«Frauen reissen Zuschauer mit»

Erstmals findet die Eishockey-WM der Frauen in der Schweiz statt. Peter Lüthi, der 2009 schon die WM der Männer organisiert hat, macht sich keine Illusionen, was die Zuschauerzahl betrifft. Er verspricht aber Spitzensport und Emotionen.

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Goalie Florence Schelling und ihre Teamkolleginnen haben ab morgen an der WM in Zürich und Winterthur die Möglichkeit, beste Werbung für das Frauen-Eishockey zu machen. (Bild: epa/Robert Ghement)

Goalie Florence Schelling und ihre Teamkolleginnen haben ab morgen an der WM in Zürich und Winterthur die Möglichkeit, beste Werbung für das Frauen-Eishockey zu machen. (Bild: epa/Robert Ghement)

Herr Lüthi, wie schaffen Sie es, das Eishockey-Publikum unmittelbar nach dem grandiosen Playoff-Final zwischen Davos und Kloten für die WM der Frauen zu begeistern?

Peter Lüthi: Wir sind uns bewusst, dass wir mit diesem Anlass nicht mit dem Final der NLA-Meisterschaft konkurrenzieren können. Deshalb haben wir auch mit Plakataushängen und öffentlichen Aktionen bis kurz vor dem morgigen WM-Start gewartet.

54 Zuschauer wollten das Testspiel der Schweizerinnen gegen WM-Teilnehmer Russland sehen. Ist Ihnen vor den Spielen im Winterthurer Deutweg und im Zürcher Hallenstadion nicht bange?

Lüthi: Der Ticketverkauf entspricht den Erwartungen. Ich gehe davon aus, dass die Schweizer Spiele von 2000 bis 2500 Zuschauern verfolgt werden. Begehrt sind auch Tickets für die Partien von Kanada und den USA, die das Frauen-Eishockey seit Jahren dominieren. Aber natürlich müssen wir auch mit Begegnungen rechnen, die nur wenige Zuschauer anziehen werden.

Rechnen Sie mit einem grossen Verlustgeschäft?

Lüthi: Wir arbeiten mit einem Budget von rund 1,5 Millionen Franken. Ziel ist es, eine schwarze Null zu schreiben. Das wäre angesichts der geringen Popularität des Frauen-Eishockeys hierzulande eine grossartige Leistung. Die Ticketpreise haben wir bewusst moderat gehalten. Eine Tageskarte kostet 20 Franken und beinhaltet einen Sitzplatz für beide Begegnungen eines Spielorts. Selbst wenn wir am Ende einen kleinen Verlust schreiben würden, könnte dieser als Investition ins Frauen-Eishockey betrachtet werden.

In der Schweiz ist das Frauen-Eishockey nicht sehr populär. Wieso hat sich der Verband denn um die Austragung der WM bemüht?

Lüthi: Wir sind es den Frauen schuldig, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass es auch hierzulande eine erfolgreiche Bewegung im Frauen-Eishockey gibt. Die Schweiz hat zwar lediglich 700 lizenzierte Spielerinnen, ist aber die fünftbeste Nation der Welt. Die Förderung der Frauen in dieser Sportart ist einer der sechs Hauptpunkte in der Strategie von Swiss Ice Hockey. Dazu gehört aber zum Beispiel auch, dass Frauen der Besuch von Eishockeyspielen attraktiver gemacht wird.

Hätte die WM nicht auch in kleinerem Rahmen stattfinden können?

Lüthi: Wir müssen uns bewusst sein, dass die Infrastruktur in Winterthur und Zürich für die Spielerinnen aus Kanada und den USA schon fast provinziell ist. In ihrer Heimat sind sie sich an professionellere Verhältnisse gewöhnt. Wir wollten einen Mittelweg finden, der noch Atmosphäre in den Stadien verspricht.

Ist es im Frauen-Eishockey überhaupt möglich, dass im Stadion Emotionen aufkommen?

Lüthi: Oh ja! Wer meint, er sähe an dieser WM einfach schlechtes Männer-Eishockey, ist auf dem Holzweg. Es ist eben ein ganz anderer Sport, der von den technischen Fähigkeiten der Spielerinnen lebt. Und die werden das Publikum mit hochstehenden Auftritten bestimmt mitreissen.

Interview: Matthias Hafen

Peter Lüthi Geschäftsführer Schweizerischer Eishockeyverband (Bild: Quelle)

Peter Lüthi Geschäftsführer Schweizerischer Eishockeyverband (Bild: Quelle)