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Frauen-Eishockey: Die bisherige Natitrainerin Daniela Diaz über ihre neue Rolle, den Stellenwert der Frauen und den Vergleich mit den Fussballfrauen

Daniela Diaz soll der Frauen-Eishockey-Nationalmannschaft in einer neuen Position auf die Sprünge helfen.
René Barmettler
Daniela Diaz ist diese Woche wegen der Nachwuchssichtungtrainings in Engelberg unterwegs. Bild: Pius Amrein (24. Juli 2019)

Daniela Diaz ist diese Woche wegen der Nachwuchssichtungtrainings in Engelberg unterwegs. Bild: Pius Amrein (24. Juli 2019)

Mittwochnachmittag in Engelberg: Die Sonne scheint auch hier unbarmherzig. Für die Hitzeempfindlichen sorgt aber hier auf rund 1000 Meter über Meer ein frischer Wind für etwas Abkühlung. Draussen vor der Eishalle Sporting Park spielen vier junge Frauen Fussball. Es sind Eishockeyspielerinnen, die sich auf diese Art für das Eistraining aufwärmen. Zurzeit findet im Obwaldner Klosterdorf das jährliche so genannte Skills & Development Camp statt, das Swiss Ice Hockey für die hoffnungsvollsten Nachwuchstalente der Alterskategorie U22 organisiert. Eine wichtige Rolle spielt dabei Daniela Diaz, die 37-jährige Zugerin, 100-fache Schweizer Internationale und Schwester von Raphael, dem Verteidiger des EV Zug. Die letzten zehn Jahre agierte sie als Trainerin, von 2015 bis zu diesem Frühjahr coachte sie das Schweizer Nationalteam und wurde mit ihm Fünfte an den Olympischen Spielen von Pyeongchang. Nach der diesjährigen Frauen-WM gab sie das Amt als Trainerin ab und trat bei Swiss Ice Hockey die neu geschaffene Stelle als Managerin der Nationalmannschaften an. In dieser zentralen Position ist sie gleichzeitig auch für die Weiterentwicklung des Schweizer Frauen-Eishockeys auf übergeordneter Ebene verantwortlich. «Nach der letzten WM haben Nationalmannschaftsdirektor Raeto Raffainer und ich eine gründliche Analyse gemacht. Wir kamen zum Schluss: Wir müssen in der Entwicklung der Spielerinnen unbedingt nachhaltiger arbeiten – und deshalb das Know-How bündeln und gezielt einsetzen.»

Frauenteams nur bei den ZSC Lions und Lugano

Der neue Job ist eine erfreuliche Sache – für das Schweizer Fraueneishockey im Allgemeinen, und für Daniela Diaz, die eine Vorreiterrolle im Schweizer Fraueneishockey hatte und noch immer hat. «Die neue Organisation zeigt, dass der Verband hinter dem Fraueneishockey steht und mit mir den nächsten Schritt macht, damit sich dieses langfristig und in die richtige Richtung entwickeln kann.» Zu Daniela Diaz’ Aufgaben gehört es auch, mit den Klubs zusammenzuarbeiten, «Inputs zu geben, voneinander zu lernen und den Austausch zu pflegen. Damit wir das Frauen-Eishockey gemeinsam und stetig voran bringen und die Spielerinnen noch besser fördern.» Dass es dafür viel Geduld braucht, ist ihr bewusst. Das Frauen-Eishockey hat nämlich hierzulande noch immer einen schweren Stand, ein Schattendasein. Und die grossen Klubs foutieren sich darum, Mädchenmannschaften zu fördern. Der EV Zug beispielsweise löste die Frauenabteilung kurz nach dem vierten Meistertitel 2005 auf. Zwei NL-Klubs unterhalten ein Team in der obersten Frauenliga, der Swiss Women’s Hockey League A, die derzeit sechs Teams umfasst: Lugano und die ZSC Lions. Wer in der Region Aargau/Zentralschweiz in der obersten Liga spielen will, findet den SC Reinach auf der dürftigen Landkarte. «Es wäre schön, wenn der eine oder andere Grossklub nachziehen würde», sagt Daniela Diaz. Doch danach sieht es im Moment nicht aus. Das Frauenthema ist wohl im Fussball angekommen, im Eishockey hapert es noch immer. Die Bronzemedaille der Schweizer Eishockeyanerinnen an den Olympischen Spielen 2014 änderte nicht viel daran, ausser dass viele Mädchen neu begonnen haben, Eishockey zu spielen. «Diese Medaille in Sotschi hatte einige positive Nebeneffekte. Die anderen Nationen blieben in der Zwischenzeit nicht untätig. Schweden und Finnland betreiben halbprofessionelle Ligen. Aber wir haben in Südkorea von sechs Spielen deren fünf gewonnen, kleine Details fehlten, um das entscheidende Spiel im Viertelfinal gegen Russland zu gewinnen.» Die meisten Grossklubs in den beiden erwähnten Nordländern führen eine Frauenabteilung, wo auch Schweizerinnen wie etwa die Luzernerin Lara Stalder (Brynäs IF) spielen.

Colin Muller ist die optimale Nachfolgelösung

Daniela Diaz hat die Fussball-WM der Frauen in Frankreich am TV mitverfolgt und bewunderte die Athletik der Spielerinnen. «Da sehe ich auch weiterhin riesengrosses Steigerungspotenzial bei uns. An der Fussball-WM sah ich ausschliesslich Topathletinnen, das war beeindruckend.» Die Zugerin hat auch nach zehn Jahren Trainerarbeit nichts an Begeisterung eingebüsst, sich für die Frauen im Eishockey einzusetzen. Unterstützt wird die ehemalige Stürmerin unter anderem von der ehemaligen Nationalmannschafts-Torhüterin Florence Schelling, sowie Tatjana Diener und Melanie Häfliger, die sich auch nach ihrer aktiven Spielerinnenkarriere für die Weiterentwicklung einsetzen. Die Nationalmannschaft trainiert und coacht nun Colin Muller, ehemaliger Stürmer des EV Zug. Seit vergangenem Februar und an der WM hatte er Diaz bereits als Assistent unterstützt. «Nebst seinen Fähigkeiten als Coach war ich begeistert, wie er sich eingebracht hat. Von seinem riesigen Wissen und der Art und Weise, wie er es vermittelt, können die Spielerinnen enorm profitieren. Das machte es für mich einfach loszulassen.» Mit Lars Weibel, dem Nachfolger von Raeto Raffainer als Director National Teams, stehen noch Gespräche über die künftige Strategie bevor. Den Karriereschritt und die Übergabe des Coachingjobs bereute Daniela Diaz bisher nicht. «Es ist für mich eine unglaubliche Ehre, diesen Job zu machen.» Dies aber auch im Wissen, dass es im Schweizer Frauen-Eishockey noch sehr viel zu tun gibt.

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