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FUSSBALL: Das gekränkte Ego von Shaqiri

Xherdan Shaqiri verlangt nach Anerkennung - vom Trainer und vom Publikum. Darum kokettiert der Regisseur der Schweizer Mannschaft vor dem zweiten EM-Spiel heute um 18 Uhr gegen Rumänien mit einem Nationenwechsel.
Andreas Ineichen/Montpellier
Bild: ANDREAS INEICHEN/MONTPELLIER

Bild: ANDREAS INEICHEN/MONTPELLIER

FUSSBALL. Im ersten Stock des Stade de la Mosson zu Montpellier hängt ein Bild in einer Loge, das einen ehemaligen, exzentrischen Präsidenten von Olympique Marseille zeigt. Für den Hausfotografen hat er sich im Garderobengang mit einer weiteren Person in Pose geworfen. Darunter sitzt Xherdan Shaqiri, der bedeutendste und treffsicherste Offensivspieler im Schweizer EM-Aufgebot. Der Mann, der kurz nach Bekanntgabe des neuen Schweizer Captain-Teams mit Stephan Lichtsteiner, Valon Behrami und Granit Xhaka seiner Unzufriedenheit darüber freien Lauf liess. Er vermisste seinen eigenen Namen. Das war im Mai, vor dem Trainingslager in Lugano. Seither ist praktisch ein Monat vergangen, die Schweiz hat den politisch brisanten Vergleich mit Albanien für sich entschieden, und Shaqiri scheint die Tatsache, dass er nicht zum Captain-Team von Vladimir Petkovic gehört, wie ein Dorn im Fleisch zu sitzen. Zweimal lenkt er das Gespräch auf dieses Thema.

Beim ersten Mal lautet die Frage: Was möchten Sie persönlich bei einem grossen Turnier erreichen? Shaqiris Antwort: «Bester Torschütze zu werden, ist ein Ziel. Captain zu sein auch. Die meisten Spiele zu haben.» Auf eine entsprechende Nachfrage gibt er zu: «Ja, Anerkennung ist mir wichtig.»

Beim zweiten Mal drehte sich die Frage um die Möglichkeit, dass Shaqiri vielleicht die Chance zu einem Nationenwechsel erhält und künftig für den Kosovo spielen könnte. Andere Doppelbürger mit gleichem Migrationshintergrund wie Granit Xhaka oder Valon Behrami hatten sich, als sie sich durch eine «Blick»-Kampagne abermals zu einem Bekenntnis genötigt sahen, für die Schweiz ausgesprochen. Shaqiri setzte zu einer Gegenfrage an: «Wenn der Kosovo-Trainer Sie anrufen und sagen würde, dass Sie sein Captain sind – was würden Sie tun?» Im nächsten Atemzug gab er die Antwort gleich selber: «Ich bin da geboren. Wenn die Möglichkeit zu einem Wechsel besteht, werde ich mir das anschauen.»

«Gebe alles für die Schweiz»

Es gibt Anzeichen dafür, dass Shaqiri bloss sein gekränktes Ego zur Schau trägt, weil Petkovic ihn nicht darüber unterrichtet haben soll, warum Xhaka nach der Nichtnominierung von Gökhan Inler, dem bisherigen Spielführer der Schweiz, ins Captain-Team aufsteigt und nicht er. Denn Shaqiri sagt auch: «Ich habe immer alles für die Schweiz gegeben und werde das auch in Zukunft tun. Ich verstehe die Leute nicht, die nur noch darüber reden, ob ich bei der Schweiz bleibe. Was ich für die Schweiz geleistet habe, dazu wären nicht viele imstande.»

Weil Shaqiri dem Thema eines möglichen Nationenwechsels aus freien Stücken neue Nahrung verliehen hat, ist es ein gefährliches Spiel, das er treibt. Für sein eigenes Image und das Ansehen der Doppelbürger im Nationalteam. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass die namhaften Schweizer Spieler ihr Geld vor allem mit gut dotierten Sponsoring-Verträgen machen, wird es sich Shaqiri wohl doppelt überlegen, ob es sich für ihn wirklich auszahlt, wenn er die kaufkräftige Schweiz für den Kosovo verlässt.

Traum vom Titelgewinn

Aber das ist Zukunftsmusik. Den spielerischen Klanggenuss müssen Shaqiri und seine Teamkollegen heute um 18 Uhr im Pariser Prinzenpark gegen Rumänien zustande bringen. Bereits ein Unentschieden könnte für den Einzug in die EM-Achtelfinals reichen, mit einem weiteren Vollerfolg geht es am Sonntag gegen Frankreich um den Gruppensieg.

Der Gewinn eines grossen Titels sei ein Traum, durchaus ein legitimer, sagt Shaqiri. «Aber wir müssen auf dem Boden bleiben. Wir sind die Schweiz, ein kleines Land, das an diesem Turnier aber zu einer Überraschung werden kann.» Doch zuerst, betont er, müssten sie die Gruppenphase überstehen.

Shaqiri hat – wie einige seiner Teamkollegen auch – trotz des 1:0 gegen zehn Albaner kein gutes Spiel gezeigt. «Ich war nervös», sagt er, «dabei glaubte ich, ich sei cool. Aber mit dem Corner habe ich zumindest zum Siegtor beigetragen.»

Schweiz gewinnt wichtige Spiele

Es ist eine Qualität der Schweizer Auswahl, dass sie zuletzt sechsmal in Folge ein entscheidendes, weil wegweisendes, Spiel gewonnen hat. Vor Albanien war es das 3:2 gegen Slowenien, das 2:1 in Litauen, das 2:1 gegen Ecuador, das 3:0 gegen Honduras und das 2:0 in Norwegen. Deshalb bezeichnete Petkovic seine Auswahl schon als «Wettkampfteam». Shaqiri ist sich sicher, dass die Schweiz eine gewisse Substanz habe. «Fussballerisch haben wir eine enorme Qualität, wir können uns mit allen messen, das haben wir an der WM 2014 gegen Argentinien unter Beweis gestellt.» Damals verlor die Schweiz im Achtelfinal erst nach Verlängerung 0:1.

Shaqiri glaubt, dass diese Qualität viel mit den Erfolgen der Junioren-Nationalteams zu tun hat. «Mit dem WM-Titel der U17 vor sieben Jahren zwar weniger», hält er fest, der damals nicht dabei war. «Vor allem aber mit der Finalteilnahme an der U21-EM 2011 gegen Spanien. Das war näher am Männerfussball.» Damals gehörte Shaqiri zum All-Star-Team des Turniers.

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