen ihn aber immer wieder zurück. Einmal sei er kurz vor dem Wechsel zu Olympiakos Piräus gestanden, wie er sagt, ein anderes Mal zu Panathinaikos Athen – beides Champions-League-Teilnehmer. Doch stets kam der nächste körperliche Rückschlag. «Können hätte ich reichlich gehabt», sagt der grossgewachsene Defensivspieler und unterstreicht das mit einer statistischen Tatsache. Egal, wo er unter Vertrag stand: Exouzidis war selten bis nie auf der Ersatzbank. «Wenn ich nicht verletzt war, habe ich gespielt.» Nachdem mehrere seiner Arbeitgeber in Griechenland in Konkurs gegangen waren, knüpfte der in Stuttgart geborene Exouzidis Kontakte zum FC Winterthur, wo 2011 seine Schweizer Zeit begann. Auch von dort hätte er beinahe den Sprung ins grosse Geschäft geschafft. Doch der Transfer zu den Grasshoppers scheiterte an der nächsten Verletzung. So führte sein Weg via Wohlen zu United Zürich in die 2.Liga interregional, wo er erstmals auch coachte.

Mit den Zürchern stieg Exouzidis bis in die Promotion League auf. Etwas, das beim FC Frauenfeld so schnell wohl nicht möglich sein wird. «Dazu fehlen im Verein die Strukturen», sagt der in Winterthur wohnhafte Spielertrainer, der sein Geld mittlerweile als Disponent einer Container-Reinigungsfirma verdient. Zudem seien beim FC Frauenfeld die Ambitionen nicht in gleichem Mass vorhanden. «Vorne mitspielen» heisst das vage Saisonziel.

Erster Schock im Amateurbetrieb

Den ersten Schock hat der frühere Profi schon verdaut. Als in der Ferienzeit nur zwölf anstatt der erwarteten 20 Spieler im Training waren, traute Exouzidis seinen Augen nicht. Doch die Erfahrung habe ihn gelehrt, dass ein Team auch so funktionieren könne, wenn die Chemie stimmt. «Aber Saisonvorbereitung kann man die Zeit im Sommer nicht nennen.»

Spass ist dem impulsiven Griechen wichtig. «Fussball wird oft zu ernst genommen», sagt er. Dabei sei ohne Freude keine Höchstleistung möglich. Gleichzeitig mahnt er seine Mannschaft zur Disziplin und dazu, möglichst einfach zu spielen. Zumindest nur das, was sie könne. «Fussball ist nicht für alle Barcelona.»

Seine Rolle sieht Exouzidis noch primär auf dem Feld. «Aber wenn ich irgendwann als Trainer weiterkommen möchte, dann muss ich als Spieler ganz aufhören. Dessen bin ich mir bewusst.»

Saisonauftakt 2. Liga inter

Heute, 20.15 Uhr: Frauenfeld – Kreuzlingen (Kleine Allmend).