Freude und Spass sind wieder da

Nach langer Abstinenz tauchte Linda Züblin als Turnfestsiegerin fast aus dem Nichts wieder auf. Die Thurgauer Siebenkämpferin lässt sich nicht unter Druck setzen. Auch nicht am Wochenende beim nächsten Einsatz in Nottwil.

Ruedi Stettler
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Ein stolzer Moment: Die Thurgauerin Linda Züblin grüsst als Turnfestsiegerin im Siebenkampf. (Bild: freshfocus/Christian Pfander)

Ein stolzer Moment: Die Thurgauerin Linda Züblin grüsst als Turnfestsiegerin im Siebenkampf. (Bild: freshfocus/Christian Pfander)

LEICHTATHLETIK. Das hat es lange nicht gegeben. Linda Züblin strahlt auf der Anlage «End der Welt» in Magglingen wieder. «Einmal Siebenkämpferin, immer Siebenkämpferin», sagt sie - auch mit einer Spur Trotz – nach ihrem unerwarteten Turnfestsieg in die bereitgehaltenen Mikrophone. Natürlich sind die 5751 Punkte noch eine eher bescheidene Ausbeute, liegt doch ihre Bestleistung bei 6018 Zählern. Allerdings hat Züblin diese Marke bereits am 1. Juni 2008 im Zehnkampf-Mekka Götzis (Ö) erreicht.

Dann begann bald ihre wirklich unsägliche Leidensgeschichte. Nach drei Knieoperationen Ende 2010 innert weniger Wochen, war die einstige Frohnatur so ziemlich an ihrem Tiefpunkt angelangt. Der Weg zurück wurde extrem steinig und hart. Zwischenzeitlich hat sie die Freude an der Leichtathletik sogar etwas verloren. Eine Umstellung auf nur Einzeldisziplinen war die Folge. Dies war unbefriedigend. Jetzt hat das am 21. März 27 Jahre alt gewordene Mitglied der LAR Bischofszell sein Umfeld total umgekrempelt. Neu ist Markus Schaffner (er trainiert auch Andreas Kundert vom LC Brühl) ihr Haupttrainer. Assistiert wird er vom Deutschen Sven Rees (er betreut auch die bekannte Berner Hürdenläuferin Lisa Urech).

«Wir sind wirklich ein uh mega cooles Team. Alle ticken genau gleich. Freude und Spass sind endlich wieder da. Physisch und psychisch geht es mir nun wieder einiges besser», sprudelt es nur so aus der Blondine heraus. Ihr Mittelpunkt ist nicht mehr Bern: «Ich kehre je länger je mehr in die Ostschweiz zurück. Nebst der Bundesstadt sind Magglingen, Stuttgart und St. Gallen meine Trainingsorte.»

Erfolg kam unverhofft

Nach ihrem Triumph vor zehn Tagen am Eidgenössischen Turnfest in Magglingen musste Linda Züblin die folgenden Trainingslektionen völlig neu regeln. Sie schmunzelt: «Eigentlich waren am Wochenende Trainings in Stuttgart angesagt. Doch in Biel stand die Ehrung als Turnfestsiegerin an und da wollte ich natürlich nicht fehlen.» Jetzt hat sie das Verpasste am Montag und am Dienstag nachgeholt: «Es war lässig. Die Übungen bei den Spezialisten haben mir Spass bereitet.» Es war in diesem Jahr schon ihr drittes Antreten in Deutschland. Solche Abstecher über die Grenze stehen jetzt vermehrt an. Möglicherweise ab Donnerstag bis Samstag jede zweite Woche. Eventuell gar jede Woche.

«Noch ist vieles offen. Es pendelt sich langsam ein», hält die Schweizer Leichtathletin des Jahres 2008 fest. Und fügt sofort an: «Alles passiert im Hinblick auf die nächste Saison. Da findet die EM ja in der Schweiz statt und da will ich unbedingt dabei sein.»

Jetzt folgt Nottwil

Nach dem Erfolg in Magglingen startet Linda Züblin nun am 29./30. Juni auf der Anlage des Paraplegikerzentrums in Nottwil beim Mehrkampf-Europacup. Was setzt sie sich da für Ziele? Sie stutzt einen Moment und stellt dann klar: «Von Limiten rede ich im Moment überhaupt nicht. Ich möchte das Schweizer Team so gut als möglich unterstützen. Am liebsten würde ich natürlich dort weitermachen, wo ich in Magglingen aufgehört habe.»

Mehrere Vorgaben ihrer Trainer hat sie beim Siebenkampf am Turnfest bereits toll umgesetzt. Und dies, obwohl in den letzten Wochen viele Umstellungen nötig wurden. Speziell im technischen Bereich. Linda Züblins Erklärung zu diesem Thema: «Das alles ist nicht einfach unter einen Hut zu bringen. Das braucht Zeit. Die gebe ich mir.»

Daneben arbeitet Linda Züblin weiterhin als Kauffrau in einem 60-Prozent-Job. Und ist glücklich dabei: «Ich brauche diese Abwechslung unbedingt.» Das auch deshalb, weil sie weniger trainiert als früher. Ist das wirklich so? «Ja, meine Wettkampfvorbereitungen verlaufen jetzt ganz anders als vorher. Zudem habe ich nun viel mehr Regenerationszeit.»

Als A-Kader-Mitglied von Swiss Athletics und ebenfalls im Förderungsprogramm Swiss Starters 2014 will sie in Nottwil einen weiteren Schritt vorwärts machen.