Für Federer und das Team

Tennis. Severin Lüthi weilt derzeit an den Australian Open, wo er in erster Linie Roger Federer betreut. Ab dem 8. Februar führt der Berner das Schweizer Daviscup-Team in die Partie gegen Polen in Kreuzlingen.

Marie-Theres Brühwiler
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Severin Lüthi hofft, dass sein Team in Kreuzlingen in einer vollbesetzten Halle spielen kann. (Bild: EQ Images/Urs Bucher)

Severin Lüthi hofft, dass sein Team in Kreuzlingen in einer vollbesetzten Halle spielen kann. (Bild: EQ Images/Urs Bucher)

Der ehemalige Schweizer Spitzenspieler Severin Lüthi hat noch nie einen Hehl aus seiner Vorliebe für den Mannschaftssport gemacht. Der Teilzeitjob als Daviscup-Captain bedeutet dem 32jährigen Berner viel. «Es ist eine super Aufgabe, Captain des Schweizer Teams zu sein», sagt Lüthi, der die Mannschaft vom 8. bis 10. Februar in Kreuzlingen zum sechstenmal führt. Lüthi gilt in der Schweiz als «Mister Interclub» und war mit dem Grasshopper-Club bisher an zehn Interclub-Meistertiteln als Spieler oder Coach beteiligt. Sowohl im Daviscup als auch im Interclub gilt für Lüthi dasselbe Motto: «Ich bin überzeugt, dass man viel erreichen kann, wenn alle als Team denken und in die gleiche Richtung ziehen.»

Kontakt mit den Trainern

Der Daviscup beginnt für Lüthi nicht erst zwei Wochen vor der Begegnung. «Meine Arbeit für die nächste Begegnung hat längst begonnen», sagt der Berner. Es gelte, die Spieler zu beobachten und «ihnen überall dort zu helfen, wo Bedarf besteht», sagt Lüthi drei Wochen vor dem Aufeinandertreffen mit Polen. In Melbourne beschränkten sich seine Aufgaben neben dem Engagement in der Federer-Box nicht nur auf die Kontakte mit den Spielern. Wichtig sei ihm auch der Austausch mit den Trainern. «Sie leisten das ganze Jahr über die Hauptarbeit und kennen die Spieler am besten.» Es gehe ihm immer um die Akteure und um das Wohl des Teams. «Ich mache alles, damit die Mannschaft Erfolg hat, will mich aber selber nicht in den Vordergrund drängen», sagt Lüthi, dessen Einstand als Captain im September 2005 gegen England gleich mit einem 5:0-Sieg gelang. «Nach der Enttäuschung gegen Tschechien und dem Abstieg in die Europazone ist es sehr wichtig, dass unser Team nach vorne blickt.» Das Ziel stehe fest: «Wir streben den Wiederaufstieg in die Weltgruppe an», sagt Lüthi. Die Kreuzlinger hält der Captain für enorm begeisterungsfähig. «Früher als Spieler, in den vergangenen Jahren als Interclub-Captain von GC – ich erlebe Kreuzlingen immer wieder und weiss deshalb auch, wie begeisterungsfähig die Thurgauer sind.» Für die Spieler sei es nun wichtiger als je zuvor, in einer stimmungsvollen Atmosphäre spielen zu können.

«Dann helfe ich gerne»

Obwohl Lüthi seiner Aufgabe als Daviscup-Captain höchste Priorität einräumt, hat sich der Berner, der viermal am selben Ort zur selben Zeit und in der gleichen Alterskategorie wie Martina Hingis zum Schweizer Junioren- und Aktivmeister gekürt wurde, verschiedene Standbeine aufgebaut. «Wenn mich Roger Federer braucht, so helfe ich gerne», beschreibt er sein derzeitiges Engagement beim besten Tennisspieler der Welt. Die Einsätze für Federer seien jedoch immer zeitlich begrenzt. «Wir entscheiden von Mal zu Mal.»

Nicht fix geplant sind auch seine Engagements für die Ausrüstungsfirma des Rheintalers Ivo Heuberger. «Ich arbeite auf Provisions-Basis und bin deshalb sehr frei», sagt Lüthi, der seine eigene Profikarriere bereits mit 20 Jahren beendete. «Ich habe mich zu jenem Zeitpunkt zu stark in meinen grossen Traum von den Top-Ten verbissen.» Plötzlich habe er dieses hohe Ziel als nicht mehr realisierbar eingestuft und seine Karriere deshalb abgebrochen. «Heute würde ich vieles anders machen.» Mit seinem jetzigen Leben sei er aber rundum zufrieden, sagt Lüthi, der in seiner sechsten Begegnung als Daviscup-Team-Captain nach England im Jahr 2005 und gegen Serbien im September 2006 den dritten Sieg anstrebt.

Weitere Informationen: www.mytennis.ch/daviscup

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