FRENCH OPEN: Bacsinszky gewinnt Geduldsspiel

Timea Bacsinszky erreicht zum zweiten Mal nach 2015 die Halbfinals. In einer von Wind und Regen beeinträchtigten Partie siegt sie gegen die Französin Kristina Mladenovic 6:4, 6:4.

Jörg Allmeroth
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Es war ein Tag, an dem Timea Bacsinszky einfach alles besiegte. Die eigenen Nerven, das schwierige Publikum auf dem Pariser Centre Court, die langen Regenpausen. Und schliesslich auch noch ihre Gegnerin, die Lokalmatadorin Kristina Mladenovic: «Es war ein wahnsinniger Tag, ein komplizierter Tag, ein aufreibender Tag, aber auch ein wunderschöner Tag», sagte Bacsinszky nach ihrem 6:4, 6:4-Erfolg in einem zähen Geduldsspiel. Erst knapp sechs Stunden nach den ersten Ballwechseln war Bacsinszkys zweiter Halbfinalvorstoss bei ihrem erklärten Lieblingsturnier perfekt, der leidenschaftliche Einsatz und die mentale Kühle in dieser herausfordernden Situation hatten sich mehr als gelohnt. «Es ist ein Traum, wieder soweit gekommen zu sein», sagte sie.

Dem denkwürdigen Auftritt folgt morgen ein kurioser Showdown – wahrscheinlich einmalig in der Tennishistorie. Denn im Halbfinal werden sich zwei Geburtstagskinder gegenüberstehen. Bacsinszky wird 28 Jahre alt. Und ihre Überraschungsgegnerin, die Lettin Jelena Ostapenko, beendet ihr Teenagerleben an ihrem 20. Geburtstag mit dem grössten Match ihrer Karriere – sie stand noch nie in einem Grand-Slam-Halbfinale. Doch wie sie in der Runde der letzten Acht auftrat, war mehr als bemerkenswert: Mit 38 Gewinnschlägen und einer mitreissenden Aufholjagd zum 4:6, 6:2, 6:2-Sieg gegen Caroline Wozniacki sorgte sie für Begeisterungsstürme.

Kluge Mischung aus Aggressivität und Kontrolle

Bacsinszky war bereits vor zwei Jahren einmal ins Pariser Halbfinale vorgestossen. Die Schweizerin verpasste jedoch den Sieg nach einer 6:4, 3:2-Führung gegen die von einer Verletzung wiederauferstandenen Serena Williams. Gegen Ostapenko darf sich Bacsinszky, bei aller Vorsicht und bei allem Respekt, nun den ersten Vorstoss in ein Grand- Slam-Endspiel ausrechnen. Vor allem dann, wenn sie erneut eine so kluge Mischung aus Aggressivität und Kontrolle findet wie im Spiel gegen Mladenovic. Bacsinszky war stets die etwas klüger und beherrschter operierende Akteurin, nur ganz selten leistete sich die Romande gravierende Fehler. Und ganz ähnlich wie ihr Landsmann Stan Wawrinka fand sie in den kritischen Situationen noch immer einen Weg, um sich gegen die feurige Mladenovic durchzusetzen, den erklärten Liebling des Pariser Publikums. Auch nach einer mehrstündigen Pause liess sich Bacsinszky nicht von ihrer klaren Linie abbringen. Ein schwaches Aufschlagspiel brachte der 27-jährigen zwar nach der Unterbrechung den 1:3-Rückstand im zweiten Satz, doch anschliessend diktierte sie den Rhythmus, das Tempo und die Ballwechsel. Noch einmal, beim 4:3 für die Schweizerin, ging es wegen einer Regendusche in die Katakomben. Aber der Sieg war nur aufgeschoben. Ein Volleyfehler von Mladenovic brachte den entscheidenden Punkt zum Sprung ins Halbfinale.

Jörg Allmeroth