FUSSBALL: Bis zur Schmerzgrenze geschuftet

Für Breel Embolo hat der Leidensweg ein Ende: Knapp ein Jahr nach seinem letzten Auftritt im Schweizer Dress ist der Stürmer von Schalke wieder im Kreis der Nationalmannschaft dabei.

Sven Schoch (sda), Feusisberg
Drucken
Breel Embolo kann wieder Faxen machen. (Bild: Andy Müller/Freshfocus)

Breel Embolo kann wieder Faxen machen. (Bild: Andy Müller/Freshfocus)

Sven Schoch (SDA), Feusisberg

10, 33, 12, 54 – Breel Embolos Einsatzzeiten in der aktuellen Bundesliga-Saison. Der Rückkehrer zählt jede einzelne Kurzarbeitsschicht. «Ich versuche, so viele Minuten wie möglich zu bekommen.» Beim 1:1 gegen Leverkusen stand der Schalker 349 Tage nach komplizierten Frakturen und Rissen im linken Sprunggelenk erstmals wieder von Beginn weg auf dem Feld. Applaus, stehende Ovationen, Erleichterung. «Es war tatsächlich zermürbend, so lange weg zu sein.»

Sportchef Christian Heidel machte der Öffentlichkeit nach der Startelf-Rückkehr deutlich, «dass es eine wirklich fürchterliche Verletzung war. Sie hätte zu allem führen können. Fakt ist, dass es Sportler gibt, die nach einem solchen Befund nicht mehr zurückgekommen sind.» Man habe die Situation Embolos «mit Absicht nicht so dramatisiert».

Viel Zeit zum Nachdenken

Embolo sagt zur Aussage seines Sportchefs: «Ich realisierte zunächst gar nicht, wie gravierend alles war.» Er habe geglaubt, nach 16 Wochen wieder einsteigen zu können. «Dabei musste ich wieder bei null beginnen, laufen lernen, das Vertrauen in meinen Körper aufbauen. Es war ein langer Prozess, bis ich wieder frei war im Kopf, bis alles abgehakt war.» Er habe sich nach dem Foul des Augsburgers Konstantinos Stafylidis im Oktober 2016 Grundsatzfragen stellen müssen. «Wie weiter? Wenn man so lange zu Hause verbringen muss, bleibt Raum, alles zu hinterfragen und zu analysieren. Warum ich? Warum ausgerechnet jetzt?»

Das Tief habe allerdings nicht lange angehalten. «Ich wurde sofort unterstützt – vom Verband, vom Klub, von der Familie.» Und wie sehr die Anhänger nach wie vor auf ihn setzen, bekam der 20-Jährige im Juni an der Mitgliederversammlung zu spüren. 10 000 erhoben sich und würdigten ihn. «Die Reaktion der Anhänger hat mich sehr berührt.» Danach legte sich Embolo einen eigenen Plan zurecht. «Mein Ziel nach all den Sonderschichten war, von Saisonbeginn voll dabei zu sein.» Trainer Domenico Tedesco kalkulierte anders, der junge Hoffnungsträger reagierte impulsiv, suchte umgehend das Gespräch mit den Verantwortlichen. «Ich wünschte mir Spielpraxis. Mir war völlig egal, wo und wann!»

Auf eigenen Wunsch hin nahm der teuerste Einkauf der Schalker Klubgeschichte in der fünften deutschen Liga mit der U23 von Schalke Anlauf. Und nun, wenige Wochen später, trägt er wieder das Schweizer Dress.

Aktuelle Nachrichten