Interview

Frauenfelder Fabian Frei: «Ich bereue meine Rückkehr zu Basel nicht»

Fabian Frei spielt seit diesem Winter wieder für den FC Basel. Der Vizecaptain äussert sich vor dem Europacup-Spiel gegen Limassol (Donnerstag, 20 Uhr) über seine Zweifel nach der Zeit in der Bundesliga, zu hohe Erwartungen und den neuen Trainer Marcel Koller.

Céline Feller
Drucken
Teilen
Basels Fabian Frei hat unter Coach Marcel Koller wieder Fahrt aufgenommen. (Bild: Georgios Kefalas/KEY)

Basels Fabian Frei hat unter Coach Marcel Koller wieder Fahrt aufgenommen. (Bild: Georgios Kefalas/KEY)

Fabian Frei, Sie spielen so gut wie noch nie seit Ihrer Rückkehr. Hat das nur mit der Rückbeorderung ins zentrale Mittelfeld zu tun?

Ja, weil das Gefühl einfach ein anderes ist. Natürlich habe ich auch in der Innenverteidigung mein Bestes gegeben. Aber das zentrale Mittelfeld ist meine Position. Dort spiele ich seit Ewigkeiten, dort fühle ich mich daheim, da sind die Automatismen drin. Es macht mir im Moment sehr viel Spass auf dem Platz zu stehen. Das ist schon auch aufgrund des Positionswechsels so. Aber natürlich auch aufgrund der Ergebnisse und der Leistungen, die wir zeigen und holen.

Sie haben, was für Sie eher ungewöhnlich ist, gar zwei Tore geschossen. Sind Sie endlich angekommen in Basel?

Natürlich stellen einen solche Dinge sehr zufrieden. Das letzte halbe Jahr war nicht einfach. Dass es jetzt so läuft ist eine – Genugtuung ist das falsche Wort – aber es geht in die Richtung. Ich kann mir selber beweisen, dass ich doch nicht so schlecht bin, wie alle gemeint haben. Es stand nie zur Debatte für mich, dass ich in der Mannschaft angekommen bin und mich integriert habe. Aber man muss nicht das Gefühl haben, dass Valentin Stocker und ich im Winter zurückkommen und den Verein zum Titel schiessen und sofort alles wunderbar funktioniert. Da fehlt schon etwas die Geduld oder auch das Wissen, was wir beiden erreicht haben in der Vergangenheit.

Wie meinen Sie das?

Es war nicht so – bei allem Respekt vor der Liga in Dubai – dass wir fünf Jahre in der Wüste gekickt haben. Wir haben nicht rumgeplämpert. Wir waren in Deutschland, haben tatsächlich auch dort trainiert und auch nicht vergessen, wie man Fussball spielt. Wenn es einem dann trotzdem nicht läuft, dann kann das verschiedene Gründe haben. Es kann ja sein, dass es einem privat nicht so gut läuft oder dass einer auf der falschen Position spielt. Da dann immer so viel hinein zu interpretieren ist nicht nötig. Ich verstehe, dass die Leute das tun, aber man sollte uns nicht abschreiben. Ich glaube, dass wir dieser Mannschaft noch sehr viel helfen können.

Wurde zu viel von Ihnen erwartet?

Es war schon so, dass alle dachten, wir kommen zurück und es funktioniert exakt gleich wie vor dem Weggang. Aber das ist in diesem Business nicht so. Es wurde immer sehr viel auf unsere Namen reduziert. Es ist aber auch nicht so, dass die anderen neun super Fussball gespielt hätten. Es war durchs Band nicht gut. Es ist ja eigentlich ein Kompliment, wenn viel erwartet wird. Kritik muss dann aber auch immer sachlich bleiben. Es hilft nicht, wenn man ständig fragt, was denn los ist. Und schon gar nicht, wenn man pfeift.

Sie haben die Pfiffe also auch gehört.

Ja. Wir sind keine Maschinen. Es nervt mich auch, dass man in der zweiten Halbzeit Pfiffe hört, wenn einer einen Rückpass spielt. Logisch ist man als Fan emotional dabei. Aber wenn sich der Unmut auf einen Spieler konzentriert, dann habe ich Mühe.

Es klingt, als hätten Sie sich Ihre Rückkehr auf verschiedene Arten anders vorgestellt.

Klar habe ich es mir anders vorgestellt, aber es ist kein Wunschkonzert.

Wenn Sie gewusst hätten, was alles auf Sie zukommt – die Spiele auf der Bank und dann die Verschiebung in die Innenverteidigung, die schlechten Resultate, die titellose Saison, die vielen Abgänge – hätten Sie dann dennoch unterschrieben im Winter?

Wenn Sie darauf raus wollen, ob ich es bereue, dann kann ich klar sagen: Nein. Es ist absolut richtig gewesen. Ich habe gelesen, dass aus meinem Umfeld vernommen wurde, dass ich den Wechsel bereue. Das ist absoluter Blödsinn. Dieses Umfeld soll mir erst mal einer zeigen. Es war der richtige Entscheid – in allen Belangen.

Mittlerweile läuft es im Klub wieder besser – auch dank Marcel Koller. Sie sagen, er habe nicht viel geändert, dennoch ist der Effekt gross. Wie erklären Sie sich das?

Ich kann das auch nicht erklären. Wenn ein Trainer grundlegende Sachen ändert, dann könnte man es darauf zurück führen. Natürlich geht er einige Dinge anders an als Raphael Wicky, aber es ist nicht so, das wir komplett anderen Fussball spielen als vorher. Wir sind abgezockter und machen die Tore eher als vorher. Vieles hat auch mit dem ersten Spiel zu tun. Vor diesem hat er die richtigen Rädchen gedreht – welche das auch immer gewesen sind. So hatten wir alle wieder ein besseres Gefühl und es hat gut geklappt. Dann ist es auch kein Zufall, wenn man das zweite, dritte und vierte Spiel auch noch gewinnt. Es hat sich auf eine gewisse Art etwas angestaut.

Sie haben schon viele Trainer erlebt. Was macht Marcel Koller aus?

Er sieht Probleme relativ früh. Früher als andere Trainer, die ich hatte. Er schafft es ausserdem, zu verhindern, dass aus Problemchen Probleme werden. Er ist darüber hinaus eine absolute Respektsperson, wie das schon Christian Gross gewesen ist. Er ist erfahren, aber dennoch jung geblieben. Er hat eine Aura, die ihn umgibt. Er ist der Chef, und nichtsdestotrotz für Spässchen zu haben.

Sie sind sein verlängerter Arm. Ist der Draht zu ihm enger als zu Wicky?

Ja, schon. Aber es ist trotzdem nicht so, dass ich ständig in seinem Büro hocke. Aber ich spüre, dass er meine Meinung möchte und das freut mich auch. Er fragt nicht einfach, um gefragt zu haben, sondern nimmt das auch an. Mit ihm ist der Austausch intensiver als mit Wicky.

Die logische Folge wäre, dass Sie bald das Captainamt von Suchy erben.

Nein, gar nicht. Marek ist für mich ein super Captain, der seine Sache sehr gut macht. Er wird in der Mannschaft absolut respektiert.

Fabian Frei bei einem Training mit dem FC Basel. (Bild: Georgios Kefalas/KEY)

Fabian Frei bei einem Training mit dem FC Basel. (Bild: Georgios Kefalas/KEY)

Aber wen Koller Sie fragen würde, würden Sie sicher nicht nein sagen?

Dann würde ich zuerst Marek fragen. Das hat mit Respekt zu tun. Aber natürlich sagt man dem Trainer nicht einfach nein. Aber es ist überhaupt nicht mein Ziel. Ich sage immer was ich denke, egal ob ich Captain bin oder nicht. Aber klar wäre es schön, mein Bild mal im Fanshop und in der Captains Lounge hängen zu sehen.

Auch wenn es jetzt so gut läuft, sagen Sie, dass das erste Halbjahr hart war. Welches war die schwierigste Phase?

Anfang Rückrunde. Ich bin zurückgekommen, habe ein Spiel gemacht, das absolut schlecht war, und dann spiele ich drei Mal gar nicht mehr. Das ist nicht einfach.

Wie gehen Sie mit so etwas um?

Schlecht. Wenn ich nicht spiele, bin ich wütend. Nach einem schlechten Spiel will ich so schnell wie möglich wieder auf den Platz und zeigen, dass es ein Ausrutscher war. Wenn du diese Chance dann drei Wochen lang nicht hast, ist es schwer. Vielleicht hat es diese Phase aber auch gebraucht, damit ich die jetzige umso mehr zu schätzen weiss.

Wie meinen Sie das?

Für mich ist es schöner, jetzt hier zu sitzen und es läuft mir, als wenn das vorher nicht passiert wäre. Ohne das halbe Jahr vorher wäre ich jetzt auch happy, aber nicht so happy wie jetzt. Weil ich finde, dass ich es ein paar Leuten gezeigt habe.

Hatten Sie je Zweifel an sich?

Es wäre gelogen, wenn ich das sagen würde, dass dem nicht so war. Vielleicht waren es nicht gerade Zweifel, aber natürlich hadert man mit sich. Man fragt sich: Habe ich in Deutschland das Fussballspielen verlernt? Dennoch merkst du im Training, dass du gute Bälle spielen kannst.

Mittlerweile sind Sie gefestigt. Wie sieht es mit der Mannschaft aus?

Um uns gegen Apollon Limassol zu qualifizieren sind wir gefestigt genug.

Also qualifiziert der FCB sich für die Gruppenphase der Europa League.

Das muss unser Anspruch sein, ja.

Und wenn die Gruppenphase verpasst wird?

Dann wird es sehr schwer, da wir etwa 30 Spieler im Kader haben - was zu viel wäre für die Liga. Aber nicht nur deshalb würde ein Verpassen der Europa League sehr, sehr weh tun.