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Xamax und Trainer Stéphane Henchoz kommen furchtlos zum FC St. Gallen

Die Neuenburger haben Anfang Februar ihren Trainer gewechselt und unter Stéphane Henchoz zwei der bisherigen drei Spiele gewonnen. Das sind gleich viele Siege wie zuvor in 19 Runden.
Pascal Berger
Stéphan Henchoz spielte jahrelang für Liverpool. (Bild: KEY)

Stéphan Henchoz spielte jahrelang für Liverpool. (Bild: KEY)

Als Stéphane Henchoz im Sommer 1995 die Heimat verliess, war ihm eines bewusst: Er musste alle Scheu ablegen, wenn er sich in diesen prominenten Ligen durchsetzen wollte. Auf ihn, den Schweizer, hatte in der Fremde niemand gewartet – weder in der Bundesliga noch in der Premier League. Aber in zuweilen rauer Umgebung lernte er rasch, furchtlos aufzutreten, selbstbewusst, souverän. Heraus kam eine bemerkenswerte Karriere, die nach seinem Weggang von Xamax ausschliesslich im Ausland stattfand. Seine prägendste Zeit erlebte der 72-fache Nationalspieler von 1999 bis 2005, als er für Liverpool verteidigte.

Als Henchoz 2009 in die Schweiz zurückkehrte, bot sich ihm die Möglichkeit, Trainer zu werden. Der FC Bulle rief. Aber das Projekt scheiterte nach wenigen Monaten, weil es einfach nicht passte. Da der Profi, der mit entsprechendem Denken aus England kam, dort der Verein aus der 1. Liga mit Spielern, die beruflich absorbiert sind. Henchoz sagt heute: «Ich war nicht richtig vorbereitet auf diese Aufgabe.»

Löchrige Defensive

Nach längerer Pause begnügte er sich ab Dezember 2015 damit, im Schatten von Michel Decastel Assistenztrainer bei Xamax zu sein, zuerst in der Challenge League, seit vergangenem Sommer in der Super League. Bis zu jenem Tag, an dem Präsident Christian Binggeli den Entschluss fasste, entgegen alle Beteuerungen sich doch von Decastel zu trennen. Er fragte Henchoz, ob er bereit sei, den Chefposten anzutreten. Nach wenigen Minuten erhielt Binggeli die Antwort: «Ja.»

Am 5. Februar war das. Seither hat Xamax unter der Leitung von Henchoz drei Partien bestritten und zwei davon gewonnen. «Für diese Bilanz hätte ich sofort unterschrieben», sagt der 44-Jährige und schiebt den Hinweis hinterher, dass es zuvor in 19 Runden nur zwei Siege gegeben hatte. Henchoz hat mit ein paar taktischen Handgriffen eine defensive Stabilität hinbekommen. Bis zum Trainerwechsel hatte Xamax 44 Gegentreffer erhalten, seither nur noch deren drei. Diese Sicherheit war vor allem deshalb zwingend, weil in Neuenburg nach über vier Monaten ohne Erfolg Zweifel aufgekommen waren: Wie sollte sich dieses Xamax, der Aufsteiger, in der Liga halten? Inzwischen keimt wieder Hoffnung auf. Henchoz sagt: «Platz acht wäre grossartig.» Um anzufügen:

«In unserer Situation könnten wir auch gut damit leben, wenn wir in die Barrage müssten. Das würde bedeuten, dass wir es in dieser ausgeglichenen Liga geschafft hätten, einen Gegner hinter uns zu lassen.»

Der Trainer geht mit demonstrativer Furchtlosigkeit voran und wünscht sich das auch von seinem Team – gerade auch mit Blick auf heute und den Abstecher nach St. Gallen. Natürlich ist der Druck spürbar, «aber es gibt einige Gründe, mit Lust in dieses Spiel zu steigen: Wir treten in einem Stadion an, in dem immer eine gute Ambiance herrscht; wir werden für das, was wir tun, bezahlt; und wir haben noch einige Chancen, um unser Ziel zu erreichen».

Eigentlich ist Henchoz gerade ein ziemlich zufriedener Mann in Diensten von Xamax. Wäre da nicht diese Unbeherrschtheit von Geoffroy Serey Die am vergangenen Samstag gewesen: Der 34-jährige Ivorer, im Winter aus Basel verpflichtet und vom Präsidenten als «neuer Leader» begrüsst, sah nach einer Tätlichkeit im Heimspiel gegen den FC Basel die rote Karte und büsste dafür mit drei Spielsperren. Henchoz hatte vor der Begegnung mit Serey Die eingehend geredet und ihn gebeten, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten:

«Es hat leider nichts genützt. Serey Die bestraft nicht nur sich, sondern auch die ganze Mannschaft. Er weiss, dass ihm mit seiner Erfahrung ein solcher Fehler nicht unterlaufen darf.»

Ungute Erinnerungen an St. Gallen

Xamax hat gegen die Sanktion zwar Rekurs eingelegt, aber die erste Sperre muss er so oder so absitzen. Gegen St. Gallen fällt also ein physisches Element weg, und Henchoz muss Lösungen finden. Ihn bringt das aber nicht von der Überzeugung ab, dass Xamax in der Lage ist, sich zu retten. «Wir waren schon in der ersten Saisonhälfte oft nicht weit von einem Punkt entfernt», sagt er, «und im Sport ist vieles eine Frage des Selbstvertrauens.» Henchoz hat in den vergangenen Wochen viel mit seinen Spielern geredet, «um ihnen zu zeigen, dass ich an sie glaube».

Die nächste Hürde heisst also FC St. Gallen, gegen den es seit vergangenem Sommer zwei 2:3-Niederlagen gab. Der Neuenburger Coach stellt sein Team auf einen intensiven Abend ein, auf einen Gegner, der ein hartnäckiges Offensivpressing betreibt und viel Energie investiert. «Da müssen wir dagegenhalten», so Henchoz. Furchtlos – so halt, wie er als Spieler war.

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