Französisch spritzig

Der Thurgauer Pianist Timon Altwegg hat unter dem Titel «Le Piano français» eine neue CD herausgebracht, die vier kompakte Klavierkonzerte vereint. Die Aufnahme ist eine quirlige Entdeckungsreise zu einem Stück wenig bekannter Musik.

Martin Preisser
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Pianist Timon Altwegg. (Archivbild: Martin Preisser)

Pianist Timon Altwegg. (Archivbild: Martin Preisser)

Timon Altwegg liebt Partituren mit vielen Noten, und das Virtuose ist etwas, worin er sich gerne tummelt. Bei den Werken seiner neuen CD kommt er dabei voll auf seine Kosten. Quirlig, mit direktem Zugriff, mit fast kühler, immer objektivierender Brillanz geht Altwegg an vier französische Klavierkonzerte heran, deren Komponisten man hierzulande kaum kennt. Es sind Jean Rivier (1896–1987), Robert Casadesus (1899–1972), Jean Wiener (1896–1982) und Jacques Castérède, dem mit Geburtsjahr 1926 einzig noch lebenden der vier.

Die vier kurz und kompakt gehaltenen Klavierkonzerte mit Streichorchester ähneln sich stilistisch sehr. Sie sind im besten Sinne spritzig eingängig, voller Schwung, perlend, einfach erfrischend. Vieles in den Werken erinnert an die Tonsprache von Darius Milhaud, einer prägenden Figur im französischen Musikleben Anfang des 20. Jahrhunderts.

Neoklassizistisch

Die vier Werke sind Klaviermusik, die eher weniger Anleihe nehmen am französischen Impressionismus und seinen raffinierten Klangmischungen. Es überwiegt das neoklassizistische Element, meist herrscht holzschnittartige Klarheit. Es sprudelt und rauscht, alles wirkt klar und transparent. Dies auch dank des genauen, manchmal bewusst kantigen Klavierspiels von Timon Altwegg, dem hier sein grosses technisches Können zugunsten kecken und genau ausgeführten Zugriffs zugute kommt. Nicht minder frisch begleitet das Orchestre de Chambre de Toulouse unter Gilles Colliard. Altwegg und Colliard, der auch (ein bereits mehrfach ausgezeichneter) Geiger ist, haben bereits eine CD zusammen realisiert, auf der sie Violin-Klavier-Sonaten von Hans Huber einspielten.

Reizvolle Entdeckungen

Die Klavierkonzert-CD erlaubt eine spannende und eher leichter verdauliche Reise zu einem Stück ziemlich und zu Unrecht unbekannter französischer Literatur. Und in jedem Klavierkonzert lassen sich einige reizvolle Entdeckungen machen. Da mag man den rassigen, an Strawinsky oder Prokofjew gemahnenden Anfang von Jean Riviers Konzert erwähnen. Spannend auch Jean Wieners Concerto «Franco Americain», das fast festlich barock beginnt, um dann ins Jazzige überzugehen. Der zweite Satz ist quasi filmisch gedacht, und das Finale erinnert an Revuehaftes.

Sehr flüssig und vorwärts drängend geht es in weiten Teilen dieser französischen Klavierlandschaft zu und her. Da geniesst man umso mehr einmal ein schön und lyrisch intensiv durchgeformtes ruhigeres Nocturne in Jacques Castérèdes Concerto.

Le Piano français: erschienen bei Guild (GMCD 7391)