«Für Kreatives ist der heutige Fussball teilweise fast zu schnell»

Peter Stadelmann tritt in den nächsten Tagen als Delegierter der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft zurück. Im Interview zieht der Flawiler eine EM-Bilanz und erzählt, wie er sich mit dem Ball auf dem Feld anstellt.

Christian Brägger/Sebastian Keller
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Peter Stadelmann in den Räumen seiner Anwaltskanzlei in Gossau. (Bild: Ralph Ribi)

Peter Stadelmann in den Räumen seiner Anwaltskanzlei in Gossau. (Bild: Ralph Ribi)

Die EM ist vorbei. Wie lautet Ihr Fazit?

Stadelmann: Auf dem Rasen präsentierte sich mir ein ambivalentes Bild. Es wurde gut verteidigt, viel gelaufen. Das absolute Schlagerspiel gab es aber nicht. Es war nicht das Turnier der Einzelkünstler, oft fehlten Spielwitz und Tempo nach vorne. Die Frage ist, ob man Mittel findet, diese Abwehrbollwerke zu durchbrechen. Heute kann man fast nur noch Tore aus Standard-Situationen erzielen oder wenn der Gegner in der Vorwärtsbewegung überraschend den Ball verliert.

Dieser defensive Fussball gefällt Ihnen wohl nicht besonders?

Stadelmann: Der Fussball ist in den vergangenen Jahrzehnten athletischer geworden. Er ist teilweise zu schnell, als dass die Spieler den Ball kreativ verarbeiten könnten. Ich bin geprägt von einer Zeit, als Günter Netzer und Franz Beckenbauer grosse Namen waren.

Das war stehender Fussball.

Stadelmann: Das sagt man heute so, ja. Aber es war halt wirklich Fussball.

War das auch Ihr Stil als Spieler?

Stadelmann: Man sagte, ich könne eigentlich nicht tschutten, aber ich sei ein Skorer. Ich war Stürmer und auf viel tieferem Niveau vergleichbar mit dem ehemaligen St. Gallen-Spieler Moreno Merenda.

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 17. Juli.