French Open
Belinda Bencic sagt über Naomi Osaka: «Manchmal habe ich das Gefühl, es geht ihr darum, im Gespräch zu bleiben»

Belinda Bencic blickt auf sportlich durchzogene Monate zurück. Und fühlt sich auf Sand nicht wohl. Vor den French Open äusserte sie sich zu Naomi Osakas Schweigen und den Olympischen Spielen in Tokyo.

Simon Häring
Drucken
Teilen
Bei den French Open gilt Belinda Bencic nicht zu den Favoritinnen.

Bei den French Open gilt Belinda Bencic nicht zu den Favoritinnen.

Rodrigo Jimenez / EPA

Fünf Mal nahm Belinda Bencic an den French Open teil, erreichte dabei einmal die dritte Runde (2019). Auf Sand fühlt sich die 24-Jährige nicht besonders wohl. Dazu kommt, dass sie in Paris in der Startrunde auf Nadia Podoroska (24, WTA 42) trifft, die dort im letzten Herbst die Halbfinals erreicht hatte. Bencic ist noch nie auf die Argentinierin getroffen und hat auch noch nie mit ihr trainiert. «Schwierige Gegnerin», lautet ihr Urteil. «Allerdings dachte ich das auch, als ich den Rest des Tableaus angeschaut habe. Da gibt es keine, über die ich sagen würde, dass ich locker gewinnen werde.» Dass sie im Training gestürzt ist, nimmt sie mit Humor, sagt: «Ich rutsche gut auf Sand, einfach auf dem Füdli und nicht auf den Füssen.»

Bencic hatte einen schwierigen Start in die neue Saison. Weil mit ihrem Charteflug nach Australien auch Personen gereist waren, musste sie sich vor den Australian Open im Hotelzimmer für zwei Wochen in eine harte Quarantäne begeben. Danach erreichte sie in Melbourne immerhin die dritte Runde. Ihr Potenzial ausspielen konnte sie später in Adelaide, als sie den Final erreichte, wo sie allerdings French-Open-Siegerin Iga Swiatek unterlag. Auf Sand erreichte sie mit dem Viertelfinal-Vorstoss in Madrid ihr bestes Ergebnis. Zuletzt in Rom verlor Bencic, die trotz «nur» elf Siegen in diesem Jahr noch die Nummer 11 der Welt ist, bereits in der Startrunde.

Ihren Ausrutscher im Training nahm Bencic mit Humor.

Ihren Ausrutscher im Training nahm Bencic mit Humor.

Instagram

Lob und Kritik an Naomi Osaka

Entsprechend steht Bencic dieser Tage nicht im Fokus der internationalen Beobachter. Doch was sie zur Ankündigung von Naomi Osaka, in Paris keine Medientermine wahrzunehmen, sagte, hat es in sich. Bencic sagt: «Die Medienarbeit gehört dazu, es ist Teil unseres Jobs. Ich hatte noch nie das Gefühl, schlecht gemacht zu werden. Dank der Berichterstattung der Medien haben wir weltweite Publicity. Und für einen Frauensport werden wir sehr gut bezahlt. Das ist auch dank der Medien der Fall.» Auch sie sei nach Niederlagen schon aufgewühlt gewesen. «Aber kann man sich Zeit nehmen, sich zu sammeln, bevor man Fragen beantwortet.» Zudem seien sie im Umgang mit Medien geschult worden. «Wir wissen, wie es geht.»

Im Gegensatz zu Osaka hält sich Bencic mit pointierten Äusserungen zum Weltgeschehen zurück. Sie sagt: «Ich habe das Gefühl, dass ich nicht zu jedem Thema meinen Senf dazugeben muss. Dieses Bedürfnis habe ich nicht.» Dass inzwischen «jede, überall, zu jeder Zeit und zu jedem Thema» seine Meinung äussern könne, begrüsst Bencic zwar, sieht das aber auch kritisch. Sie sagt: «Das führt nur zu Chaos und Kleinkriegen.» Zwar lobt Bencic Osaka dafür, dass sie ihre Bekanntheit nutzt und sich gegen soziale Ungleichheit einsetzt. Die Japanerin tue viel Gutes. «Anderseits habe ich manchmal auch das Gefühl, es geht ihr darum, im Gespräch zu bleiben.»

Naomi Osakas Medienboykott wirft hohe Wellen.

Naomi Osakas Medienboykott wirft hohe Wellen.

Michael Owens / AP

Olympische Spiele mit Roger Federer geplant

Noch keine abschliessende Meinung hat Bencic offenbar zum Thema Corona-Impfung. In Charleston hätte sie die Möglichkeit gehabt, sich mit dem Vakzin von Johnson & Johnson impfen zu lassen. Den Spielerinnen habe man versprochen, sie dürften sich danach in Madrid frei bewegen, was dann aber nicht der Fall gewesen sei. Immerhin werden die Geimpften von der Testpflicht befreit. Bencic selber verzichtete aber vorerst darauf, sich impfen zu lassen, wie sie auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigte. In Paris befinden sich die Spielerinnen und Spieler in einer Blase in einem von zwei Hotels. Nur zwei Begleitpersonen dürfen sie auf die Anlage begleiten, und das auch nur an Tagen, an denen Bencic im Einsatz steht.

Bencic hat sich an die Begebenheiten angepasst. Für sie ist auch klar, dass sie «auf jeden Fall» an den Olympischen Spielen teilnehmen wolle. Egal, unter welchen Bedingungen das sein werde. «Das ist das Grösste für jede Sportlerin. Es wird vielleicht nicht wie früher sein und man wird weniger Kontakt mit anderen Athleten haben, trotzdem freue ich mich enorm.» Neben den Einzel will sie auch das Doppel bestreiten (mit Jil Teichmann). Und sie hofft, dass sie mit Roger Federer im gemischten Doppel antreten kann. «Ich würde sehr gerne, aber es hängt davon ab, wie gut Roger sich fühlt.» Sie rechnet damit, dass die Entscheidung kurzfristig und vor Ort fällt. Für Bencic wären es die ersten Olympsichen Spiele überhaupt.

Aktuelle Nachrichten