Frauenfelds gemalte Gesichter

FRAUENFELD. Die Kantonshauptstadt hat sich gewandelt; wie sie Künstler sehen und gesehen haben, ebenso. Im Sommer zeigt der Kunstverein Bilder aus den Sammlungen der Stadt und der Bürgergemeinde – und sucht Werke aus Privatbesitz.

Dieter Langhart
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Uli Hänny: Frauenfeld, 1912. Aquarell, 20,5 x 31 cm, Kunstsammlung Stadt Frauenfeld. (Bild: Dan Saladin)

Uli Hänny: Frauenfeld, 1912. Aquarell, 20,5 x 31 cm, Kunstsammlung Stadt Frauenfeld. (Bild: Dan Saladin)

Was wäre Frauenfeld ohne seinen Kunstverein? Dies ist keine Frage, sondern ein Lob an diese und manch weitere Kulturinstitutionen. Was wäre der Frauenfelder Sommer ohne die besonderen Ausstellungen im Bernerhaus? Um eine Attraktion ärmer.

Dritte Ausstellung zu Frauenfeld

Denn in den vergangenen zwei Jahren hat der Kunstverein ausserhalb seines regulären Programms Bezüge zu Frauenfeld hergestellt: 2012 mit Werken aus dem Nachlass des Bildhauers Otto Schilt (1888–1943), die der Stadt gehören; 2013 gemeinsam mit der Bürgergemeinde eine repräsentative Auswahl der Gemälde von Ernest Hubert (Ernst Huber, 1899–1988) aus dem Besitz der Bürgergemeinde.

Der Stadtrat und der Kulturbeauftragte Christof Stillhard wollen die Reihe der Sommerausstellungen weiterführen und haben das Thema «Frauenfelder Stadtansichten» gewählt. Während der Kunstverein nur ein einziges Frauenfelder Bild besitzt, weisen die städtische Sammlung und jene der Bürgergemeinde eine ansehnliche Zahl künstlerischer Darstellungen auf. Aber vermutlich hängt noch manches Bild in privaten Stuben und ist, wie die Sammlungsstücke, kaum je öffentlich zu sehen.

Die Organisatoren wollen mit der Ausstellung der Bevölkerung von Frauenfeld und Umgebung unbekannte Bilder und Ansichten der Stadt zeigen, zumal sie oft Gebäude darstellen, die es nicht mehr gibt oder die heute ganz anders aussehen.

Beschränkung auf Malerei

Hans Bissegger und Otmar Dossenbach vom Kunstverein haben Kuratorin Milena Oehy ausgewählt, eine Kunsthistorikerin aus Zürich, die lange in Frauenfeld gelebt hat. Sie legt den Fokus auf Gemälde und Aquarelle, allenfalls Zeichnungen, und will Fotografien und Druckgrafiken ausklammern, denn davon gibt es schlicht zu viele.

Die drei haben die Sammlungen der Stadt und der Bürgergemeinde gesichtet. Die Stadtansichten stammen zumeist von lokal und regional bekannten Künstlern wie Uli Hänny, Martha Haffter oder Gabi Kaltenböck; zeitlich reichen sie vom späten 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Schwerpunkt der Ausstellung im Bernerhaus sollen Werke aus dem 19. und 20. Jahrhundert bilden, die das Aussehen der Stadt und seinen Wandel widerspiegeln, aber auch eine künstlerische Vielfalt aufzeigen. Die Auswahl aus den Sammlungen wird nicht einfach sein, denn im Bernerhaus können nur rund 40 bis 50 Werke gezeigt werden, damit die Schau nicht überladen oder unübersichtlich wird. Ein Katalog sei nicht vorgesehen, eine als Leporello gestaltete Ausstellungsbroschüre hingegen schon.

Gesucht: Private Leihgaben

Nun sind Besitzer von Bildern zum Thema eingeladen, sich mit dem Kunstverein in Verbindung zu setzen, falls sie bereit sind, die Werke in ihrem Besitz als Leihgabe für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen. «Absolute Diskretion ist für uns selbstverständlich», sagen die Organisatoren und danken für die Kontaktaufnahme bis Ende März über die Webseite des Kunstvereins (siehe Kasten).

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