Freundschaftsspiel
Ersatzspieler nutzen ihre Chance: Der FC St.Gallen gewinnt das Testspiel gegen Union Berlin mit 3:1

Beide Mannschaften treten nicht in Bestbesetzung an. Es ist jedoch die zweite Garde der zuletzt schwächelnden St.Galler, die den besseren Eindruck hinterlässt.

Renato Schatz
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Salifou Diarrassouba überzeugt beim Testspiel in Berlin mit einem Tor und einem Assist.

Salifou Diarrassouba überzeugt beim Testspiel in Berlin mit einem Tor und einem Assist.

Bild: Ottmar Winter/Freshfocus

Als der Livestream auf der Internetseite des FC St.Gallen auch eine Viertelstunde nach Anpfiff noch nicht funktionierte, tauchte ein Link auf. Er führte zum «Fernsehen aus der Alten Försterei», das die Partie zeigte. Der deutsche Kommentator hatte sich gewissenhaft vorbereitet. Immer wieder kramte er Statistiken über den FC St.Gallen hervor, der, wie er wusste, «im Schnitt dreieinhalb Tore pro Spiel» kassiere. Den Stürmer Fabian Schubert nannte er «den wohl interessantesten Spieler der St.Galler», was er mit dessen eindrücklicher Torquote in der zweithöchsten österreichischen Liga belegte. So ist das im Fussball: Zahlen machen ihn dann und wann begreiflicher.

Nur: Der eifrige Kommentator hat die Aussensicht, hat Zahlen. Und die lügen manchmal eben doch. Der FC St.Gallen kassiert im Testspiel gegen den 1. FC Union Berlin keine dreieinhalb Tore, sondern nur eines. Und er braucht auch nicht den vermeintlich interessantesten Spieler, Schubert, um Tore zu schiessen. Diese erzielen nämlich Tim Staubli, Patrick Sutter und Salifou Diarrassouba, sodass die St.Galler gegen den Bundesligisten vor 1'600 Zuschauern im Stadion an der Alten Försterei mit 3:1 gewinnen.

Beide Trainer wechseln durch

«Das ist jetzt schon eine Überraschung», sagte der Kommentator irgendwann in der zweiten Halbzeit und man hörte ihm das Staunen an. Dabei gibt es auch Zahlen, die dieses Resultat erklären. Etwa, dass die Berliner auf sechs Spieler verzichten mussten, die mit ihren Nationalteams unterwegs sind. Oder auch, dass der Schweizer Trainer Urs Fischer im Vergleich zum 2:1-Sieg gegen Mainz am Wochenende seine Startelf auf zehn Positionen austauschte. Selbiges galt jedoch auch für Peter Zeidler, den Trainer der St.Galler. Einzig Stillhart verblieb im Vergleich zum 2:5 gegen die Grasshoppers im Team.

Ein Team, das ein anderes Gesicht zeigt als gegen GC am Samstagabend. Dafür sorgt unter anderem Diarrassouba. Der 19-Jährige kam in dieser Saison noch nicht zum Einsatz. Denkbar, dass sich das bald andern wird. Diarrassouba tauchte immer wieder im offensiven Mittelfeld auf. Einmal eroberte er 35 Meter vor dem Unioner Tor den Ball, ging mit diesem einige Meter und zog schliesslich ab. Jakob Busk, eigentlich dritter Torwart bei den Berlinern, parierte vorzüglich. Es war nicht die einzige Glanztat des Dänen.

Erfolgreiche St.Galler Angriffe im zweiten Durchgang

Beim St.Galler Führungstreffer durch Staubli war Busk aber chancenlos. Staubli schloss im Strafraum trocken ab, nachdem Diarrassouba zuvor erfolgreich nachgesetzt hatte. Staubli wurde noch in der ersten Halbzeit ausgewechselt. Mutmasslich wegen einem Zusammenstoss mit dem Berliner Verteidiger Rick van Drongelen. Es war der erste von vielen Wechseln, die Peter Zeidler vornahm. Nach 70 Minuten hatte St.Gallen bereits achtmal getauscht. Freilich litt die Qualität des Spiels nach und nach darunter.

Und doch gelang es den St.Gallern immer wieder, Chancen zu kreieren. Wie beispielsweise in der 53. Minute, als die eingewechselten Alessio Besio und Sutter einen Doppelpass spielten. Letzterer erwischte Busk dann in der kurzen Ecke. Sieben Minuten später schloss Diarrassouba einen Konter mit einem präzisen Schuss unter das Lattenkreuz ab. Der Unioner Verteidiger Paul Jaeckel traf nach einer Ecke in der 69. Minute noch zum 1:3. Als sich andeutete, dass Union dieses Spiel nicht mehr ausgleichen würde, sagte der Kommentator, noch immer erstaunt:

«Der Achte der Super League verkauft sich hier aber wirklich teuer.»

Kaufen kann sich der FC St.Gallen mit diesem Testspielsieg vorderhand noch nichts. Doch er wird ihm Selbstvertrauen geben für das richtungsweisende Spiel gegen Servette in eineinhalb Wochen.

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