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Frauen-Fussball-WM: Teatime-Troubles nach dem Thriller

Die USA-Frauen sind nur noch einen Schritt von der erfolgreichen WM-Titelverteidigung entfernt. England scheitert im Halbfinal vom Penaltypunkt.
Jana Lange, Lyon
USA-Star Alex Morgan nimmt nach dem 2:1 einen Schluck Tee. (Bild: François Mori/Keystone, Lyon, 2. Juli 2019)

USA-Star Alex Morgan nimmt nach dem 2:1 einen Schluck Tee. (Bild: François Mori/Keystone, Lyon, 2. Juli 2019)

Nach dem erneuten Einzug in den WM-Final musste US-Superstar Alex Morgan erst einmal über Tee sprechen. Der provokante Teaparty-Jubel des Geburtstagskindes im Anschluss an den Siegtreffer zum 2:1 (2:1) des dreimaligen Weltmeisters im packenden Halbfinal gegen England erhitzte die Gemüter. Zu imitieren, wie Engländer mit abgespreiztem kleinen Finger eine Tasse Tee trinken, sei «geschmacklos», schimpfte die englische Ex-Nationalspielerin Lianne Sanderson als TV-Expertin.

Tatsächlich wollte Morgan an ihrem 30. Geburtstag und in Abwesenheit der leicht am Oberschenkel verletzten Megan Rapinoe für Gesprächsstoff sorgen. «‹Pinoe› hat so viele Torjubel und niemand fragt sie danach. Ich mache einen und jeder fragt», sagte sie nach ihrem sechsten Turniertor. «Wir haben einfach Spass beim Jubeln und mussten dafür sorgen, dass es interessant bleibt.»

Dabei war die Begegnung der Weltklasseteams auch so der ­totale Thriller. Rapinoe-Ersatz Christen Press (10.) brachte den Titelverteidiger früh in Führung. England-Torjägerin Ellen White (19.) glich aus, bevor Morgan (31.) zuschlug. Auch ohne weitere Tore ging es in der zweiten Hälfte vor 53512 elektrisierten Zuschauern im Stade de Lyon rund. Whites Ausgleich (68.) zählte nicht, weil Videoassistent Carlos del Cerro Grande (Spanien) eine hauchdünne Abseitsstellung erkannt hatte.

Rapinoe soll im Final wieder spielen

Der VAR griff erneut ein, als US-Verteidigerin Becky Sauerbrunn White im Strafraum zu Fall brachte. Schiedsrichterin Elvina Alves Batista (Brasilien) entschied auf Elfmeter. Doch US-Torhüterin Alyssa Naeher parierte den schwachen Versuch von Englands Captain Steph Houghton (84.). «Sie hat uns die Ärsche gerettet», sagte Morgan über die frühere Keeperin von Turbine Potsdam. «Und wir wussten in dem Moment, dass das Momentum sich zu unseren Gunsten dreht.» Der Topfavorit stellte auf Fünferkette um, sicherte so den elften WM-Sieg in Folge (Rekord) und steht zum dritten Mal nacheinander und zum fünften Mal insgesamt im WM-Final (ebenfalls Rekord).

Im Final wird Rapinoe laut eigener Aussage wieder auflaufen. «Es ist nicht mal eine Zerrung», versicherte die extrovertierte Trump-Gegnerin, die in den vorherigen K.-o.-Spielen gegen Spanien und Frankreich (beide 2:1) alle vier Tore erzielt hatte.

Den am Boden zerstörten Engländerinnen, denen zu Hause knapp zwölf Millionen Landsleute die Daumen drückten und damit für die TV-Rekordquote des Jahres sorgten, bleibt nur das Spiel um Platz drei am Samstag in Nizza – wie vor vier Jahren in Kanada, als Deutschland im ­kleinen Final bezwungen wurde (1:0 n. V.).

Coach Neville träumt von den grossen Titeln

Und der Blick voraus. «Mein erster Gedanke war, wie wir das Spiel am Samstag gewinnen. Mein zweiter Gedanke war, wie wir nächstes Jahr Olympiagold und 2021 die EM gewinnen», sagte Englands Nationaltrainer Phil Neville. Zumal die Euro in zwei Jahren in England stattfindet. Der langjährige Manchester-United-Profi befindet sich auf einer grossen Mission: «Das Ziel ist, die Besten zu werden – wie Amerika. Es ist noch ein Stück, aber ich werde nicht ruhen, bis wir so weit sind.»

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