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«Früher hiess es: ‹Vorsicht!›»

Nachgefragt
Ives Bruggmann

Im Ostschweizer Regionalfussball ist der 72-jährige Hanspeter Wirth ein bekanntes Gesicht. Der Mörschwiler war bereits Assistenzcoach beim FC St. Gallen sowie Cheftrainer im Nachwuchs. Danach trainierte er unter anderem Uzwil, Altstätten, Au-Heerbrugg, Bad Ragaz, Wittenbach, St. Otmar und Arbon. Seit gut einem Jahr ist er nun für die Mannschaft von KF Dardania St. Gallen zuständig, einem von Kosovo-Albanern gegründeten Verein. Eine Konstellation, die auf den ersten Blick recht sonderbar erscheint.

Hanspeter Wirth, wie kommt ein Schweizer zur Trainerstelle beim kosovo-albanischen Fussballclub Dardania?

Das kam überraschend. Da ich den Präsidenten Arsim Dautaj gut kenne, habe ich ihm zugesagt, als Sportchef mitzuhelfen, Strukturen in den Verein zu bringen. Bis dahin hatte Dautaj den Verein sozusagen als Ein-Mann-Betrieb geführt. Der Trainerjob war damals für mich kein Thema. Als dann aber der damalige Trainer mitten in der Saison hinschmiss, übernahm ich kurzfristig. Jetzt bin ich immer noch im Amt.

Sie trainieren überwiegend Spieler albanischer Herkunft. Was sind die Unterschiede zu einem Schweizer Verein?

Es ist natürlich etwas anderes, wie wenn ich den FC St. Otmar trainiere. Die Spieler haben ein anderes Temperament. Und sie halten stets zusammen. Gegenüber mir ist der Respekt jedoch gross, da sie sehen, dass ich Erfahrung in dem habe, was ich mache. Meine Aufgabe war es von Anfang an, Disziplin und Ordnung reinzubringen.

Die typisch schweizerischen Tugenden also?

Das kann man schon so sagen, ja. Ich denke auch, dass der Verein genau einen solchen Trainer gesucht hat. Denn eines ist klar: Fussballspielen muss man diese Spielern nicht lehren, das können sie alle ausgezeichnet. Zudem gehen sie mit grosser Leidenschaft ans Werk.

Wie setzen Sie Ihre Vorstellungen durch?

Es gibt Regeln, die es zu befolgen gilt. Ein Beispiel: Wenn jemand nicht ins Training kommt, dann muss er sich korrekt und mit Begründung bei mir abmelden. Es muss einfach Ordnung herrschen. Und diese Ordnung überträgt sich dann auch auf den Fussballplatz. Ein weiteres Beispiel: Ich akzeptiere es nicht, wenn Spieler reklamieren oder unsportlich agieren. Deswegen gehen solche Bussen des Verbandes auch zu Lasten der Spieler.

Vielen Ausländervereinen wird mit Missgunst oder gar Fremdenfeindlichkeit begegnet. Ist das in Ihrer Amtszeit auch schon passiert?

Ich kann mich an frühere Zeiten als Trainer erinnern, als beim Aufgebot für die Schiedsrichter jeweils in Klammern geschrieben stand: «Ausländermannschaft, besondere Vorsicht!» Ich darf aber auch mit ein bisschen Stolz sa- gen, dass Dardania unter meiner Führung bereits viele Komplimente erhalten hat – auch von Seiten des Verbandes. Diese gebe ich den Spielern noch so gern weiter. Auf unser Auftreten lege ich nämlich grossen Wert. Es ist schliesslich eine Visitenkarte, die die Spieler auch für ihr Herkunftsland abgeben. Hier kann ich ihnen auch etwas fürs Leben mitgeben. Am Ende geht es mir aber immer noch um den Sport. Deswegen möchte ich auch, dass Dardania genau so behandelt wird wie etwa der FC Gossau oder der FC Winkeln.

Ives Bruggmann

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