Frö-hö-liche Weihnacht überall

Ich bin kein Fan von Weihnachten, aber so schlimm wie in diesem Jahr war meine Abneigung wohl noch nie. Begonnen hatte alles bereits Mitte Oktober, als die Migros die ersten Regale mit Weihnachtsguezli aufstellte. Ungläubig stand ich vor besagtem Regal und verdrehte die Augen.

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Ich bin kein Fan von Weihnachten, aber so schlimm wie in diesem Jahr war meine Abneigung wohl noch nie. Begonnen hatte alles bereits Mitte Oktober, als die Migros die ersten Regale mit Weihnachtsguezli aufstellte. Ungläubig stand ich vor besagtem Regal und verdrehte die Augen.

Anfang November war ich dann mit einer Freundin in Winterthur unterwegs und musste feststellen, dass in den meisten Geschäften nur noch Weihnachtsmusik gespielt wurde. Während ich einen Pullover suchte, dröhnte Mariah Carey aus einem Lautsprecher in der Decke und säuselte: «All I want for Christmas is youuuuuu».

Da wurde mir klar, nie im Leben könnte ich Verkäuferin werden. Müsste ich den lieben langen Tag diese seichte Musik hören, würde ich wohl alle Kunden mit meiner schlechten Laune vergraulen.

Fest des miesen Geschmacks

Auch der Deko-Wahn nimmt immer mehr zu. Wenn ich zu Hause aus dem Fenster schaue, sehe ich bei den Nachbarn leuchtende Rentiere auf dem Balkon. Einen Stock tiefer sehe ich durchs Fenster einen Christbaum mit rot blinkenden Lichtern. Weihnachten scheint nicht mehr das Fest der Liebe, sondern des schlechten Geschmacks zu sein.

Als mein Freund mich fragte, ob wir unsere Wohnung nicht auch ein wenig dekorieren wollen, zuckte ich nur mit den Schultern und meinte: «Wenn du willst, kannst du schon.» Ich brauche keinen Adventskranz, der schon nach der zweiten Kerze sämtliche Nadeln fallen lässt. Ganz zu schweigen von einem Christbaum, der noch mehr Arbeit macht. Aber auch dafür gibt es mittlerweile die passende Alternative: Im Interdiscount bekommt man ein ungefähr 50 Zentimeter hohes Plastikbäumchen für nur 14.95 Franken. Sehr besinnlich.

Auf den letzten Drücker

Auch dem Fernsehprogramm merkt man an: es weihnachtet sehr. Die Klassiker wiederholen sich Jahr für Jahr. Angefangen bei «Kevin allein in New York» bis hin zu «Santa Clause 1, 2 und 3». Nur schade, dass nicht jeder den dicken Tim Allen mit langem, weissem Bart sehen will.

Während in den Filmen haufenweise Geschenke verteilt werden, habe ich noch kein einziges besorgt. Für den Kauf von Geschenken sind drei Dinge vonnöten: eine gute Idee, ein dickes Portemonnaie und starke Nerven. Bekanntermassen ist man ja nicht die einzige Person, die auf den letzten Drücker Weihnachtsgeschenke besorgen muss. Da kann man sich schon mal gegenseitig auf die Füsse treten, wortwörtlich. Mit ganz viel Pech ist dann das potenzielle Geschenk auch noch vergriffen. Meine Alternativen für dieses Szenario lauten: Alkohol oder einen selbstgemachten Gutschein verschenken. Man könnte auch einfach die Augen schliessen, sich einige Male um die eigene Achse drehen und irgendwo im Laden zugreifen. Dabei besteht allerdings die Gefahr, den Laden zu verwüsten und damit das Portemonnaie noch stärker zu beanspruchen.

Aber zum Glück ist der ganze Spuk in vier Tagen ja wieder vorbei. Dann dürfte erst mal wieder Ruhe einkehren. Zumindest bis im nächsten Oktober, denn dann tauchen in den Supermärkten ja schon wieder die nächsten Weihnachtsguezli auf. In diesem Sinne wünsche ich allen ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest. Rahel Haag