Für Fahrer mit Durchblick

Die Formel 1 hat sich gewandelt. Das Spektakel ist grösser, der Durchblick wird schwieriger. Die Zeitabstände in den Ranglisten zeigen nicht das genaue Bild der aktuellen Stärkeverhältnisse.

Peter Lattmann
Drucken
Teilen
Knöpfe und Schalter in einem Formel-1-Auto: Die Anforderungen an die Fahrer sind durch die Reglementsänderungen gestiegen. (Bild: EQ Images/mspb)

Knöpfe und Schalter in einem Formel-1-Auto: Die Anforderungen an die Fahrer sind durch die Reglementsänderungen gestiegen. (Bild: EQ Images/mspb)

Automobil. In Australien war noch nichts davon zu spüren, in Malaysia sind die Vorteile der neuen Formel-1-Welt voll zum Tragen gekommen. Dank den Pirelli-Reifen, den beweglichen Heckflügeln und dem kurzfristigen Zusatzschub durch das Energie-Rückgewinnungssystem Kers hat der Sepang International Circuit so viele Überholaktionen, packende Manöver und Boxenstops wie noch nie gesehen. Dies verheisst auch für das dritte Rennen vom Sonntag in China Gutes. Die voreiligen Kritiker der weitreichenden Reglementsänderungen sehen sich schon jetzt eines Besseren belehrt.

Aber alle Beteiligten und auch die Zuschauer müssen sich an das Neue zuerst gewöhnen. Die Teams geniessen einen weit grösseren Spielraum bei der Gestaltung der Renntaktik. Die Fahrer haben dank der kurzfristig abrufbaren Leistungssteigerungen mehr Angriffsmöglichkeiten. Sie sind aber im Handling ihres Fahrzeugs stärker gefordert. Zudem sind sie mehr als auch schon zum Schonen der Reifen gezwungen.

Schwierig zu verstehen

«Die Rennverläufe sind konfus und schwierig zu verstehen», sagt Jenson Button. «Als ich in Malaysia in der Schlussphase mit den harten Reifen Sebastian Vettel näher rückte, hat mich das Team statt zur Attacke zur Zurückhaltung aufgefordert, weil es um meine Reifen bangte.» Für einen Rennfahrer sei das zwar nicht befriedigend, «doch wenn es zu einem besseren Resultat beiträgt, muss uns jedes Mittel recht sein», so der Weltmeister von 2009. Dass Button besser als andere mit dieser neuen Situation umgehen kann, beweist sein ungefährdeter zweiter Platz hinter dem erneut unantastbaren Vettel. Weit weniger daran gewöhnt hat sich Buttons McLaren-Mercedes-Mitstreiter Lewis Hamilton, der aus einer sehr guten Ausgangsposition denkbar wenig herausholte.

Ein besseres Bild der aktuellen Stärkeverhältnisse als die offizielle Rangliste von Malaysia zeigt die effektive Fahrzeit ohne die bei den Boxenstops eingehandelten Rückstände. Vettel führt auch dieses Klassement an, aber nur wenige Sekunden vor Button und dem stark verbesserten Red-Bull-Kollegen Mark Webber. Vervollständigt wird das Spitzenquartett von Fernando Alonso im Ferrari. Dahinter klafft eine Lücke. Fast eine halbe Minute mehr für die volle Distanz haben Hamilton, die Renault-Piloten Nick Heidfeld und Witali Petrow sowie Felipe Massa im zweiten Ferrari gebraucht.

Weniger weit weg

Mit anderen Worten: McLaren-Mercedes und Ferrari sind weniger weit von Red-Bull-Renault entfernt als vermutet, aber nur mit je einem Piloten. Deren Teamgefährten bewegen sich auf demselben Niveau wie die beiden Renault-Piloten und dahinter folgt mit leichten Vorteil gegenüber Mercedes bereits Sauber. Ein gewichtiger Vorteil der Schweizer ist, dass Kamui Kobyashi und der lernwillige Sergio Perez ähnlich gut mit der neuen fahrerischen Herausforderung zurechtkommen wie Button.

Aktuelle Nachrichten